Energie: Die Verschwendung von Ökostrom nimmt zu

Energie: Die Verschwendung von Ökostrom nimmt zu

Im vergangenen Jahr ging Windstrom im Wert von mindestens 30 Millionen Euro verloren. Schuld waren überlastete Netze. Das Problem wird sich in Zukunft noch verschlimmern.

Dass die Stromnetze in Deutschland wegen der wachsenden Menge an Ökostrom chronisch überlastet sind und dringend ausgebaut werden müssen, ist seit längerem bekannt. Bisher hat die Regierung in dieser Hinsicht aber wenig getan. Diese Nachlässigkeit hat Folgen: Wie jetzt bekannt wurde, konnten vergangenes Jahr 127 Gigawattstunden Strom wegen Überlastung der Leitungen nicht in das Netz eingespeist werden. Im Vergleich zu 2009 ist das ein Anstieg von 72 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor.

Laut der Bundesnetzagentur, die für die Erhebung der Zahlen zuständig ist, handelte es sich bei der abgeregelten Strommenge zu 98,6 Prozent um Elektrizität aus Windkraftanlagen. Mit dem verloren gegangenen Strom hätten 31 750 Haushalte ein Jahr lang versorgt werden können. Der Verbraucherpreis für 127 Gigawattstunden Strom lag 2010 bei etwa 30 Millionen Euro.

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Die Netze sind mittlerweile zu einem Flaschenhals bei der Ökostromversorgung geworden. Vor allem im Norden Deutschlands geht der Ausbau der Windenergie rasant voran. In die südlichen Bundesländer, wo der größte Strombedarf besteht, kann die Elektrizität aber immer häufiger nicht transportiert werden, weil die Leitungen fehlen.

„Wegen mangelnder Übertragungskapazität stehen in Schleswig-Holstein manche Windanlagen mittlerweile 40 Prozent der Zeit still“, klagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). Er vermutet, dass die jetzt bekannt gewordenen Zahlen der Bundesnetzagentur sogar noch zu niedrig angesetzt sind. Albers rechnet für 2010 mit verlorenem Windstrom in Höhe von 200 GWh. Der Grund für die Diskrepanz in der Statistik: Die Bundesnetzagentur bezieht ihre Zahlen von den Netzbetreibern, der BWE außerdem von den Eignern der Windkraftanlagen. Der BWE will in einigen Wochen eigene Zahlen veröffentlichen.

Wegen der hohen Menge an abgeregeltem Strom befürchten die Betreiber von Windkraftanlagen inzwischen ein Legitimitätsproblem für die Ökostrombranche. Das berichten Mitarbeiter des BWE. Den Stromkunden sei auf Dauer nicht vermittelbar, so heißt es beim Verband, dass massenhaft Windparks gebaut würden, die ihren Strom nicht ins Netz einspeisen können. Denn bezahlen müssen die Verbraucher den ausgesperrten Strom trotzdem.

Der Grund: Wenn Netzbetreiber wie Tennet oder 50 Hertz ihre Leitungen wegen Überlastung oder stark schwankender Einspeisung für Ökostrom schließen, müssen sie den Windanlagenmanagern den Ausfallbetrag überweisen – rund neun Cent pro Kilowattstunde. Die Kosten für den Phantomstrom schlagen die Netzbetreiber wiederum auf die Verbraucher um.

BWE-Präsident Albers fordert deshalb, den Ausbau der Netze dringend zu beschleunigen. Denn das Problem werde sich in den kommenden Jahren noch verschlimmern, sagt er. In Zukunft sei mit einer Verzehnfachung der Menge an abgeregeltem Windstrom zu rechnen. Dann würden Verbraucher einen dreistelligen Millionenbetrag für Strom bezahlen, der nie bis zu ihrer Steckdose gekommen ist.

Bessern wird sich die Situation vor dem Jahr 2020 aber nicht, sagt Stephan Kohler, Geschäftsführer der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena). „Die Politiker haben sich keine Gedanken gemacht, wo der ganze grüne Strom hin soll“, kritisiert er. Seit Jahren werde massiv im Bereich der Wind- und Sonnenenergie investiert, ohne dass ein Konzept für den Ausbau des Stromnetzes vorhanden sei. Als aktuelles Beispiel nennt Kohler Schleswig-Holstein. Dort sei ein Ausbau auf 12000 Megawatt Windstromleistung geplant. Vor Ort würden aber höchstens 2000 Megawatt verbraucht. „Wie der Strom in die anderen Bundesländer kommen soll, darüber macht sich niemand Gedanken.“

Die parlamentarische Anfrage, die zur Veröffentlichung der Zahlen der Bundesnetzagentur führte,  wurde von Eva Bulling-Schröter initiiert. Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag und umweltpolitische Sprecherin der Linkspartei kritisierte die „Planlosigkeit der Bundesregierung in Sachen Energiewende“. Weiter sagte sie: „Bürgerinnen und Bürger bezahlen für den Stillstand der Windräder, das ist absurd.“

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