Eric Schmidt in Berlin: Googles Geschenke an das gelobte (Deutsch-)Land

Eric Schmidt in Berlin: Googles Geschenke an das gelobte (Deutsch-)Land

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Der scheidende Geschaeftsführer von Google, Eric Schmidt an der Humboldt-Universität in Berlin

von Max Haerder

Google-CEO Eric Schmidt beehrt Deutschland – und kommt nicht ohne Lob und Geschenke. In Berlin wird der Internetriese eine Internet-Denkfabrik stiften. Doch der Netz-Optimismus, den er verbreitet, will in der Hauptstadt nicht recht fruchten.

Der Mensch sei ein Prothesengott, sagte einst Sigmund Freud. Seine kulturellen Errungenschaften, seine Erfindungen und Schöpfungen verschaffen ihm Möglichkeiten, die den Ahnen noch gottgleich erschienen wären. Eric Schmidt, noch bis April amtierender Vorstandschef von Google, ist einer dieser Prothesenbauer unserer Gegenwart. Das Freudsche Unbehagen an der Kultur aber oder gar die Schattenseiten des Fortschritts, so viel wurde bei seinem Auftritt in Berlin deutlich, sind ihm fremd.

Lässig lehnt der Google-Boss am Pult des Audimax der Humboldt-Universität. Was er in rund einer Stunde seinen Zuhörern, unterbrochen nur von streikenden Mikros und Szenenapplaus, erzählt, ist eine eigentümliche Mischung aus unverhohlener Konzern-Werbung, emphatisch skizzierter Zukunftsvision und einem ungetrübten Optimismus, wie man ihn wohl nur Amerikanern gestattet.

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Schmidt weiß, was sich gehört, er hat ein paar Gastgeschenke mitgebracht. Zunächst ein Lob für Deutschland und die ehrwürdige Universität. Die Bundesrepublik sei ein „Innovationszentrum“, die hiesige Industrie bewundernswert robust. Er bewundere den deutschen Geist. Schmidt lässt den Worten Taten folgen: Das Institut für Internet und Gesellschaft, dass Google in Berlin eröffnen und finanzieren will, solle eine Denkfabrik für die vernetzte Welt werden. So viel versteht man, aber vielmehr als das, was Schmidt schon vorab per Gastbeitrag in der „Welt“ ankündigte - Debatten über „internetbasierte Innovationen, politischen Rahmenbedingungen sowie die damit verbundenen rechtlichen Aspekte“ - verrät er auch hier nicht.

Doch so wie er Google zum ersten Diener der Menschheit, zum Smartphone-Vademecum erhebt, dass alle Nöte und Wünsche vordenkt und erfüllt, so werden die gesellschaftlichen Debatten von Schmidt an das noch zu gründende Institut gleichsam ausgelagert.

Die Netz-Revolution

Dabei macht der Suchmaschinen-Boss selbst nicht den Eindruck, als ob der Siegeszug des Internet etwas anderes als eine ausschließlich grandiose Errungenschaft sein, nicht vielleicht auch ein wenig Gefahr bergen könnte. „Dies ist der großartigste Bruch, die wir in den letzten hundert Jahren erlebt haben“, sagt er. Er erwähnt die Rolle seiner Mitarbeiter in Ägypten und erhält dafür ehrlichen Applaus, er würdigt die Rolle von Facebook und Twitter bei der arabischen Revolution. Und er tut dies zu Recht.

Doch der ungetrübte Technologie-Optimismus befremdet am Ende doch die meisten der Berliner Zuhörer, deren Fragen Schmidt so freundlich wie reserviert retourniert. Fragen nach dem drohenden Missbrauchs von Daten, der Transparenz unserer Online-Leben sind für ihn offenbar zumindest vernachlässigenswert.

Das Internet, sagt Schmidt gegen Ende, werde dazu führen, dass man nie mehr verloren gehe. Nie gelangweilt sei und nie alleine - solange man seinen Laptop oder sein Handy nicht ausschalte. Man muss sich das außerhalb des Silicon Valley nicht nur als Paradies vorstellen.

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