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Erneuerbare Energien: Trügerische Sicherheit

Die Klimabilanz von Strom aus Sonnenkraft und Windenergie ist immer noch negativ.

Windkraft versus Kohlekraftwerk, die Klimadiskussion erreicht die deutsche Wirtschaft,  dpa
Windkraft versus Kohlekraftwerk, die Klimadiskussion erreicht die deutsche Wirtschaft, Foto: dpa

Ob im Küstengewässer, auf hoher See oder im Gebirge: Überall dort, wo regelmäßig kräftige Winde wehen, ragen Windkrafträder in den Himmel. Insgesamt 15.000 Großanlagen mit einer Leistung von jeweils sechs Megawatt sind in Deutschland errichtet worden, 10.000 davon an Land. Außerdem sind 20 Prozent aller Dächer von Wohn- und Geschäftshäusern, Lagerhallen und Einkaufscentern mit Solarzellen bedeckt, fast zehnmal mehr als heute. Im ganzen Land sind Tausende Biokraftwerke in Betrieb, die Abfallstoffe aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie klimafreundlich, da CO2-neutral, in Strom verwandeln. Sieht so die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland aus? Dieses Szenario haben Forscher des Instituts für Solare Energieversorgungstechnik (Iset) an der Universität Kassel entwickelt. Mithilfe eines Feldversuchs haben sie bereits bewiesen, dass das Prinzip funktioniert. Ein Jahr lang ließen sie ein Zehntausendstel der Strommenge von rund 550 Milliarden Kilowattstunden, die jährlich in Deutschland verbraucht wird, mit Solar-, Wind- und Biomassekraftwerken produzieren, die über ganz Deutschland verteilt sind. Nur ab und zu mussten sie auf Stromimporte zurückgreifen. Durch raffinierte Prognoseinstrumente, die am Iset entwickelt worden sind, schafften sie es, die zahllosen großen und kleinen Kraftwerke so zu koordinieren, dass der Strombedarf jederzeit gedeckt werden konnte. „Wir haben bewiesen, dass es technisch machbar ist, die Stromversorgung Deutschlands allein mit regenerativen Energien zu sichern“, sagt Kurt Rohrig, Bereichsleiter Information und Energiewirtschaft am Iset. Der Preis dafür ist allerdings hoch, immens hoch. Damit die Stromversorgung wirklich sicher ist, müssen die Iset-Forscher wegen des schwankenden Energieangebots mindestens doppelt so viel Kraftwerksleistung installieren, um die – ständig zur Verfügung stehenden – Kohle- und Kernkraftwerke als Energieträger abzulösen. Nach groben Schätzungen müsste die gigantische Summe von etwa 700 Milliarden Euro investiert werden. Die Stromerzeugungskosten lägen dann deutlich höher als heute: Für weniger als 13 Cent ist nach Berechnungen von Rohrig die Kilowattstunde Strom aus regenerativen Energien nicht zu haben. Er wäre damit mehr als dreimal so teuer wie konventioneller Strom, wie er heute an der Leipziger Strombörse gehandelt wird. Im Vergleich zu reinem Solarstrom wäre der Ökostrom aus den drei regenerativen Quellen allerdings um 70 Prozent billiger. Zudem könnten jene „milliardenschweren Folgeschäden für Wirtschaft und Umwelt“ vermieden werden, die drohen, wenn die Emissionen der Klimagase in den nächsten Jahren nicht drastisch reduziert werden. Im Jahr 2050 könnte die Umstellung von Kohle und Erdgas auf den klimafreundlichen Ökostrom abgeschlossen sein, glaubt Iset-Forscher Reinhard Mackensen.

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