Ethanol: Was machen die Brasilianer?

Ethanol: Was machen die Brasilianer?

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Ethanol-Lager in Santa Elisa bei São Paulo

Die brasilianische Zucker- und Alkoholbranche ist heftiges Fahrwasser gewohnt.

Aber in den letzten Wochen hat sich die internationale Debatte über Brasiliens Biotreibstoffe noch verschärft: Da schimpfte der französische Präsident Nicolas Sarkozy über  brasilianisches Dumping. Das Nachrichtenmagazin „Time“ erklärte, dass der Amazonas-Regenwald wegen Biotreibstoffen abbrennt. Der US-Zentralbank-Chef Ben Bernanke dagegen empfahl zur Inflationseindämmung, die Zölle auf brasilianisches Ethanol zu reduzieren. Jean Ziegler, UNO-Sonderbotschafter wiederum hält Biotreibstoffe verantwortlich für neue Hungerprobleme weltweit – mit der Ausnahme Brasiliens: „Brasiliens Produktion von Biotreibstoffen ist sozial verträglich und respektiert das Recht auf Nahrung.“

Was machen die Brasilianer? Die Autofahrer freut der gewachsene Widerstand gegen brasilianisches Ethanol. An den Tankstellen des Landes ist es jetzt billiger als Benzin – und das sogar zu Beginn der Zuckerrohrernte, wenn die Ethanollager eigentlich leer sein sollten und die Preise entsprechend hoch. Da alle neuen PKW inzwischen mit Flex-Fuel-Motoren ausgestattet werden, die mit Benzin und Alkohol in allen Mischungsverhältnissen fahren, tanken die brasilianischen Autofahrer derzeit fast nur Alkohol. Ohne befürchten zu müssen, dass die Zapfsäulen so bald austrocknen. Denn die Industrie investiert massiv. Zwischen 2007 und 2012 will die Branche 33 Milliarden Dollar in neue Plantagen und Anlagen investieren. Letztes Jahr brannten die brasilianischen Destillen 22 Milliarden Liter Ethanol. In zwei Jahren sollen es bereits 30 Milliarden Liter sein. Davon würden dann 6,5 Milliarden Liter exportiert werden, erwartet der Branchenverband Unica. Bisher kaufen die USA rund die Hälfte und Europa 28 Prozent des brasilianischen Ethanols auf.

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Der brasilianische Spitzenverband wie die Diplomatie verfolgt deshalb genau, was sich da bei uns im Norden gegen den Biosprit aus Brasilien zusammenbraut. So etwa das Argument von Umweltminister Sigmar Gabriel, dass mehr als drei Millionen Autos in Deutschland keine Alkoholbeimischung von zehn Prozent vertragen würden. „Wir bezweifeln das“, sagt Geraldine Kutas von Unica, „in Brasilien, China oder Kolumbien fahren alte Autos seit Jahrzehnten problemlos mit weit höheren Beimischungen.“ Der abgefackelte Amazonas? „Es wird in Brasilien kein Zuckerrohr im Amazonas angebaut“, sagt Kutas. Sie hält auch die Kausalkette an den Haaren herbei gezogen, wonach Rinderzüchter, die von kapitalkräftigen Zuckerbaronen verdrängt werden, nach Norden in den Amazonas ziehen und dort brandrodend neue Weiden schaffen. „Der Zuckeranbau nimmt in Brasilien so geringe Flächen ein, dass überhaupt keine Rinder verdrängt werden.“

Schon aus eigenem Interesse steigert die Branche jedoch seit Jahren die Effizienz ihrer Zucker- und Ethanolproduktion. Denn das Zuckerrohr muss möglichst nahe der Destillen geerntet werden, denn nach der Ernte nimmt der Zuckergehalt des Rohrs stündlich ab. Doch Destillen sind teuer: Rund 100 Millionen Dollar kostet so eine Schnapsbrennerei. Die Transportkosten des Ethanols zu den Ballungszentren an die Küste oder zu Ballungszentren sind ebenfalls hoch. Je mehr Ethanol also pro Hektar gewonnen werden kann, umso besser: Rund 7000 Liter brennen die Produzenten heute pro Hektar Zuckerrohr – und gewinnen in Biomassekraftwerken, wo sie Blätter und Stängel verbrennen gleich noch den eigenen Strom dazu. In Pilotanlagen werden bereits 12.000 Liter gewonnen. „Die Energiebilanz brasilianischen Ethanols ist heute schon sieben Mal so hoch wie die Ethanol, das aus Mais gebrannt wird“, sagt Unica-Präsident Marcos Jank.

Der Wettbewerbsvorteil der Brasilianer wird noch zunehmen: Intensiv wird in brasilianischen Agro-Instituten bereits an der zweiten Generation von Ethanolprodukten geforscht. Mit Enzymen sollen dann alle möglichen landwirtschaftlichen Abfälle verarbeitet werden. Die Ethanolgewinnung aus Zellstoffen verspricht Brasilien gewaltige Effizienzsprünge: Denn dafür kann auch Zellulose verwendet werden Und nirgends auf der Welt wird so preiswert Zellulose gewonnen aus Eukalyptus wie in Brasilien. Der deutsche Ethanol-Experte Peter Gross von Cana Brava Participacões in São Paulo: ,,Brasilien wird auch mit der zweiten Generation der Ethanolgewinnung am billigsten weltweit produzieren können.“

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