Fischzucht: Fette Beute bei der Fischzucht

Fischzucht: Fette Beute bei der Fischzucht

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Fische auf einer Biofachmesse

Die Welt hungert nach Fisch. Längst ist die Nachfrage größer als das Angebot: Die Ozeane sind hoffnungslos überfischt. Große Aquafarmen auf hoher See sollen nun den steigenden Bedarf nach Lachsen, Forellen oder Shrimps decken.

Die Möwen schreien so laut, als wären sie wütend: Im Fischereihafen liegt überall Fischgeruch in der Luft – aber im Hafenbecken ist keine einzige Schuppe zu sehen. So ein Ärger. Und in die riesigen Fabriken von Frozen Fish International, von Frosta und der Deutschen See, die in der Maifischstraße täglich Tausende Tonnen Fisch aus aller Welt zu Filets, Fischstäbchen und Fischfrikadellen verarbeiten, um sie anschließend frisch oder gefroren an die größten Fischhändler Deutschlands, die Deutsche See, an Supermärkte, Kaufhäuser, Bioläden oder auch Sterneköche wie Johann Lafer zu liefern, kommen sie nicht rein. Keine Chance.

Klare Augen, hellrote Kiemen und ein glänzender Bauch: Ein sichtbar frischer Biolachs, der erst wenige Stunde zuvor auf einer schottischen Aquafarm sein Leben verlor, wird in einem schmucklosen Flachbau an einem Seitenarm der Weser zu Filet verarbeitet, vollautomatisch und im Handumdrehen. Enthaupten, entgräten, filetieren – alles wird maschinell erledigt, unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter und kontrolliert durch eine Kamera.

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Nichts bleibt da für die Möwen übrig. Nachdem der Fisch zerlegt ist, werden Kopf, Flossen, Gräten und Innereien eingesammelt. Die besten Teile nutzt die hauseigene Versuchsküche, was übrig bleibt, wird zu Fischmehl verarbeitet. „In sechs Minuten ist alles vorbei“, schwärmt Deutsche-See-Produktionsleiter Heiko Frisch. Danach wird der Biolachs verpackt oder weitergeleitet zum Beizen oder Räuchern. Im besten Fall liegt er drei Tage später frisch auf dem Teller der Verbraucher.

In diesen Tagen ist besonders viel los: Karfreitag und Fisch gehören für viele gläubige Menschen zusammen. Da ist viel Symbolik im Spiel – der Fisch ist eines der ältesten Symbole der Christenheit – aber auch Gesundheitsbewusstsein: Fisch liefert hochwertiges, leicht verdauliches Eiweiß, sein Fett ist reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren, die gut für Herz und Gefäße sind. Seefisch versorgt den Körper zudem mit dem lebenswichtigen Spurenelement Jod und den Vitaminen A, D und B sowie vielen Mineralstoffen. Um Ostern ist deshalb bei uns die Nachfrage nach frischem Fisch besonders groß.

Die Mitarbeiter der Deutschen See tun, was sie können, um die Nachfrage zu bedienen. Leicht ist das nicht. Denn der Hunger nach Fisch ist in den vergangenen Jahren weltweit immer größer geworden, nicht nur an Feiertagen. Jeder Deutsche hat im Jahr 2007 über 16 Kilogramm Fisch verzehrt, so viel wie nie zuvor. Auch weltweit stieg der Durchschnittsverbrauch mit 17 Kilogramm auf einen neuen Rekordwert. Doch so viel Fisch geben die Ozeane längst nicht mehr her – Atlantik, Pazifik und das Mittelmeer sind hoffnungslos überfischt.

Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) malte 2007 in ihrem Bericht „State of the World Fisheries and Aquaculture“ ein düsteres Bild: Danach sind ein Viertel aller Meeresfischbestände ernsthaft gefährdet; mehr als die Hälfte der Bestände werden so intensiv ausgebeutet, dass keine weitere Steigerung der Fangmengen mehr möglich ist. „75 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände weltweit werden bis an ihre Grenzen befischt oder gelten bereits als überfischt“, beklagt Catherine Zucco von der Umweltstiftung WWF.

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