Fitbit Charge 2 im Test: Bitte nicht atemlos durch den Tag!

Fitbit Charge 2 im Test: Bitte nicht atemlos durch den Tag!

, aktualisiert 26. Oktober 2016, 09:31 Uhr
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Der „Relax“-Modus der Fitbit Charge 2 soll dem Träger ein paar Minuten Entspannung am Tag verschaffen.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

„Sei ruhig und atme tief“: Was nach Yoga klingt, ist ein Entspannungsprogramm des neuen Fitbit-Modells Charge 2. Der Marktführer hat seinen populärstes Modell weiterentwickelt – neben den Schritten zählt auch die Atmung.

Runter vom Stuhl, rauf auf den Bürgersteig oder die Treppe: Fitness-Tracker ermahnen regelmäßig zu mehr Bewegung. 10.000 Schritte am Tag, so das nicht unumstrittene Versprechen, machen das Leben gesünder. Das Charge 2 von Fitbit, der Nachfolger des Bestsellers Charge HR, wartet angesichts dessen mit einer ungewohnten Funktion auf: Der „Relax“-Modus soll dem Träger ein paar Minuten Entspannung verschaffen. Er steht stellvertretend für die neue Generation: Die ist nicht revolutionär, aber sinnvoll weiterentwickelt, wie ein Test zeigt.

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Apple, Samsung & Co. imitieren mit dem Design ihrer Smartwatches klassische Uhren. Dem Charge 2 ist dagegen die Herkunft als Fitness-Gerät anzusehen: Mit dem eckigen Design und dem Gummiarmband ist es eher zweckmäßig als schick, verträgt dafür aber immerhin Schweiß und Spritzwasser (was bei der smarten Konkurrenz allerdings auch durchaus üblich ist). Zumindest sieht das Gerät deutlich besser aus als der gummihafte Vorgänger und fällt nicht negativ auf, weder beim Sport noch beim Geschäftsessen. Wer es schicker mag: Es gibt unterschiedliche Gehäusevarianten und farbige Armbänder.

Die meisten Fitness-Tracker zeigen nur wenige Informationen an. Wer Details über zurückgelegte Strecken oder verbrannte Kalorien wissen will, muss das Smartphone zücken und die App öffnen. Hier setzt Fitbit beim Charge 2 an, dessen OLED-Bildschirm viermal so groß ist wie beim Vorgängermodell. Mehr Platz als eine Briefmarke bietet er auch nicht, aber das reicht aus, um in der Standardansicht Uhrzeit, Datum und Schrittzähler mitzuteilen.

Weitere Informationen und Funktionen rufen Nutzer auf, indem sie auf den Knopf an der Seite drücken, ein kräftiges Tippen auf die Anzeige ruft Unterpunkte auf. Ähnlich wie bei den meisten Smartwatches ist das Display nicht permanent eingeschaltet. Nur so lässt sich auch die beträchtliche Akkulaufzeit von sechs bis sieben Tagen erreichen. Stattdessen reagiert es auf Drehungen des Handgelenks. Die typische Drehbewegung beim Blick auf die Uhr lässt das Bild allerdings nicht zuverlässig erscheinen, da muss man oft mit einem Knopfdruck nachhelfen.

Auf dem Bildschirm wird standardmäßig zuerst die Schrittzahl angezeigt – dafür ist Fitbit schließlich bekannt. Die Zählung funktioniert zuverlässig, signifikante Abweichungen sind beim mehrwöchigen Test nicht aufgefallen. Ist das Gerät mit dem Smartphone gekoppelt, bestimmt es auch die zurückgelegte Strecke halbwegs genau, je nachdem, wie gut der GPS-Empfang ist. Im Essener Stadtwald funktioniert das deutlich schlechter als auf einer ebenen Strecke an der Ruhr. Einen eigenen Positionsmelder hat das Charge 2 nicht.


Den Puls stets im Blick

Das neue Modell kann aber deutlich mehr. So gibt es verschiedene Trainingsmodi, die sich mit wenigen Gesten aufrufen und per Knopfdruck starten lassen: Laufen (draußen und auf dem Laufband), Gewichte heben, Fahrrad fahren, Elipsentraining, zudem ein angeleitetes Intervalltraining. Dabei zeichnet das Gerät kontinuierlich den Puls auf (offenbar mit einer leichten Abweichung nach unten).

Was grundsätzlich eine gute Idee ist, sieht im Vergleich zu klassischen Sportuhren allerdings nicht so beeindruckend aus. So lässt sich das Training nicht pausieren, die Zeit läuft auch dann weiter, wenn man sich den Schuh zubindet oder auf jemanden wartet. Und zusätzliche Funktionen für ambitionierte Sportler, beispielsweise Intervallläufe, gibt es nicht.

Und dann ist da noch das „Relax“-Programm. Dahinter verbergen sich einige simple Anweisungen. „Sei ruhig, atme tief und langsam“, heißt es zu Beginn, dann leitet ein Kreis zum ruhigen Atmen an, angepasst an den eigenen Herzschlag. Die Augen schließen kann man dabei allerdings nicht, sonst verliert man die Anleitung aus den Augen. Das erschwert das Abschalten. Das Programm hat daher einen ähnlichen Effekt, wie man ihn von Fitness-Trackern generell kennt: Sie ermahnen zu einem gesünderen Lebensstil – umsetzen muss man ihn selbst.

Die Fitbit-Geräte werden durch die kostenlose App aufgewertet. Hier werden die Messungen optisch übersichtlich aufbereitet, von den Schlafgewohnheiten bis zur maximalen Belastbarkeit, die das Gerät anhand verschiedener Werte ermittelt. Auch wenn Profis die Genauigkeit bemängeln dürften: Das hilft schon, den eigenen Körper und seinen Fitnesszustand besser kennenzulernen. Nicht zu vergessen die permanenten Aufmunterungen, ein paar Schritte oder mehr zu tun. Die Cardiofitness sei „sehr gut für einen Mann in Ihrem Alter“, heißt es da – aber natürlich gibt es immer noch eine bessere Stufe.

Ein netter Zusatz ist auch die Anzeige von Anrufen, SMS und Kalendereinträgen vom Smartphone. So geraten Informationen auch dann nicht in Vergessenheit, wenn das Mobiltelefon im Rucksack. Ein häufiges Verkaufsargument für (deutlich teurere) Smartwatches.

Fazit: Logisches Update

Das Charge 2 ist eine logische Weiterentwicklung. Wer eine frühere Generation der Fitbit-Geräte nutzt, wird auf ein Upgrade verzichten können, wer noch keinen Fitness-Tracker hat, ist damit aber gut bedient. Smartwatches beherrschen die meisten Funktionen auch, kosten allerdings auch deutlich mehr als 160 Euro. Was der Hersteller aber immer noch zeigen muss: Dass der Mahner am Handgelenk auch über lange Zeit motiviert – und nicht am Ende in der Schublade landet. Vor dieser Herausforderung stehen allerdings alle Anbieter.

Quelle:  Handelsblatt Online
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