Flughäfen: Flotter zum Flieger

Flughäfen: Flotter zum Flieger

Staus an Check-in, Sicherheitskontrolle und Gate – Flugreisen werden immer öfter zur Geduldsprobe. Neue Abfertigungskonzepte sollen den Weg vom Eingang zum Flugzeug auf zehn Minuten verkürzen. Wie realistisch ist das?

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Langes Warten ist in den Empfangshallen von Flughäfen normalität geworden.

Schneller als Tim Ringel kann man nicht zum Flieger kommen. 17 Minuten braucht der Chef des Online-Marketing-Unternehmens Metapeople von der Haustür bis zum Gate am Düsseldorfer Flughafen. Sieben Minuten dauert die Autofahrt. Ein kurzer Gang noch durchs Terminal, schon steht er am Sicherheitscheck, die Bordkarte auf seinem iPhone.

Anstehen muss Ringel auch nicht. Seine kaviarschwarze Lufthansa-Vielfliegerkarte der – nobelsten – Hon-Circle-Kategorie öffnet ihm den Durchgang für die erste Klasse. Gleich neben dem herkömmlichen Eingang. Ein paar Schritte später ist er am Flieger.

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Rund 10 000 Flugkilometer legt der 35-Jährige pro Monat zurück, wenn er zwischen den Büros seines Unternehmens in Europa, Asien und den USA pendelt. Passagiere wie ihn, die treuesten und teuersten Kunden, belohnt die Lufthansa mit dem exklusiven Status – rund 5000 Vielflieger besitzen ihn weltweit.

Überholspur im Terminal

Schlangestehen, Chaos an der Sicherheitsschleuse und Umherirren in den Terminals – mit den Problemen von Otto Normalreisenden haben Hons dann nicht zu kämpfen: Sie nutzen spezielle Schalter, am Sicherheitscheck haben sie eigene Durchgänge. Ihre Koffer spuckt das Gepäckband immer als Erstes aus. „Wer die Hon-Karte einmal hat“, schwärmt Ringel, der in seiner Freizeit ein Blog für Vielflieger betreibt und am liebsten Sneaker, Jeans und Dreitagebart trägt, „will nie wieder ohne fliegen.“

So schnell wie die oberen 5000 der Lüfte könnten schon bald auch ganz normale Passagiere reisen – die Überholspur zum Flieger soll auf immer mehr Airports zum Standard werden. „In fünf bis sieben Jahren wird es möglich sein, ohne zu warten vom Flughafeneingang zum Gate zu kommen“, sagt Tony Tyler, der Vorstandschef der IATA, dem Branchenverband der Luftfahrtindustrie.

Die Technik, die das ermöglicht, wird von Airportmanagern, Forschern und Softwareunternehmen gerade auf Flughäfen rund um den Globus getestet und installiert: So sollen den Passagieren nicht nur Reiseassistenten im Handy den Gang zum Gate erleichtern. Schnelle Check-in-Systeme, die automatische Gepäckaufgabe oder Roboter, die Koffer wuchten, sollen Wartezeiten ebenfalls verkürzen.

Was den heute noch genervten Passagieren die Reise erleichtert, verheißt Techniklieferanten ein lukratives Geschäft. Schon heute fließen jährlich weltweit rund 30 Milliarden Dollar in Flughafeninfrastruktur.

Künftig könnte es noch mehr sein. Denn beinahe überall, so die IATA, muss die teils bereits vor 40 Jahren entwickelte Flughafentechnik ersetzt werden. Alleine die Kosten für den 2005 begonnenen Neubau des Flughafens Al Maktoum International in Dubai summieren sich bis 2030 auf 33 Milliarden Dollar.

Auf die Komfortelektronik sind auch die Airportbetreiber angewiesen. Denn ohne Turbolader bei der Abfertigung drohen die Flughäfen wegen des Wachstums bei den Flugreisen am eigenen Erfolg zu ersticken. Bis 2020 könnten sich die Passagierzahlen knapp verdoppeln.

Tempo tut allerdings heute schon not: Durchschnittlich eine Stunde brauchen Reisende in München, Paris oder London, um vom Flughafeneingang zum Gate zu gelangen, so eine jüngst veröffentlichte Studie. Nach der Landung vergehen weitere 45 Minuten, bevor die Passagiere mit dem Koffer das Gebäude verlassen.

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