Forschung: Taiga Valley: Innovationen auf Russisch

Forschung: Taiga Valley: Innovationen auf Russisch

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Eingang zur Russischen Akademie der Wissenschaften

Zu Sowjetzeiten war die sibirische Stadt Akademgorodok Sperrgebiet. Heute forschen hier Top-Wissenschaftler für Unternehmen aus aller Welt. Ein Besuch in der Innovationsschmiede Russlands.

Heute ist Waschtag. Im Korridor vor dem Raum, in dem Optiker der Firma Årgstrom hochpräzise Laserbauteile fräsen, hängen feuchte Bettbezüge über der Leine. „Mit der Wäscherei haben wir ein bisschen Ärger“, sagt Sergej Gontscharow, der 53-jährige Mitgründer des sibirischen Startups. „Wenn die ihre Waschmaschinen anschmeißen, wackelt unsere Werkstatt, und wir können die Arbeit einstellen.“ Die Wäscherei gehört zur Klinik nebenan, die von der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAN) betrieben wird. Mit dieser mächtigen Organisation muss sich jeder arrangieren, hier in Akademgorodok, gut 20 Kilometer südlich von Nowosibirsk.

Denn der RAN gehört die Stadt. Kindergärten, Schulen, Bierterrassen, das Kino, eine Shoppingmall: „Die Akademie“, wie die chronisch klamme Forschungsorganisation genannt wird, ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Hier entwickelten einst die besten Forscher der UdSSR Kernkraftwerke, Atom-U-Boote und die ersten Sowjet-Computer. Über Akademgorodok, dem legendären Forschungsstandort der Akademie, lag noch bis weit in die Neunzigerjahre ein geheimnisvoller Schleier: Der Stadtteil von Nowosibirsk war für Ausländer Sperrgebiet.

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Hoffnungsträger der russischen Wirtschaft

Heute sind Besucher in Akademgorodok willkommen. Sehr sogar. Sie sollen bringen, was Russland fehlt: frische Ideen, innovative Technologien und vor allem Geld. 3500 Kilometer östlich von Moskau – das entspricht annähernd der Entfernung von Süditalien bis zum Nordkap – haben sich Hunderte Startups niedergelassen, die um Kunden, Partner und Geldgeber buhlen.

Die Akademie ist als Eigentümerin der Gebäude zwangsweise zu einer Art Immobilienfirma geworden. Da von den einst 65.000 Wissenschaftlern, die in den Siebzigerjahren hier forschten, zwei Drittel abgewandert sind und leer stehende Büros und Labore hinterlassen haben, quartiert die RAN dort die Hoffnungsträger der russischen Wirtschaft zur Untermiete ein.

Die Zukunft liegt im Taiga Valley

Es sind russische Startups wie Årgstrom, die Lasermesstechnik in weltweit einmaliger Präzision herstellen, die selbst Kollegen der deutschen Fraunhofer-Institute zu schätzen wissen. Oder Softwarehersteller wie Nowosoft, die ihre Programme zur Datensicherung in alle Welt verkaufen. Doch auch internationale Größen wie IBM, Intel, Microsoft, Sun oder Schlumberger haben sich inzwischen in Akademgorodok angesiedelt.

Mitten in der Taiga, umgeben von endlosen Birkenwäldern, schwingt sich eine Region auf, zum Silicon Valley Russlands zu werden – zum Taiga Valley sozusagen, mit konkurrenzfähiger High Tech „made in Russia“. Premierminister Wladimir Putin beklagt immer wieder, wie schwach Russland als Technologiestandort heute sei. Dabei könnte gerade hier die Zukunft liegen.

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