20 Jahre Mission Pathfinder: Als der Mars zur Rollbahn wurde

20 Jahre Mission Pathfinder: Als der Mars zur Rollbahn wurde

, aktualisiert 04. Juli 2017, 12:57 Uhr
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Der Rover „Sojourner“ auf dem Mars, aufgenommen vom Lander „Pathfinder“.

Quelle:Handelsblatt Online

Vor 20 Jahren rollte erstmals ein Rover über den Mars – der Beginn einer Jagd auf den Roten Planeten, die eigentlich zu bemannten Missionen führen sollte. Doch inzwischen sind die Nasa-Planungen ins Stocken geraten.

WashingtonEigentlich sollte die Mission nur beweisen, dass die Technik funktioniert: An Bord einer Delta-II-Rakete war die Mars-Sonde „Pathfinder“ (Wegbereiter) im Dezember 1996 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. Am 4. Juli vor genau 20 Jahren setzte die Sonde auf dem Roten Planeten auf.

Die Technik hatte nicht nur funktioniert, sie übertraf alle Erwartungen: Der Lander „Pathfinder“ arbeitete dreimal so lang wie ursprünglich angesetzt und der mit ihm gelandete Rover „Sojourner“ sogar zwölfmal so lang. 2,6 Milliarden Bits an Informationen und 16.500 Bilder vom Mars schickte der „Pathfinder“ bis Ende September 1997 zur Begeisterung von Wissenschaftlern zurück zur Erde.

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Forscher bekamen von dem Lander unter anderem chemische Analysen von Steinen und Erde und unzählige Daten zu Wind und Wetter. Sie konnten so herausfinden, dass der Mars einmal warm und nass gewesen sein musste, mit einer dichteren Atmosphäre und Wasser.

Der damalige US-Präsident Bill Clinton bezeichnete die Landung des „Pathfinder“ als „neue Ära“ der Mars-Forschung, die Nasa feierte die Mission als „phänomenalen“ Erfolg. Auch im damals gerade populär werdenden Internet brach „Pathfinder“ alle Rekorde: Millionen Menschen informierten sich online über alle Details der Mission.

Was heute völlig normal scheint, war damals neu und aufregend. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sah an einem Tag so viele Nutzer auf ihren Internetseiten wie sonst in einem ganzen Monat. Auch die Nasa und der TV-Sender CNN verbuchten online Rekordnutzerzahlen.

Der „Pathfinder“ war nicht die erste Mars-Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa, aber damals die erste seit langer Zeit. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen der Sowjetunion Anfang der 70er Jahre, schickte die Nasa 1976 zwei „Viking“-Sonden zu dem Planeten, die auch landeten und Bilder schickten – ein erster Durchbruch. Danach gab es allerdings erneut mehrere Fehlschläge.


Zum Mars fliegen würde die Nasa wieder groß machen

Doch die Nasa lernte auch aus fehlgeschlagenen Missionen – und so ist es am Mars mittlerweile voll geworden. Gleich mehrere Nasa-Sonden umkreisen den Planeten, dazu rollen zwei Rover über die Oberfläche: Von den 2004 hochgeschickten Zwillingsrobotern „Spirit“ und „Opportunity“ ist letzterer entgegen aller Erwartungen immer noch aktiv, zudem seit 2012 der Rover „Curiosity“ den Planeten.

Dass Mars-Landungen aber auch heute noch hochkomplexe Missionen mit hohem Fehlerpotenzial sind, musste zuletzt die europäische Raumfahrtagentur Esa erleben: Im Oktober 2016 scheiterte ihr Versuch, den Lander „Schiaparelli“ sicher auf den Planeten aufsetzen zu lassen.

Doch nicht nur solche Fehlschläge, auch politische Umwälzungen haben dafür gesorgt, dass die Jagd zum Mars ins Stocken geraten ist. Jahrelang hatte sich die Nasa, unterstützt vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama, dem Wahlspruch „Journey to Mars“ (Weg zum Mars) verschrieben. Für 2020 ist der nächste Rover geplant, Anfang der 2030er Jahre sollten Menschen den Himmelskörper umrunden.

Aber Obamas Nachfolger Donald Trump bevorzugt, wie viele seiner republikanischen Parteikollegen, den Mond – ein deutlich einfacheres Ziel gerade für bemannte Missionen. Allein der Flug zum Mars dauert sechs Monate, damit verglichen sind die drei Tage bis zum Mond ein Kurzausflug.

Bei der Nasa sieht man bemannte Mondmissionen eher skeptisch. „Der Mond ist ein netter Ort für einen Besuch, aber dort leben will man nicht“, sagte Nasa-Manager John Grunsfeld kürzlich der „New York Times“. „Zum Mars fliegen würde die Nasa wieder groß machen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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