Abgase machen Ambrosia aggressiver: Allergiker-Albtraum am Straßenrand

Abgase machen Ambrosia aggressiver: Allergiker-Albtraum am Straßenrand

, aktualisiert 06. Juni 2017, 14:14 Uhr
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Ambrosia-Pollen gehören zu den heftigsten Allergieauslösern. Bei der Beseitigung der Pflanze sollte daher Schutzkleidung getragen werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Ambrosia ist in Deutschland alles andere als beliebt: Allergikern verlängert sie die Schnupfen-Saison, zugleich verdrängt sie heimische Pflanzen. Und ausgerechnet an Straßenrändern wird sie richtig aggressiv.

MünchenViele Allergiker müssen sich hierzulande damit herumschlagen, dass ihnen neben Birke, Hasel und Gräsern auch die Pollen neu eingewanderter Arten zusetzen. Zum Beispiel die Ambrosia: Dieser pflanzliche Eindringling wird ausgerechnet an Straßenrändern so richtig aggressiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Stickstoffdioxid (NO2) aus Abgasen verursacht Stress bei der Pflanze. Dadurch verändert sich die Protein-Zusammensetzung der Pollen. Das haben Forscher des Helmholtz-Zentrums in München herausgefunden. Die Menge sogenannter allergener Proteine werde größer, erklärt der Leiter des Instituts für Biochemische Pflanzenpathologie, Jörg Durner. Und zwar je nach Allergen um den Faktor zwei bis zehn.

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Für Betroffene heißt das: Der Körper schüttet mehr Histamin aus, und das verursacht allergische Reaktionen wie Heuschnupfen und Asthma. Auch Hautentzündungen sind möglich. Und eine Ambrosia-Pflanze kann zwischen 3000 und 60.000 Samen in ihrem einjährigen Lebenszyklus abwerfen sowie bis zu eine Milliarde Pollen in die Luft entlassen.

NO2 hat schon an sich schädigende Wirkung auf die Schleimhaut. „Jetzt treffen aggressivere Pollen auf gereiztere Schleimhäute“, sagt Durner. Wie stark die Effekte zusammen sind, soll nun an einem Modell getestet werden. Hier stehen die Wissenschaftler aber noch am Anfang.

Die nordamerikanische Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), auch Aufrechtes oder Beifußblättriges Traubenkraut genannt, wurde vor Jahren vermutlich über Vogelfutter nach Europa eingeschleppt. In Deutschland ist sie nach Angaben von Matthias Werchan von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst vor allem im wärmeren Süden vertreten.


Klimawandel fördert die Ausbreitung

Allein das Gesundheitsministerium in Bayern zählte zuletzt 393 größere Bestände im Freistaat. Aber ebenso gebe es etwa in Brandenburg Bestände „jenseits von Gut und Böse“, so Werchan. Auch wegen des Klimawandels breitet sich die Ambrosia immer weiter aus.

Ihre Pollen gehören zu den heftigsten Allergieauslösern – stärker beispielsweise als bei Gräsern und Birke. Das bis zu 1,80 Meter hohe Unkraut blüht zudem erst ab etwa Mitte Juli, der Pollenflug reicht von August bis Oktober. Für Allergiker bedeutet das unter Umständen eine Verlängerung der Leidenszeit um rund zwei Monate.

Das Bittere: Gerade an Straßenrändern, wo die Pollen aggressiver werden, gibt es laut Werchan ein weiteres Problem. „An den Autobahnen werden regelmäßig die Grünstreifen gemäht. Dann werden die Pflanzen mitgezogen und die Samen verteilen sich im Boden.“ Dort könnten sie noch Jahre später auskeimen.

Das Gesundheitsministerium in München empfiehlt daher, die Pflanze auszureißen – nur mit Handschuhen und bei blühenden Pflanzen sogar mit Mundschutz – und in einer Plastiktüte mit dem Hausmüll zu entsorgen. Bei Beständen ab rund 100 Pflanzen sollten Behörden eingeschaltet werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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