Aids durch Küssen?: Noch immer viele Mythen über HIV und Aids

Aids durch Küssen?: Noch immer viele Mythen über HIV und Aids

, aktualisiert 01. Dezember 2016, 10:36 Uhr
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Obwohl der 29. Welt-Aids-Tag begangen und über das Thema seit Jahrzenten informiert wird, gibt es immer noch viele Mythen über HIV und Aids.

von Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

Jeder Fünfte unter 30-Jährige glaubt, dass man sich beim Küssen mit den HI-Virus anstecken kann, zeigt ein Emnid-Umfrage. Trotz jahrelanger Aufklärung gibt es immer noch große Wissenslücken beim Thema HIV und Aids.

FrankfurtAm 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Und um das gleich klarzustellen: Beim Küssen kann man sich nicht mit dem HI-Virus anstecken. Jedenfalls ist weltweit kein derartiger Fall bekannt, heißt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

HIV gilt im Vergleich mit anderen Krankheitserregern als schwerer übertragbar. Darum wird der Virus in alltäglichen sozialen Kontakten nicht übertragen, auch nicht beim Husten oder Niesen, nicht bei Umarmungen oder beim Küssen.

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Aber obwohl heute der 29. Welt-Aids-Tag begangen und über das Thema seit Jahrzenten informiert wird, gibt es immer noch viele Mythen über HIV und Aids. Das zeigt auch die aktuelle Umfrage, die das Marktforschungsunternehmen Emnid im Auftrag der Pharmafirma Gilead im November 2016 bei mehr als 1000 repräsentativ ausgewählten Bundesbürgern durchgeführt hat. Gilead ist der weltweit größte Hersteller von Medikamenten gegen das HI-Virus und Aids.

Laut Emnid-Umfrage glauben 20 Prozent der unter 30-Jährigen auch, dass das Trinken aus einem Glas ein Ansteckungsweg für HIV sei. Bei den über 60-jährigen ist die Quote mit 23 Prozent sogar noch etwas höher. Hier glauben zudem 40 Prozent der Befragten, dass man sich beim Küssen mit HIV anstecken kann.

Die Kampagnen zum Thema Safer Sex in den vergangenen Jahren scheinen allerdings Früchte getragen zu haben. Durch alle Altersgruppen hindurch geben mehr als 90 Prozent der Befragten an, dass HIV durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. Tatsächlich wird der Virus am häufigsten beim Sex ohne Kondom übertragen. Das geschieht dann, wenn er in ausreichender Menge in den Körper oder auf die Schleimhaut gelangt.


Hoher Aufklärungsbedarf

Für den Pharmahersteller Gilead zeigen die Ergebnisse der Emnid-Befragung, dass es einen unverändert hohen Aufklärungsbedarf zu Leben und Alltag mit dem Aids-Virus gibt. Fast zwei Drittel der Bevölkerung etwa wissen laut der Umfrage auch nicht, dass es medikamentöse Therapien für HIV-infizierte Menschen gibt.

Tatsächlich kann die Infektion heute medizinisch so gut behandelt werden, dass HIV-Positive eine ähnlich hohe Lebenserwartung haben wie die Allgemeinbevölkerung. Auch gibt es mittlerweile die Möglichkeit, mit einer medikamentösen Therapie das Ansteckungsrisiko zu senken.

Laut Robert-Koch-Institut lebten Ende 2015 rund 84.700 Menschen in Deutschland mit HIV. Etwa 460 HIV-Infizierte starben. 3200 Menschen haben im vergangenen Jahr neu mit HIV infiziert, die Zahl ist gegenüber den Vorjahren unverändert.

Die am stärksten von HIV betroffene Gruppe sind weiterhin Männer, die Sex mit Männern haben. 2200 der insgesamt 3200 Neuinfektionen entfallen auf diese Gruppe. 750 Infektionen wurden bei heterosexuellem Sex übertragen, 250 bei intravenösem Drogenkonsum, etwa durch gemeinsam genutztes Spritzbesteck.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wissen geschätzte 15 Prozent der HIV-Infizierten nichts von ihrer Infektion. Mit Spätdiagnosen sind höhere Sterblichkeit und Behandlungskosten verbunden, so das Institut, zudem kann die Infektion unbeabsichtigt weitergegeben werden. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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