Aids: Medikament soll vor HIV-Infektion schützen

Aids: Medikament soll vor HIV-Infektion schützen

Eine Tablette "Truvada" pro Tag soll helfen, das Infektionsrisiko für Aids zu senken. Besonders Risikogruppen könnten von dem Medikament profitieren. Die EU will es deshalb in Europa zulassen.

Die europäische Arzneimittelbehörde Ema hat die Zulassung eines Medikaments zur HIV-Prophylaxe empfohlen. Durch die tägliche Einnahme von „Truvada“ könnten Menschen das Risiko einer HIV-Infektion senken, erklärte die in London ansässige Behörde am Freitag. Die EU-Kommission muss der Zulassung formell noch zustimmen. Das Medikament kommt Experten zufolge vor allem für Menschen mit hohem Infektionsrisiko in Frage.

Die Entscheidung der Ema fiel zusammen mit dem Abschluss der einwöchigen Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban. Bei den Beratungen von Tausenden Forschern, Aktivisten und Regierungsvertretern hatte das neue Prophylaxe-Medikament ebenfalls eine große Rolle gespielt.

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Die „PrEP“ genannte Prophylaxe basiert auf einer Kombination von Medikamenten, die bereits seit 2005 in der EU für die HIV-Behandlung zugelassen sind (Emtricitabin und Tenofovir disoproxil). Nun hätten zwei Studien bei der Nutzung der Prophylaxe ein deutlich geringeres Risiko einer HIV-Infektion nachgewiesen, erklärte die Ema. Die Behörde betont jedoch, dass das Medikament Kondome nicht ersetze, da diese auch vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützten.

Die wichtigsten Fakten zu Aids

  • Ursache

    Ursache für die Krankheit Aids ist das Humane Immunschwächevirus (HIV).

  • Übertragung

    Das HI-Virus wird heute vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen.

  • Angriff auf das Abwehrsystem

    Der Erreger legt unter anderem bestimmte Immunzellen lahm. Deshalb kann das Abwehrsystem des Körpers Krankheitserreger wie Bakterien und Viren nicht mehr wirkungsvoll bekämpfen. Selbst an sich harmlose Infektionen können so zur tödlichen Bedrohung werden.

  • Medikamente

    Nach einer erkannten HIV-Infektion lassen sich Ausbruch und Symptome von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom) heute mit verschiedenen Medikamenten bekämpfen. Sie verhindern die Vermehrung des Erregers im Blut. Lebensqualität und -erwartung von Patienten sind durch diese Therapien deutlich gestiegen. Eine Heilung ist noch nicht möglich.

  • Impfung

    Viele Tests für einen Impfstoff sind bisher gescheitert. Als größtes Problem gilt, dass das Virus sehr wandlungsfähig ist.

„Truvada“ ist in den USA bereits seit 2012 zugelassen. In Südafrika wird das Medikament seit diesem Jahr an Prostituierte abgegeben. Experten zufolge könnte das Mittel in Deutschland monatlich rund 800 Euro pro Patient kosten. Ob Krankenkassen das zumindest für Angehörige von Risikogruppen bezahlen würden, ist noch ungewiss.

Gilead zu Preissenkung aufgefordert

Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte die Zulassungsempfehlung und forderte eine rasche Einführung in Deutschland. „Es ist jetzt an der Zeit, mit allen Beteiligten Möglichkeiten auszuloten, wie sie finanziert werden kann“, sagte Geschäftsführerin Silke Klumb. „Wir haben die Möglichkeit, Leben zu retten und Infektionen zu verhindern - dafür müssen wir alles tun, was möglich ist.“

Gleichzeitig forderte Klumb den Hersteller Gilead auf, den Preis zu senken, um eine breitere Verwendung zu ermöglichen. Laut der Aids-Hilfe käme das Medikament vor allem für schwule Männer mit einem hohen Infektionsrisiko infrage.

Welt-Aids-Konferenz in Durban Bill Gates lobt deutsche Aids-Politik

Der Kampf gegen HIV ist längst nicht gewonnen. Microsoft-Gründer Bill Gates fordert auf der Welt-Aids-Konferenz größere finanzielle Anstrengungen von der Staatengemeinschaft. Lobend erwähnt er nur Deutschland.

Auf der Welt-Aids-Konferenz in Südafrika forderte der Microsoft-Gründer zu verstärktem Kampf gegen die Krankheit auf. Quelle: AP


Die Welt-Aids-Konferenz war in erster Linie ein Forum des Austausches für die mit dem Kampf gegen HIV und Aids befassten Experten. Eines der wichtigsten Themen war die Frage, wie das Ziel der internationalen Gemeinschaft erreicht werden kann, die Immunschwächekrankheit Aids bis 2030 auszurotten. Viele Experten warnten, dass das Ziel mit der gegenwärtig verfügbaren Finanzierung und anhaltend hohen Infektionszahlen kaum zu erreichen sei. Die nächste Welt-Aids-Konferenz soll 2018 in Amsterdam stattfinden.

Weltweit sind rund 37 Millionen Menschen HIV-positiv. Gegenwärtig infizieren sich jährlich rund 2,1 Millionen neu. Rund 1,1 Millionen Menschen starben 2015 an den Folgen von Aids.

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