Airbus-Produktion: 3D-Drucker sollen Zulieferer ersetzen

Airbus-Produktion: 3D-Drucker sollen Zulieferer ersetzen

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Airbus-Technologie-Manager Peter Sander mit einer Flügelklappe aus dem 3D-Drucker.

Bei Airbus stehen Produktion und Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand. Europas größter Flugzeugbauer beschreitet ungewöhnliche Wege, um sich zukunftssicher zu machen. Sie reichen von Pilotprojekten mit dem Taxi-Konkurrenten Uber bis zur Kooperation mit einem Autobauer.

Airbus als Autoproduzent? Zumindest mit einer Beteiligung weitet der Konzern nun sein klassisches Geschäft aus. Im Heimatland des US-Erzrivalen Boeing hat sich Europas größter Flugzeugbauer gerade bei der Autoschmiede Local Motors eingekauft.

Das 2007 gegründete Unternehmen aus Phoenix im Bundesstaat Arizona hat nicht das Potenzial, Großkonzernen wie Volkswagen oder Toyota das Wasser abzugraben. Es hat aber ein Alleinstellungsmerkmal: In gerade einmal sechs Monaten hat die Firma nach eigenen Angaben mit Hilfe einer speziellen Software ein komplettes Auto entwickelt, das überwiegend durch einen 3D-Drucker gefertigt wird. Bis auf Schlüsselkomponenten wie den Motor wird der dieses Jahr auf den Markt kommende Kleinwagen namens LM3DSwim komplett per Drucker gefertigt.

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Auswahl von 3D-Druck-Verfahren

  • Thermischer 3D-Druck

    Ähnlich der "Heißklebepistole" wird Material aufgetragen, das anschließend aushärtet.

  • Polyjet

    Ähnlich wie beim Tintendrucker wird Material tröpfchenweise aufgebracht und ausgehärtet - zum Beispiel wird Kunststoff durch UV-Strahlung polymerisiert.

  • 3D-Druck

    Ein Bindematerial wird auf eine Materialschicht (zum Beispiel Sand) aufgebracht - später wird das ungebundene Material abgenommen und die gewünschte Kontur bleibt stehen.

  • Selektives Laser-Sintern

    Eine Pulverschicht wird durch Wärme (Laser) verschweißt. Nach dem schichtweisen Aufbau kann das lose Material abgenommen werden und es bleibt die gewünschte Kontur stehen.

  • Laser-Sintern

    Direktes Materialschmelzen - ähnlich dem Pulverbett-Schmelzen, allerdings wird das Material bereits gezielt am gewünschten Ort aufgetragen und verschmolzen.

Für Airbus bedeutet diese Beteiligung lediglich einen weiteren Schritt auf dem Weg in eine industrielle Zukunft, die im März und April bei der Computer-Messe CeBIT ebenso wie bei der anschließenden Hannover-Messe im Fokus stehen wird: die Industrie 4.0. Sie ermöglicht völlig neue Produktionsprozesse, die neben Geld auch Gewicht sparen helfen.

Die künftigen Regelwerke sind ein Fragezeichen

Gerade in der Luftfahrt, wo jedes Gramm Gewichtseinsparung bares Geld bedeutet, ist das entscheidend. Die neuen technischen Möglichkeiten bedeuten aber auch ein völliges Umdenken bei der Art und Weise, wie bisher produziert wurde.

Peter Sander, bei Airbus der Mann für die Zukunftstechnologien, sieht eine große Zukunft für den 3D-Druck – gibt aber zu bedenken: „Wir müssen die bisherigen Prozesse völlig neu überdenken.“ Bei einem Medienseminar in Hannover warnte er: „Wir kennen die Regelwerke ja noch gar nicht für die neuen Produktionsmethoden, das wird die größte Herausforderung überhaupt werden.“ Er ist überzeugt, dass die meisten Firmen in Deutschland den technologischen Umbruch noch nicht richtig erfasst haben. „Ich bin anfangs auch für verrückt erklärt worden mit meinen Plänen“, so Sander, „aber die haben mich machen lassen.“

Flugzeug-Hersteller Airbus hängt Boeing ab

Airbus hat 2015 einen Rekord geschrieben: Das europäische Unternehmen lieferte 635 Flugzeuge aus und erhielt mehr als 1000 weitere Aufträge. Damit hat Airbus den Rivalen Boeing abgehängt.

Airbus hat 2015 so viele Flugzeuge wie nie zuvor ausgeliefert. Quelle: dpa

Traditionelle Produktionsmethoden werden auf einmal infrage gestellt – es geht um das Kernthema, wie man anders arbeiten kann als bisher. „Das wird noch ganze Industrien umkrempeln“, ist Cathrine Kniep sicher, die Leiterin der landeseigenen Luftfahrt-Förderinitiative Niedersachsen Aviation.

Im niedersächsischen Varel hat der Airbus-Konzern mit dem industriellen Einsatz von 3D-Druckern in der Produktion eine neue Ära eingeläutet. Bisher hat er seine Bauteile komplett von Zulieferern bezogen, nun werden zunächst doppelwandige Benzinrohre aus Titan gedruckt. Es ist erst der Anfang.

Bei seiner Suche nach neuen Wegen macht Airbus auch vor neuen Geschäftsmodellen nicht Halt. In der Helikopter-Sparte probt man gerade den Schulterschluss mit dem Online-Fahrdienstvermittler Uber. Der umstrittene Taxi-Konkurrent soll in den USA beim Sundance Festival mit Airbus-Hubschraubern einen Testballon starten lassen: den „helicopter on demand“.

„Damit kann man sich komplett neue Märkte erschließen“, glaubt etwa der deutsche Helikopter-Pilot und Geschäftsführer des Emder Unternehmens Northern Helicopter, Frank Zabell. Das gelte weniger in Deutschland, wo der Luftfahrt enge Grenzen gesetzt sind, aber in Ländern wie den USA oder Frankreich.

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„Letztendlich geht es darum, nicht einfach nur dem Wandel zuzuschauen und sich überholen zu lassen. Wir dürfen den Wandel auf keinen Fall verschlafen“, sagt Airbus-Sprecher Gregor von Kursell. Ob bei Raketen oder Drohnen: Neue Ideen sind gefragt. Und so engagiert sich Airbus auf Feldern, die nie zum Kerngeschäft zählen werden – dem Bau eines zwei- und später viersitzigen Schulflugzeugs mit Elektroantrieb etwa. Es soll voraussichtlich Ende 2017 in Serie gehen – bei Bordeaux, in einer Fabrik der Zukunft. Sie soll im Kleinen zeigen, wie moderne Bauweisen auch bei großen Fliegern funktionieren können.

Ein ähnliches Thema ist die Airbus-Unterstützung für das bisher erste Segelflugzeug mit Druckkabine. Es soll im Sommer über Argentiniens Anden den Höhen-Weltrekord knacken. Nicht, weil Airbus einmal in den Segelflugbau einsteigen will. Aber weil Gedankenspielen zufolge in der Stratosphäre einmal Hyperschall-Flugzeuge unterwegs sein sollen.

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