Anthropozän - das Zeitalter des Menschen: Forscher wollen neues Erdzeitalter ausrufen

Anthropozän - das Zeitalter des Menschen: Forscher wollen neues Erdzeitalter ausrufen

, aktualisiert 29. August 2016, 15:27 Uhr
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Am 16. Juli 1945 testeten die USA erstmals eine Atombombe. Spuren der Explosion in der Wüste von New Mexico lassen sich weltweit nachweisen. Wegen solcher globaler Veränderungen wollen Forscher ein neues Erdzeitalter ausrufen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Mensch verändert die Erde in immer stärkerem Maße. Dem wollen Wissenschaftler jetzt Rechnung tragen und ein eigenes „Menschen-Zeitalter“ der Erdgeschichte ausrufen. Doch es gibt auch Skeptiker.

Kapstadt/BerlinWegen der immensen Einflussnahme des Menschen auf die Entwicklung unseres Planeten wollen Forscher ein neues Erdzeitalter ausrufen. Demnach würden wir derzeit im Anthropozän leben, was so viel bedeutet wie Menschen-Zeitalter.

Eine zur Prüfung dieser Frage eingesetzte Arbeitsgruppe plädierte am Montag auf dem Internationalen Geologischen Kongress im südafrikanischen Kapstadt mit überwältigender Mehrheit dafür, den Terminus einzuführen. Bis der Begriff des Menschen-Zeitalters tatsächlich in die geologische Zeitskala übernommen wird, dürften aber noch einige vergehen.

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Geologen teilen die Erdgeschichte in verschiedene Zeitalter ein. Nach bisheriger Zeitrechnung lebt die Menschheit derzeit im Holozän, das vor knapp 12.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit begann. Die 35-köpfige Arbeitsgruppe plädiert nun mit 34 Stimmen bei einer Enthaltung dafür, das Holozän Mitte des 20. Jahrhunderts enden zu lassen. Die Zeit danach wäre nach diesem Plan dann das Anthropozän.

Geprägt wurde der Begriff im Jahr 2000 von dem US-Biologen Eugene Stoermer und dem niederländischen Meteorologen und Nobelpreisträger Paul Crutzen, dem früheren Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz. Seitdem wird das Wort ständig verwendet, gilt aber nicht als offizielle Epoche.

Zu den Veränderungen durch den Menschen zählten neben dem Klimawandel unter anderem die großräumigen Veränderungen der Kreisläufe etwa von Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor, die Verbreitung von Plastik, Aluminium, Beton-Partikeln, Flugasche und radioaktivem Fallout sowie die beispiellose globale Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten. „Viele dieser Veränderungen sind geologisch dauerhaft und manche sind praktisch unumkehrbar“, schreibt die Arbeitsgruppe.

Das Votum der Arbeitsgruppe ist keine Überraschung. Umstritten war allerdings, wann genau das Menschen-Zeitalter beginnen sollte: Vorschläge waren unter anderem die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahr 1492 oder der Start der Industrialisierung im 18. Jahrhundert. Der jetzt gemachte Vorschlag der Arbeitsgruppe, das Anthropozän Mitte des 20. Jahrhunderts beginnen zu lassen, orientiert sich unter anderem am ersten Atombombentest am 16. Juli 1945, dessen Ablagerungen sich weltweit nachweisen lassen.


Noch müssen die Gremien überzeugt werden

In den kommenden zwei bis drei Jahren wollen die Wissenschaftler klären, welche in den Erdschichten abgelagerten Stoffe als Referenz für das neue Erdzeitalter dienen sollen. Dies könne etwa eine Kombination von Kunststoff, Rückständen aus Atomwaffen-Tests oder von Flugasche aus industrieller Produktion sein, sagte Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin, der der Arbeitsgruppe angehört.

Dieser Vorschlag muss dann von der Subcommission on Quaternary Stratigraphy (SQS) und danach von der Internationalen Kommission für Stratigraphie (ICS) bestätigt werden. Im letzten Schritt muss das Exekutivkomitee der International Union of Geological Sciences (IUGS) den Vorschlag ratifizieren.

Die formale Übernahme des Begriffs habe durchaus Signalcharakter, daraus ergebe sich ein Verantwortungsaufruf, sagte Leinfelder. Dies habe aber bei der Entscheidung der Arbeitsgruppe keine Rolle gespielt.

„Wir wollen den globalen geologischen Einfluss des Menschen ordentlich belegen, unabhängig von gesellschaftlichen Diskussionen“, betonte Leinfelder. „Die übergeordneten Gremien wollen überzeugt werden.“ Dort gebe es ohnehin Skepsis, nicht zuletzt weil 12.000 Jahre – also die bisherige Dauer des Holozäns – für ein Erdzeitalter nach geologischen Maßstäben extrem kurz wäre.

Quelle:  Handelsblatt Online
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