Aquakulturen: Zuchtfische sollen Vegetarier werden

ThemaUmweltschutz

Aquakulturen: Zuchtfische sollen Vegetarier werden

Um das Ökosystem der Meere zu schonen, werden viele Fischarten in Aquakulturen gezüchtet. Um auf Wildfische als Futtertiere verzichten zu können, sollen Lachs & Co jetzt mit Sojabohnen ernährt werden.

Kürzlich ist der "World Ocean Review 2 - Die Zukunft der Fische, die Fischerei der Zukunft" (WOR 2) erschienen. Hinter dem Bericht stehen verschiedene Wissenschaftler, darunter Experten des International Ocean Instituts (IOI), sowie internationale Fischereiexperten. Das Ergebnis des Berichts sollte Fischesser nachdenklich stimmen:

  • weltweit sind mehr als ein Viertel aller Speisefische als überfischt
  • weitere 30 Prozent sind gefährdet
  • in Europa sind knapp die Hälfte aller Bestände von Überfischung bedroht
  • seit 1950 hat sich die Menge des jährlich gefangenen Fischs weltweit verfünffacht
  • pro Jahr werden 78,9 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte gefangen
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Eine der Intentionen hinter dem Bericht ist die Kaufentscheidung an der Fischtheke: "Wir schärfen mit dem "World Ocean Review 2" das Bewusstsein der Öffentlichkeit für einen nachhaltig orientierten Fischkauf", sagt Professor Martin Visbeck, Sprecher des Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft". Eines der aktuell größten Probleme besteht laut Visbeck darin, dass einzelne Fischarten derzeit oft noch isoliert betrachtet werden, nicht aber in ihrer Wechselwirkung mit anderen Arten und in ihrer Bedeutung für das gesamte Ökosystem im Meer. "Das muss sich schnell und grundsätzlich ändern", so Visbeck.

Fünf Kilo Futterfische für ein Kilo Speisefisch

Genau diese Wechselwirkung wird paradoxerweise bei der Aufzucht von Fischen in Aquakulturen zum Problem: Was zum Schutz der natürlichen Bestände in den Meeren gedacht war, gefährdet mittlerweile andere Arten. Laut dem Bericht "Allianz für das Meer - Fischer und Forscher in einem Boot" der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft" brauchen Züchter fünf Kilogramm Futter, um ein Kilogramm Zuchtfisch zu produzieren. Und dieses Futter besteht aus Wildfisch. Nun wird zwar nicht mehr der Seelachs oder der Kabeljau überfischt, dafür verschwinden andere Arten aus dem Meer und landen als Fischmehl und -öl in den Zuchtbecken. Um das Problem zu lösen, tüfteln Forscher am perfekten, vegetarischen Fischfutter - bestehend aus Sojabohnen und Pilzen. Vereinzelt setzt man auch auf Muscheln: In den Aquakulturen eingesetzt, säubern diese das Wasser von Kot und sonstigen Partikeln und dienen außerdem den Fischen als protein- und fetthaltige Nahrung. Das Problem ist, dass die Muscheln in der Regel zu teuer sind - und auch irgendwoher kommen müssen.

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Damit den Ozeanen nicht die nächste Spezies ausgeht, setzen internationale Experten also auf vegetarisches Fischfutter. Die Herausforderung für die Forscher besteht darin, den Sojamix besonders proteinhaltig zu gestalten, damit die in der Regel fleischfressenden Zuchttiere keinen Nährstoffmangel erleiden. Nach diversen Rückschlägen konnte einem Fischzüchter in Norwegen erste Erfolge verbuchen: Bei dem Unternehmen Nutreco Aquaculture Research Centre wird nur noch ein Kilogramm Wildfisch gebraucht, um ein Kilo Speisefisch zu produzieren. Der restliche Futteranteil ist vegetarisch.


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