Archäologie am Amazonas: Rätselhafte Erdbilder im Regenwald

Archäologie am Amazonas: Rätselhafte Erdbilder im Regenwald

, aktualisiert 08. Februar 2017, 11:52 Uhr
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Hunderte Kreise, Linien und Quadrate gruben die unbekannten Baumeister in den Regenwaldboden. (Foto: Jennifer Watling)

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Jahrhundertelang lagen sie verborgen unter dem dichten Laub des Regenwalds. Wer die riesigen Erdbilder im brasilianischen Bundesstaat Acre einst schuf, ist unklar. Ein wenig konnten Forscher den Schleier jetzt lüften.

BerlinLange lagen sie versteckt unter dem Blätterdach des Amazonas-Regenwalds, erst die großflächigen Rodungen der jüngeren Vergangenheit brachten sie ans Licht: Hunderte Erdbilder, sogenannte Geoglyphen, haben Forscher in den vergangenen Jahren im brasilianischen Bundesstaat Acre aufgespürt. Wer die riesigen Kreise, Linien und Quadrate einst in den Boden grub, ist unbekannt. Ein paar Geheimnisse der uralten Bodenbilder haben Forscher nun aber lüften können.

„Wir wollten wissen, wie stark die Landschaft seinerzeit von den Menschen verändert wurde, als sie diese Erdwerke schufen“, erklärt Jennifer Watling. Zusammen mit Kollegen auf Brasilien und Großbritannien nahm die Archäologin vom Museum für Archäologie der Universität Sao Paulo zwei der über 400 Geoglyphen genauer unter die Lupe.

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Die unbekannten Baumeister schufen ihre Werke, indem sie bis zu vier Meter tiefe Gräben in den Boden gruben und das ausgehobene Erdreich zu markanten Wällen aufhäuften. So entstanden bis zu 300 Meter große Geoglyphen, von denen einige auf ein Alter von über 3000 Jahren geschätzt werden. Die meisten Bilder entstanden aber vor 2000 bis 650 Jahren – in jedem Fall vor Ankunft der Europäer auf dem südamerikanischen Kontinent.

Watling und ihr Team entnahmen nun Bodenproben aus der Umgebung von zwei Geoglyphen und untersuchten sie auf Spuren von Pflanzen sowie auf Feuerspuren – letzteres ein möglicher Hinweis auf Brandrodungen. Auf diese Weise gewannen die Forscher einen Überblick über rund 6000 Jahre Vegetationsgeschichte im Gebiet der Erdbilder.

Wie sich zeigte, nahmen die unbekannten Bilderkünstler durchaus Einfluss auf den sie umgebenden Regenwald: So veränderten sie den ursprünglichen Bambuswald, indem sie verstärkt Nutzpflanzen für ihren täglichen Bedarf anpflanzten, etwa bestimmte Palmenarten. Dabei verzichteten sie aber auf großflächige Brandrodungen, wie sie für die Neuzeit charakteristisch sind.


Welchem Zweck dienten die Erdwerke?

Auch für die Anlage der Geoglyphen wurden Waldflächen offenbar nur kurzfristig gerodet. Jedenfalls fanden die Forscher keine Hinweise darauf, dass die Erdbilder und ihre Umgebung über lange Zeiträume hinweg von Bäumen freigehalten wurden. „Trotz der großen Zahl von Geoglyphen können wir als sicher annehmen, dass die Wälder seinerzeit niemals so großflächig und über so lange Zeiträume hinweg gerodet wurden wie heute“, so Watling.

Im Gegenteil scheinen die Erbauer sogar ein Interesse daran gehabt zu haben, dass die mysteriösen Bauwerke rasch wieder im dichten Laub des Regenwaldes verschwanden. Jedenfalls fanden die Forscher Hinweise darauf, dass die Geoglyphen-Plätze schon kurz nach ihrer Entstehung wieder von Vegetation überwuchert waren. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Erdwerke einst kultischen Zwecken dienten, die nicht unbedingt für viele Augen bestimmt waren?

Solche Fragen zu beantworten, fällt den Wissenschaftlern noch schwer. Der Zweck der Anlagen ist so schwer fassbar wie die Herkunft der geheimnisvollen Erbauer. Immerhin spricht das nahezu völlige Fehlen von Gebrauchsgegenständen im Gebiet der Geoglyphen dafür, dass sie nicht für profane Zwecke genutzt wurden.

Doch auch wenn noch viele Fragen zu klären bleiben, ein Ergebnis ihrer Arbeit möchte Jennifer Watling unbedingt richtig eingeordnet wissen: „Unsere Belege für ein ‚Waldmanagement‘ durch indigene Bewohner des Amazonas-Regenwalds lange vor der Ankunft der Europäer darf keinesfalls als Entschuldigung dienen für die destruktive Landnutzung unserer Tage. Vielmehr unterstreicht das Ergebnis die Bedeutung indigenen Wissens bei der Suche nach nachhaltigeren Alternativen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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