Arctic Green: Obst und Gemüse aus Alaska

Arctic Green: Obst und Gemüse aus Alaska

, aktualisiert 13. November 2016, 08:29 Uhr
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Hydrokultur im Schiffscontainer.

Quelle:Handelsblatt Online

Nördlich des Polarkreises gestaltet sich der Anbau von Obst und Gemüse schwierig. Ein Städtchen in Alaska lässt sich davon nicht entmutigen – und sorgt selbst für den Nachschub an vitaminreicher Kost.

AnchorageDie Landschaft ist kahl, die Temperaturen klettern nur im Sommer über den Gefrierpunkt. Im Norden Alaskas, nördlich des Polarkreises, lassen sich Obst und Gemüse nicht einfach im Garten ziehen. Das Städtchen Kotzebue, fast 1000 Kilometer nordwestlich von Anchorage, kontert mit einer ungewöhnlichen Idee. Es sorgt mit Hydrokultur für Vitamine vor Ort.

Ein alter, umgerüsteter Schiffscontainer dient als nasses Gewächshaus in der hauptsächlich von Angehörigen der Volksgruppe Inupiat bewohnten 3300-Seelen-Gemeinde. Ausgestattet mit LED-Leuchten bietet er Raum für Kohl, Salat und Kräuter. Das örtliche Unternehmen Kikiktagruk hat dazu eine Tochtergesellschaft auf die Beine gestellt, die sich um Anbau und Vermarktung kümmert: Arctic Greens bringt in Kotzebue Erntefrisches in den Supermarkt.

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„Wir lernen noch“, sagt Kikiktagruk-Chef Will Anderson. „Wir haben schließlich keine Anbaukultur.“ Die Inupiat sind traditionell ein Volk der Jäger und Sammler, an die Idee vom Gartenbau müssen sich viele erst gewöhnen.

Im Frühling startete das Projekt – nach Angaben des Container-Bauers das erste derartige nördlich des Polarkreises. „Unsere Vision ist, dass dies eine langfristige Lösung für die Lebensmittelengpässe im Norden sein kann“, sagt Ron Perpich, Mitbegründer des Unternehmens Vertical Harvest Hydroponics in Anchorage, das das geschlossene Wassergewächshaus produziert hat.

Als nächstes Ziel nennt Perpich, in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden ähnliche Programme aufzusetzen. Dabei hat er auch Orte im Blick, die noch abgelegener sind als Kotzebue, das zumindest über einen kleinen Flughafen verfügt und ein kleines Zentrum für die umliegenden Gemeinden ist. Doch auch für Kotzebue gilt: Bis Gemüse aus den Anbauregionen der USA oder Kanadas dort in den Läden ankommt, ist es längst nicht mehr frisch.

Außerdem ist es teuer. Noch kann die Ernte aus dem Hydrokultur-Projekt die Preise der eingeflogenen Ware nicht unterbieten, aber die Initiatoren suchen nach Stellschrauben, um günstiger produzieren zu können. Energiekosten sollen eingespart werden, vielleicht mit mehr Windkraft. „Wir wollen von Nutzen für die Gemeinde sein“, sagt Kikiktagruk-Präsident Anderson. „Wir wollen nicht nur frischere Ware, sondern auch erschwingliche.“


Billig ist das Unterfangen nicht

Ansätze zum Gemüsebau auf kaltem Boden gibt es auch andere. Schützende Tunnels über den Pflanzen etwa erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Doch die Hydrokultur von Arctic Greens, bei der die Pflanzen von Steinwolle gehalten werden und ohne Erde auskommen, soll das ganze Jahr über durchhalten. Wenn jetzt der eisige Winter einzieht, hat das Pilotprojekt seine große Bewährungsprobe.

Das Dorf Nuiqsut, noch ein ganzes Stück weiter im Norden gelegen, hat schon Interesse an dem System bekundet. Anders als Kotzebue hat der Ort leichter Zugang zu wärmender Energie, denn er liegt nicht weit von den Ölfeldern der Bucht von Prudhoe. Dort sieht der Präsident des Gemeindeunternehmens Kuukpik, Joe Nukapigak, die Ölindustrie auch als möglichen Kunden.

Vor allem aber erhofft er sich Frische: Derzeit ist die Ware teilweise schon ungenießbar, wenn sie in Nuiqsut ankommt. Mit der Hydrokultur wäre das anders, meint Nukapigak.

Billig ist das Unterfangen nicht. In Kotzebue beliefen sich die Investitionskosten auf rund 200.000 Dollar (180.000 Euro). Schließlich musste neben dem Container auch der Transport per Flugzeug aus Anchorage gezahlt werden.

Der potenzielle Nutzen ist das aber wert, zeigt sich Johanna Herron vom Landwirtschaftsministerium des Staates überzeugt. „Es ist nicht die einzige Lösung“, sagt sie. „Hydrokultur ist nur ein Teil davon, aber sicherlich eine tolle Sache, die sich die Gemeinden anschauen sollten.“

In Kotzebue hat das Gemüse aus dem Wasserkasten schon zahlreiche Fans gewonnen. „Die Ware ist fantastisch“, schwärmt Walter Pickett, Manager der Supermarktkette Dillingham AC. „Unsere Kunden lieben sie.“

Lisa Adan gehört zu denen, die schon regelmäßig die Hydrokultur-Vitamine kaufen. Die Produkte seien den eingeflogenen haushoch überlegen, betont sie. „Sie schmecken, als ob sie aus dem eigenen Garten kämen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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