Artenschutz: Mit Ratten gegen Wilderer

Artenschutz: Mit Ratten gegen Wilderer

, aktualisiert 28. November 2016, 08:08 Uhr
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Noch sind die meisten der für das Pilotprojekt ausgewählten Jungratten bei ihren Müttern. Später sollen sie ausgebildet werden, um illegal transportierte Tiere zu erschnüffeln.

Quelle:Handelsblatt Online

Die scharfen Sinne von Ratten sollen helfen, illegale Transporte von Tieren oder Tierteilen aus Afrika zu unterbinden. In einem Pilotprojekt in Tansania geht es um den Schutz des stark gefährdeten Schuppentiers.

JohannesburgDas stark gefährdete Schuppentier hat möglicherweise neue Verteidiger: Ratten. Die sollen ausgebildet werden, um Teile des bei Wilderern begehrten Ameisenfressers in Ladungen ausfindig zu machen, die von Afrika nach Asien unterwegs sind.

Ein Pilotprojekt, um Gambia-Ratten in Detektive für den Artenschutz zu verwandeln, ist noch in der Anfangsphase. Die zehn bis 15 Nagetiere, die in Tansania aufgezogen werden, um Überreste von Schuppentieren sowie geschmuggeltes Hartholz zu entdecken, sind erst wenige Wochen alt. Die meisten von ihnen sind noch bei ihren Müttern.

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Einen Unterstützer hat das Rattenprojekt im Fischerei- und Wildschutzbehörde der USA gefunden. Die US-Behörde hat 100.000 Dollar für das Unternehmen beigesteuert, das nach ihren Angaben „ein innovatives Werkzeug in der Bekämpfung illegalen Wildtierhandels“ sein könnte. Organisatoren hoffen, dass das Projekt letztlich dafür genutzt werden könne, verstecktes Elefanten-Elfenbein und Nashorn zu finden.

Tierschützer beschreiben das Schuppentier als das weltweit am meisten gehandelte Säugetier, weil sein Fleisch in Vietnam und einigen Teilen Chinas als Delikatesse gilt und seine Schuppen in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden. Verbotene Bestandteile wildlebender Tiere sind in zahlreichen Versandcontainern versteckt, die jedes Jahr Daressalam in Tansania, Mombasa in Kenia und andere afrikanische Häfen verlassen.

Ratten als Minensucher

Die Nonprofit-Organisation Apopo mit Sitz in Tansania nutzt den ausgeprägten Geruchssinn der Ratten bereits, um Minen und anderes explosives Material auf alten Schlachtfeldern in Angola, Mosambik und Kambodscha zu finden. Die Gruppe verwendet auch Ratten, um Tuberkulose in Proben von Patienten in Tansania und Mosambik aufzuspüren.

Die Ratten in dem Tierschutzprojekt sollen mit einem „Sozialisierungstraining“ beginnen. Das heißt, sie werden auf Menschenschultern und in Hosentaschen getragen und herumgefahren, wie Apopo-Sprecher James Pursey erklärt. Sie sollen sich demnach an Dinge gewöhnen, die es zu sehen und zu hören gibt.

Anschließend folgt das sogenannte Klick-und-Belohnungs-Training, bei dem die Ratten ein Leckerli bekommen, wann immer sie ein Klickgeräusch wahrnehmen. Die Tiere sollen letztendlich lernen, den Geruch von Schuppentier-Schuppen mit essbaren Belohnungen zu assoziieren.

Später sollen die Intensität des Schuppentier-Geruchs reduziert und andere Gerüche hinzugefügt werden, um die Ratten zu verwirren. Das letztendliche Ziel ist es, die Nagetiere darin zu trainieren, drei Sekunden lang bei einem Schuppentier- oder Hartholz-Aroma zu kratzen oder zu verweilen und damit Menschen auf eine mögliche Entdeckung aufmerksam zu machen.


Frei beweglich auch in engen Räumen

Apopo ist zuversichtlich, dass die Gruppe die Ratten dazu bringen kann, zwischen einem Schuppentier-Geruch und anderen Gerüchen zu unterscheiden. „Die Herausforderung wird sein, wie die Ratten die Container tatsächlich untersuchen“, sagt Pursey.

Die südafrikanische Gruppe Endangered Wildlife Trust, die das Projekt leitet, sagt, der Rattenversuch „baut auf der Verwendung von Geruchswahrnehmung durch Hunde auf“. Es würden dabei aber auch die „zusätzliche Agilität“ und die Fähigkeit der Ratten ausgenutzt, in die Containeröffnungen für die Entlüftung zu gelangen.

Eine Option, die in Erwägung gezogen wird, ist es, kleine Kameras auf dem Rücken der Ratten anzubringen. Eine Idee, die auch für das Aufspüren von Menschen im Gespräch ist, die nach einem Erdbeben oder einer Bombenexplosion in zusammengestürzten Gebäuden gefangen sind.

Die Tierschutzgruppen Traffic und WWF hätten „erfolgreiche“ Tests unterstützt, bei denen Hunde und eine Luftfilterungstechnologie verwendet worden seien, um verbotene Wildtierprodukte zu entdecken, sagt Crawford Allan, Vertreter einer Initiative der beiden Organisationen gegen Kriminalität mit Wildtieren.

Hunde bräuchten „viel Pflege und wir werden es nicht riskieren, dass sie in enge Räume krabbeln, wo sie verletzt werden könnten“, schrieb Allan in einer E-Mail. Ein Rattenteam zu mobilisieren, könnte in Situationen helfen, wo sich die Tiere auf engem Raum „mit niedrigem Risiko frei bewegen können“.

Sollte die Ausbildung der Ratten gut verlaufen, könnte es ein weiteres Jahr dauern, bis die Tiere endlich an die Arbeit gehen. Die Ratten sollen sich auf eine Untersuchung von Containern konzentrieren statt beispielsweise das Gepäck von Passagieren an Flughäfen zu kontrollieren. Reisende wären schließlich nicht besonders begeistert, wenn ausgerechnet Ratten über ihre Habseligkeiten krabbelten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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