Arznei-Fälschungen: Hunderttausende Tote durch gepanschte Pillen

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Arznei-Fälschungen: Hunderttausende Tote durch gepanschte Pillen

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Gefälschte Medikamente bergen große Gefahren

von Jürgen Salz

Bis zu 41 Prozent der Medikamente sind weltweit gefälscht. Zu diesem Ergebnis kommen internationale Forscherteams nach der Auswertung von knapp 17.000 Arzneimittelproben. Laut Schätzungen sterben jedes Jahr bis zu eine Million Menschen an gefälschter Medizin.

Allein unzureichende Malariamittel sollen 2013 für den Tod von 122.350 Kindern in Afrika verantwortlich gewesen sein, zeigt eine Studie der American Society of Tropical Medicine and Hygiene. Die kriminellen Geschäftemacher, die gepanschte Pillen in Umlauf bringen, haben vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern wegen der unzureichenden Kontrollen leichtes Spiel. Bei den Arzneimittelfälschungen fehlt häufig der Wirkstoff. Teilweise sind die Mittel aber auch mit schädlichen, giftigen Stoffen versetzt.

Bei den weltweit gesammelten Proben stellten sich je nach Arzneimitteltyp zwischen neun und 41 Prozent als Fälschungen heraus. Die internationalen Forscherteams, darunter etwa die University of California in San Diego, listeten auf, welche Medikamente betroffen sind - darunter Antibiotika, Mittel gegen Malaria und Tuberkulose sowie HIV-Präparate und Chemotherapeutika gegen Krebs.

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So teuer sind manche Medikamente

  • Glybera

    Kosten: 1.100.000 Euro*
    Hersteller: Uniqure
    Therapie: Behandlung von Lipoproteinlipase-Defizienz (LPLD),einer sehr seltenen Erbkrankheit, die mit erhöhten Fettwerten im Blut einhergeht

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten
    Quellen: Unternehmensangaben, Bestandsmarktreport

  • Harvoni

    Kosten: 65.000 Euro*
    Hersteller: Gilead
    Therapie: Behandlung von Infektionen mit chronischer Hepatitis C

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

  • Humira

    Kosten: 19.700 (Kombinationstherapie), 39.500 (Monotherapie)*
    Hersteller: Abbvie
    Therapie: Behandlung von rheumatoider Arthritis

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

  • Kadcyla

    Kosten: 35.000 Euro*
    Hersteller: Roche
    Therapie: Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

  • Sovaldi

    Kosten: 60.000 Euro*
    Hersteller: Gilead
    Therapie: Behandlung von Infektionen mit chronischer Hepatitis C

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

  • Olysio

    Kosten: 30.000 Euro*
    Hersteller: Johnson & Johnson
    Therapie: Behandlung von Infektionen mit Hepatitis C

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

  • Enbrel

    Kosten: 20.000 Euro*
    Hersteller: Pfizer
    Therapie: Behandlung rheumatischer Erkrankungen und der Psoriasis

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

  • Simponi

    Kosten: 20.000 Euro*
    Hersteller: MSD
    Therapie: Behandlung von rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen sowie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

  • Cimzia

    Kosten: 17.500 Euro*
    Hersteller: UCB
    Therapie: Behandlung der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn sowie bei rheumatoider Arthritis

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

  • Remicade

    Kosten: 15.700 Euro*
    Hersteller: MSD
    Therapie: Behandlung von rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Morbus Crohn und weitere

    *pro Behandlungszeitraum bzw. Jahrestherapiekosten

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO stehen im Schnitt 15 Prozent der Medikamente unter Fälschungsverdacht. Dabei bestehen allerdings gewaltige regionale Unterschiede: Laut Schätzungen enthalten in Asien bis zu 30 Prozent der Tabletten und Ampullen keinen oder einen falschen Wirkstoff. In Afrika sind es demnach bis zu 50 Prozent. In den westlichen Industrieländern sind maximal ein Prozent der Medikamente betroffen.

Doch selbst in den vermeintlich sicheren und gut überwachten Lieferketten der Industrieländer kommen Arzneimittelfälschungen vor, warnt Tim Mackey, Mediziner an der University of California. Allein zwischen 2009 und 2011 zählten die Forscher 1510 Meldungen von gefälschten Arzneimitteln bei Krankenhäusern und Apotheken.

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So wurde etwa im vergangenen Jahr bekannt, dass die Mafia in großem Stil Medikamente aus italienischen Kliniken stiehlt, die dann über dunkle Kanäle, etwa via Rumänien, auch an deutsche Großhändler und Apotheken gelangen. Ende Januar wurden beispielsweise aus einem Kreiskrankenhaus im rumänischen Braila große Mengen der Krebsmittel Avastin und Herceptin entwendet. Wert: 400.000 Euro. „Die Gefahr besteht, dass diese Medikamente ungekühlt gelagert und damit wirkungslos werden und auch nach Deutschland gelangen“, sagte Hagen Pfundner, Deutschland-Chef des Herstellers Roche. Die Präparate gelten daher als Fälschungen.

Zuvor war bei Roche etwa ein gefälschtes Hepatitismittel aufgefallen, dass es bis in eine Apotheke geschafft hatte; die Patientin klagte anschließend über deutliche Schwellungen am Oberarm. Ende vergangener Woche erhielt das Unternehmen zudem einen Hinweis darauf, dass bei einem Großhändler eine gefälschte Packung Pulmozyme aufgetaucht ist, ein Mittel zur Behandlung der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose.

Neben Roche sind auch andere Pharma-Herstellerwie Pfizer oder Novo Nordisk von Arzneimittelfälschungen betroffen.

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