Astronomie: Rendezvous mit einer rasenden Geröllhalde

Astronomie: Rendezvous mit einer rasenden Geröllhalde

, aktualisiert 16. November 2011, 15:59 Uhr
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Dieses Foto des Kleinplanten 2005 YU55 wurde aus mehr als 3500 Einzelbildern des Weltraumobservatoriums Herschel rekonstruiert.

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Vor wenigen Tagen kam er der Erde so nahe wie kein anderes kosmisches Objekt in den letzten 30 Jahren. Jetzt haben Forscher erste Ergebnisse der Begegnung mit dem Kleinplaneten 2005 YU55 veröffentlicht.

DüsseldorfAm 9. November genau um 0.28 MEZ entging die Erde mal wieder knapp einer kosmischen Katastrophe. Bis auf 324.000 Kilometer näherte sich der Kleinplaneten 2005 YU55 unserem Planeten und kam uns damit näher als der Mond. Da Experten aber schon lang vor der eigentlichen Begegnung eine Kollision definitiv ausgeschlossen hatten, konnten Wissenschaftler aus aller Welt das Weltraum-Phänomen entspannt beobachten – und dabei wertvolle Erkenntnisse über den Besucher gewinnen.

Auch die Experten des Max-Planck-Instituts (MPI) für extraterrestrische Physik nahmen 2005 YU55 ins Visier. Das Instrument ihrer Wahl: Herschel – ein Weltraumteleskop, das die europäische Weltraumagentur Esa 2009 ins All brachte und das unser Universum im Infrarot-Bereich erkunden soll. Allerdings mussten die MPI-Forscher zu einem Trick greifen, um das schwerfällige Observatorium auf den sehr kleinen und extrem schnellen Himmelskörper auszurichten.

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Da Herschel dem schnell bewegten Objekt nicht folgen konnte, richteten die Forscher das Teleskop zu einem genau berechneten Zeitpunkt auf eine ganz bestimmte Himmelsregion. Und tatsächlich raste 2005 YU55 mitten durch dieses Gebiet. Aus insgesamt 3500 Einzelaufnahmen setzten die Wissenschaftler dann ein nahezu perfektes Bild zusammen und konnten so verschiedene Eigenschaften des Kleinplaneten bestimmen.

So zeigte sich etwa, dass 2005 YU55 deutlich kleiner ist als frühere Beobachtungen der US-Weltraumbehörde Nasa vermuten ließen. Statt der erwarteten 400 Meter beträgt der Durchmesser des Kleinplaneten nur 310 bis 340 Meter – was ihn allerdings immer noch zu einem Schwergewicht unter den Asteroiden mit nahen Erdbegegnungen macht.


Besuch bei der Venus

Aus den Infrarotbeobachtungen konnten die Wissenschaftler auch das Rückstrahlvermögen des Kleinplaneten bestimmen. Demnach reflektiert 2005 YU55 nur sechs Prozent des Sonnenlichts, ist also extrem dunkel. Das deutet auf eine Oberfläche aus sehr dunklem, kohlenstoffhaltigem Material hin, was gut zu früheren Messungen passen  würde.

Und schließlich fanden die Forscher auch Hinweise darauf, dass der Kleinplanet eine Art fliegende Geröllhalde ist. Seine Struktur ähnelt vermutlich dem Asteroiden Itokawa, der 2005 Besuch von der japanischen Raumsonde Hayabusa erhielt. Die Sonde funkte seinerzeit Daten zur Erde, die Itokawa als fliegenden Schutthaufen charakterisierten, bestehend aus lose aneinanderhängenden Gesteinsbrocken.

Dank der Herschel-Beobachtungen konnten auch die Berechnungen für künftige Begegnungen mit 2005 YU55 deutlich verbessert werden. Demnach stellt der Kleinplanet in den nächsten Jahrzehnten keine Gefahr für die Erde dar. 2029 wird der Asteroid eine ähnlich knappe Begegnung mit unserem Schwesterplaneten Venus haben. Dass 2005 YU55 noch einmal wie am 9. November die Bahn des Erdmondes kreuzen könnte, halten die MPI-Forscher dagegen für ziemlich unwahrscheinlich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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