Aufwändige Check-up Untersuchungen: Das Abzockgeschäft mit der Gesundheit von Managern

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Aufwändige Check-up Untersuchungen: Das Abzockgeschäft mit der Gesundheit von Managern

von Anke Henrich

Edles Ambiente, schnelle Ergebnisse: Immer mehr Kliniken bieten Vorsorgeuntersuchungen für Führungskräfte an – bis hin zur Geldschneiderei. Das neue Geschäft mit der Gesundheit.

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huGO-BildID: 29964840 TV-Spots zur selbstbestimmten Schönheit / Medical One wirbt als erste Klinikgruppe für Schönheitschirurgie im deutschen Fernsehen / Szenen-Foto aus erstem TV-Spot Medical One - Arzt in Klinik / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Medical One"

Vom Pool samt Sonnenterrasse im toskanischen Stil ist der Weg nicht weit zum À-la-carte-Restaurant Montgolfier. Den anschließenden Cocktail schüttelt und rührt das Bar-Team des Fünf-Sterne-Hotels St. Wolfgang im niederbayrischen Bad Griesbach in der Lounge. Beim Frühstück am nächsten Morgen lesen Servicedamen den Gästen jeden Wunsch von den Augen ab, so die lyrische Eigenwerbung des Hotels. In dem geht es aber nicht um schöne Ferien: Auf der Tagesordnung stehen der Check von Blutwerten, Ultraschall der inneren Organe, Gefäßuntersuchungen und die Suche nach orthopädischen Fehlstellungen zum Pauschalpreis von 659 Euro.

Wer das persönliche Controlling in mehreren statt nur einem Tag absolvieren will, zahlt inklusive drei Übernachtungen 962 Euro. Und wer möchte, kann sich Extras wie eine Magenspiegelung (laut Preisliste circa 324 Euro), eine urologische Vorsorge (circa 265 Euro) und mehr gönnen. Denn das St. Wolfgang ist eine Privatklinik mit angeschlossenem Hotel. Das Haus, das zu den privaten Asklepios Kliniken gehört, investiert viel Geld, um als Wohlfühltempel wahrgenommen zu werden. Hier sollen sogar Vorsorgeuntersuchungen Freude machen, und das alles in managergerechten Durchlaufzeiten.

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Rund 9,5 Millionen Menschen konsumieren „in gesundheitlich riskanter Form“ Alkohol. Quelle: dpa

Deutschlands Kliniken brauchen Geld. Obwohl sie allein von den gesetzlichen Krankenversicherungen im Jahr rund 60 Milliarden Euro für ihren Einsatz am Patienten bekommen, gilt mindestens ein Viertel als unterfinanziert. Auf der Suche nach neuen Erlösquellen trifft es sich gut, dass viele Unternehmen entdecken, wie teuer sie kranke Mitarbeiter kommen. Alleine die Produktionsausfallkosten durch arbeitsbedingte psychische Erkrankungen in Deutschland schätzen die Betriebskrankenkassen auf 3,3 Milliarden Euro im Jahr.

Freiwillige Vorsorge, zugeschnitten auf die Bedürfnisse eiliger Führungskräfte, ist daher die Marktnische, die immer mehr Krankenhäuser besetzen wollen. Auf ein Volumen von 300 bis 500 Millionen Euro jährlich schätzt die Unternehmensberatung KPMG diesen Markt in Deutschland. Tendenz: Steigend, denn bis zu 1000 Euro kann so ein Kliniktag kosten.

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Krankenkassen beanstanden fast jede zweite Abrechnung von Kliniken. Quelle: dpa

Das könnte ein für Unternehmen, Mitarbeiter und Kliniken dreifach nützliches Konzept sein, wenn es denn eine Qualitätskontrolle der medizinischen Leistungen und Diagnosen oder eine klare Kosten-Nutzen-Analyse der Angebote gäbe. Doch genau die fehlt – wie so oft im deutschen Gesundheitswesen. Daher sind auch auf diesem Markt schwarze Schafe am Start. Unter dem Deckmäntelchen medizinischer Notwendigkeit zocken sie die bereitwillig zahlenden Unternehmen ab.

Zahlen, wie viele Kliniken ein Stück vom Kuchen abhaben wollen, gibt es nicht. Fast alle privaten Ketten bieten Check-ups an, zudem viele Uni-Kliniken, kommunale Häuser und auch Promi-Anbieter wie die Klinik von Schönheitschirurg Werner Mang am Bodensee. Die neue Nase gibt es dann nebenan. Da Ärzte und Apparate vorhanden sind, braucht es für viele Anbieter nur noch ein bisschen Deko fürs hübschere Ambiente und fertig ist das Vorsorge-Zentrum. Clevere Anbieter machen es anders.

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