Auszeichnung für Betzig, Hell und Moerner: Chemie-Nobelpreis geht auch an einen deutschen Forscher

Auszeichnung für Betzig, Hell und Moerner: Chemie-Nobelpreis geht auch an einen deutschen Forscher

, aktualisiert 08. Oktober 2014, 12:21 Uhr
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Der deutsche Forscher Stefan Hell ist mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden.

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Deutschen Stefan W. Hell, Eric Betzig und William E. Moerner (beide USA). Sie werden für die Weiterentwicklung der Mikroskopie geehrt.

Die drei Forscher Eric Betzig (USA), Stefan W. Hell (Deutschland) und William E. Moerner (USA) werden mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet. Lange Zeit wurde die Mikroskopie durch die Auflösung begrenzt. Dabei konnte keine bessere Auflösung als die Hälfte der Wellenlänge von Licht erreicht werden. Die drei Forscher umschifften diese Klippe, indem sie fluoreszierende Moleküle einsetzten. So führten sie die optische Mikroskopie in die Nano-Dimension, begründete das Nobelpreis-Komitee die Entscheidung.

Bei der sogenannten Nanoskopie können Forscher die Wege einzelner Moleküle innerhalb lebendiger Zellen visualisieren. So kann zum Beispiel nachvollzogen werden, wie Moleküle Verbindungen, die sogenannten Synapsen, zwischen Gehirnzellen aufbauen. Auch Proteine, die bei der Entstehung von Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer eine Rolle spielen, können so sichtbar gemacht werden.

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Die Chemie-Nobelpreisträger der vergangenen zehn Jahre

  • 2004

    Aaron Ciechanover und Avram Hershko, beide Israel; IrwinRose, USA

  • 2005

    Yves Chauvin, Frankreich; Robert Grubbs und Richard Schrock, beide USA

  • 2006

    Roger D. Kornberg, USA - für seine Arbeiten über die molekularen Grundlagen der Gentranskription in eukaryotischen Zellen.

  • 2007

    Gerhard Ertl, Deutschland - für seine Studien von chemischen Verfahren auf festen Oberflächen.

  • 2008

    Osamu Shimomura, Japan; Martin Chalfie und Roger Tsien, beide USA - für die Entdeckung und Weiterentwicklung des grün fluoreszierenden Proteins.

  • 2009

    Venkatraman Ramakrishnan und Thomas A. Steitz, beide USA; Ada E. Jonath, Israel - für die Studien zur Struktur und Funktion des Ribosoms.

  • 2010

    Richard Heck, USA; Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki, beide Japan - für Palladium-katalysierte Kreuzkupplungen in organischer Synthese.

  • 2011

    Daniel Shechtman, Israel - für die Entdeckung der Quasikristalle

  • 2012

    Robert Lefkowitz und Brian Kobilka, beide USA - für ihre Studien zu G-Protein-gekoppelten Rezeptoren.

  • 2013

    Martin Karplus (USA/Österreich), Michael Levitt (USA/Großbritannien) und Arieh Warshel (USA/Israel) für Methoden, mit denen sich auch komplexe chemische Reaktionen virtuell nachvollziehen lassen.

Der deutsche Forscher Stefan Hell stammt gebürtig aus Rumänien. Der 47-Jährige ist am Max Planck Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen sowie dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg tätig. In Göttingen leitet er die Abteilung NanoBiophotonics.

Hell machte 1990 seinen Doktor in Physik an der Universität Heidelberg. Nach Stationen in Finnland und Großbritannien startete er 1997 seine Karriere am Max Planck Institut, wo er seine aktuelle Forschungsgruppe gründete. Hell publizierte bereits mehr als 200 Schriften und wurde mit mehreren Auszeichnungen geehrt, unter anderen mit dem Leibniz- und dem Körber-Preis.

Zehn Mythen über den Nobelpreis

  • Hitler wurde für den Friedensnobelpreis nominiert

    Richtig. Adolf Hitler wurde 1939 von dem schwedischen Abgeordneten E.G.C. Brandt für den Preis nominiert, der „Brüderlichkeit unter den Nationen“ und weltweite Abrüstung vorantreiben soll. Brandt zog die Nominierung später zurück und erklärte, sie sei satirisch gemeint gewesen. Die Episode zeigt, dass praktisch jedermann nominiert werden kann. Über die Aussichten, den Preis tatsächlich zu bekommen, sagt eine Nominierung nichts aus.

  • Alle Nobelpreise werden in Stockholm verliehen

    Falsch. Der Friedensnobelpreis wird, wie von Alfred Nobel verfügt, in Oslo verkündet und verliehen. Warum Nobel das so wünschte, ist nicht bekannt, doch waren Schweden und Norwegen zu seinen Lebzeiten in einer Personalunion verbunden.

  • Der Preis für Wirtschaftswissenschaften ist kein echter Nobelpreis

    Richtig. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften zählte nicht zu den fünf Auszeichnungen, die Alfred Nobel in seinem Testament für die Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden forderte. Er wurde 1968 zu Ehren Nobels von der schwedischen Zentralbank gestiftet. Er wird gemeinsam mit den anderen Preisen bekanntgegeben, ist mit demselben Preisgeld in Höhe von acht Millionen schwedischen Kronen (878.000 Euro) dotiert und wird bei der jährlichen Nobelpreiszeremonie im Dezember verliehen. Doch formal ist er kein Nobelpreis. Der offizielle Name lautet „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank“.

  • Fast alle Preisträger sind Männer

    Richtig. Von den 847 Personen, die bislang einen Nobelpreis erhielten, waren nur 44 Frauen - das sind gerade einmal rund fünf Prozent der Preisträger. 15 Frauen wurden mit den Friedensnobelpreis ausgezeichnet, während nur eine - die US-Forscherin Elinor Ostrom 2009 - den Preis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat. Das Geschlecht spiele bei ihrer Entscheidung über die Preisträger jedoch keine Rolle, sagen die Nobel-Juroren. Das Verhältnis spiegele nur die historische Dominanz von Männern in vielen Forschungsbereichen wider.

  • Nobelpreise können posthum verliehen werden

    Falsch. Seit 1974 werden von den Preiskomitees nur lebende Personen berücksichtigt. 2011 machte die Nobelstiftung allerdings eine Ausnahme: Erst unmittelbar nach der Bekanntgabe des Preises für Medizin hatte sich herausgestellt, dass einer der Geehrten, der kanadische Immunforscher Ralph Steinman, wenige Tage zuvor gestorben war. Die Stiftung beließ es bei der Entscheidung, Steinmans Anteil am Preisgeld ging an seine Hinterbliebenen.

  • Man kann nur in einer Kategorie nominiert werden

    Falsch. Die Französin Marie Curie gewann 1903 den Preis für Physik und 1911 den für Chemie. Der US-Chemiker und Friedensaktivist Linus Pauling erhielt 1954 den Nobelpreis für Chemie, acht Jahre später wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

  • Churchill gewann den Friedensnobelpreis

    Falsch. Der redegewandte, konservative britische Politiker Winston Churchill erhielt zwar einen Nobelpreis, allerdings in der Kategorie Literatur. Er wurde damit 1953 „für seine meisterlichen historischen und biografischen Schilderungen sowie für brillante Rhetorik bei der Verteidigung erhabener menschlicher Werte“ ausgezeichnet.

  • Auch vier oder mehr Personen können sich einen Nobelpreis teilen

    Falsch. Die Nobelstatuten besagen, dass die Auszeichnungen unter mehreren Preisträgern aufgeteilt werden können, doch in keinem Fall „darf eine Preissumme unter mehr als drei Personen aufgeteilt werden“.

  • Ein Nobelpreis kann nicht wieder entzogen werden

    Richtig. Die Nobelstatuten sind diesbezüglich eindeutig. Wer einen Nobelpreis bekommen hat, behält ihn für immer. Paragraf 10 lautet: „Gegen die Entscheidung eines Preisgremiums dürfen keine Einsprüche bezüglich der Zuerkennung eines Preises erhoben werden.“ Online-Petitionen, die zum Entzug eines bestimmten Preises aufrufen, sind daher wirkungslos.

  • Man kann nur einmal einen Nobelpreis gewinnen

    Falsch. Es gibt keine Obergrenze, wie oft jemand mit einem Nobelpreis geehrt werden kann. Der US-Wissenschaftler John Bardeen gewann den Preis für Physik zweimal, 1956 und 1972. Der britische Biochemiker Frederick Sanger erhielt zwei Preise für Chemie, 1958 und 1980.

Der Nobelpreis-Reigen hatte am Montag mit der Bekanntgabe des Nobelpreises für Medizin begonnen. Der ging unter anderem zum ersten Mal nach Norwegen. Am Dienstag waren drei Forscher für die Erfindung von Leuchtdioden, die blaues Licht aussenden, mit dem Physik-Nobelpreis geehrt worden.

Donnerstag und Freitag stehen in Stockholm und Oslo noch die Verkündungen der Preisträger in den Bereichen Literatur und Frieden an. Dotiert sind die Auszeichnungen mit je acht Millionen Kronen (rund 880.000 Euro). Überreicht werden sie an Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember.

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