Bio-Technik: Cell äußert sich zu Fehlern im Klon-Paper

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Bio-Technik: Cell äußert sich zu Fehlern im Klon-Paper

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Der Zellkern einer Hautzelle wird in eine entkernte Spender-Eizelle eingebracht.

von Susanne Kutter

Kaum dass die Publikation über den bahnbrechenden Klon-Erfolg  beim Menschen erschienen ist, melden unabhängige Gutachter Zweifel an. Einige Fotos seien mehrfach verwendet, aber unterschiedlich beschriftet worden, andere Abbildungen sollen fehlen.

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Ob es sich dabei um eine Panne oder eine bewusste Täuschung handelt, sei noch offen, betonen die PubPeer-Gutachter: Dass unter Zeitdruck beim Zusammenstellen und Kopieren der Fotos für eine Veröffentlichung Fehler passierten, sei möglich – allerdings seien die Fotos unterschiedlich beschnitten worden, was ein eigener Arbeitsschritt sei, der Zeit koste.

Sicher ist nur: Das renommierte Fachblatt „Cell“ hat inzwischen eine Untersuchung eingeleitet. Hier war Mitte Mai die Veröffentlichung von Shoukhrat Mitalipov und seinen Kollegen von der Oregon Health & Science University – nach nur vier Tagen Prüfung – als Online-Version erschienen und hatte weltweit Wirbel gemacht.

Inzwischen hat sich Mitalipov gegenüber des Fachmediums Nature geäußert. "Die Zellen sind echt, die Zelllinien auch, alles ist echt", sagte er. Die Fehler seien harmlos und tatsächlich im Zuge der schnellen Publikation entstanden.

Warum sich die Fachgutachter von „Cell“ nicht mehr Zeit genommen haben, um die Arbeit vor ihrer Veröffentlichung auf solche Ungereimtheiten abzuklopfen, bleibt unklar. Schließlich hatte das Klonen vor acht Jahren schon einmal mit einem großen Betrugsskandal Schlagzeilen gemacht. Damals hatte der südkoreanische Klonforscher Hwang Woo-suk seine – frei erfundenen – Ergebnisse von angeblich geklonten menschlichen embryonalen Stammzellen im renommierten Wissenschaftsjournal „Science“ veröffentlicht.

Auch der deutsche Stammzellforscher Oliver Brüstle aus Bonn war über die schnelle Prüfung erstaunt, wie er der WirtschaftsWoche Online direkt nach Erscheinen der Arbeit sagte: „Was mich ein wenig irritiert hat ist die kurze Zeit, die zwischen dem Einreichen der Arbeit und ihrer Annahme durch die die Zeitschrift „Cell“ lag. Das waren nur wenige Tage. Normalerweise dauert solch ein Prozess, in dem andere, renommierte Forscher im Auftrag der Zeitschrift die Arbeit begutachten und auf mögliche Unstimmigkeiten hin prüfen, mehrere Wochen.“

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Doch Brüstle ging wie viele andere Wissenschaftler davon aus, „dass ein angesehenes Fachblatt wie „Cell“ gerade nach der Vorgeschichte mit Herrn Hwang hier sorgfältig geprüft hat“.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, läge er damit wohl falsch.

Update: Inzwischen haben sich entgegen erster Ankündigungen auch die Herausgeber des Fachblattes Cell selbst zu den Vorwürfen geäußert. Nach sofortigen Gesprächen mit den Autoren seien die Herausgeber der Auffassung, dass kleinere Fehler bei der Aufbereitung der Abbildungen zur Publikation aufgetreten seien. Allerdings hätten diese kaum Auswirkungen auf die publizierten wissenschaftlichen Ergebnisse. Der sehr schnell durchgeführte "Review-Prozess" werde nicht angezweifelt. Dass die Veröffentlichung so schnell möglich war, habe daran gelegen, dass die Gutachter andere Projekte zurückgestellt hatten.

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