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Biogasanlagen : Heizen mit Brötchen

Statt Mais von riesigen Monokulturen könnten auch andere Produkte kleine Biogasanlagen füttern. Ein Bäcker in Niedersachsen will überschüssige Backwaren als Energiequelle nutzen.

Blick aus der Röhre

Viele Bergfans wollen am liebsten im Einklang mit der Natur wandern. Wenn es aber im Hochgebirge abends kalt wird, benötigen sie nicht nur Schutz, sondern sie verbrauchen oft auch Kerosin, Gas oder Batterien für ihre Kocher. Eine überlebenssichernde und umweltfreundliche Übernachtungsmöglichkeit bietet jetzt die italienische Designfirma Leap-Factory. Ihre röhrenartige, schnee- und sturmsichere Mini-Lodge ist im Schnitt 3,5 Meter breit, acht Meter lang und 2,80 Meter hoch. In ihr sind Tische, Stühle, Toiletten und Waschbecken installiert. Nach Bedarf gibt es Kojenplatz für zwei bis zwölf Personen. Dafür dass es bei traumhafter Aussicht auf Himmel und Berge warm bleibt, sorgt die Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Das Handicap: Mindestens 200 000 Euro kostet die 2500 Kilogramm schwere und mehrmodulige Schlafkapsel. Damit sich der Aufwand rechnet, bleibt das Biwak mehrere Wochen auf dem Berg und kann von verschiedenen Wanderern benutzt werden.

Bild: PR

Die Idee klang verlockend: Der Energieträger der Zukunft wächst einfach auf den Feldern. Riesige Maisplantagen liefern Strom und Wärme - für die Landwirte ein gutes Zubrot. Doch es gibt auch Schattenseiten: Kritiker sprechen längst von der „Vermaisung“ der Landschaft. Ein verändertes Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), mit dem der Einsatz von kleineren Biogasanlagen gefördert wird, soll Besserung bringen. Statt mit Mais werden sie mit Gülle und anderen organischen Abfallprodukten gefüttert.

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Für die neue Technik interessiert sich auch der Lingener Bäckermeister Peter Lüttel. „Bäckereibetriebe werfen acht bis zehn Prozent ihrer Produktion jeden Tag weg“, sagt der Unternehmer. Bäckereiverkaufsstellen müssten bis kurz vor Ladenschluss einen großen Teil ihres Sortiments vorhalten, von dem nicht alles verkauft werde. „Brot vom Vortag kauft aber keiner“, sagt Lüttel. Die überschüssigen Backwaren sind also Abfall. Lüttel hofft, sie künftig als Energiequelle zu nutzen.

Gemeinsame Bäcker-Biogasanlage angedacht

Das neue EEG fördere kleine Biogasanlagen mit nicht mehr als 75 Kilowattstunden Leistung mit einer Vergütung von 25 Cent pro Kilowattstunde, sofern sie mit mindestens 80 Prozent Gülle gefahren werden, sagt der Biogasexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland in Niedersachsen, Michael Kralemann. „Als BUND finden wir das sehr positiv, weil das die Dezentralität stärkt.“ Lüttel überlegt nun, mit anderen Bäckern gemeinsam eine solch kleine Biogasanlage zu betreiben. „Die Gülle bekomme ich von meinem Schwiegervater, der Landwirt ist“, sagt er. Für sein Unternehmen suche er ständig nach Möglichkeiten, die Energiekosten zu reduzieren. Schon vor zehn Jahren habe er ein erstes Blockheizkraftwerk (BHKW) gebaut. Jetzt seien für den Bäckerei-Betrieb mit 40 Angestellten zwei BHKW im Einsatz. „Jährlich sparen wir so 12.000 Euro.“

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Auch BUND-Experte Kralemann lobt die neuartigen Biogasanlagen für die Verwertung von Reststoffen. „Die Verwertung von Reststoffen ist ja der Urgedanke des Biogases.“ Es sei zu hoffen, dass die Anlagen von vielen Landwirten genutzt würden. In Niedersachsen sei die Zahl der Biogasanlagen, die mit Abfällen arbeiten, über die Jahre konstant bei unter hundert geblieben. Insgesamt gebe es in dem Bundesland 1400 Biogasanlagen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums werden in Niedersachsen Energiepflanzen auf derzeit rund 15 Prozent der Agrarflächen angebaut. Als Reaktion auf das geänderte EEG bieten nach Angaben des Fachverbandes Biogas fast alle Biogasanbieter kleine 75-KW-Anlagen an, sagt Verbandssprecherin Andrea Horbelt. „Die Nachfrage ist nicht so toll“, stellt sie jedoch fest. Hohe Auflagen stünden einem Erfolg derzeit im Wege - so müssten die Betreiber die vergorenen Reste noch 150 Tage lang lagern. „Das ist ein enormer finanzieller Aufwand“, sagt Horbelt. Das EEG alleine werde sicher nicht zu einem Boom bei den kleinen Anlagen führen, meint sie.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.09.2012, 06:16 UhrSchrippe

    Kein Bäcker wird gezielt Brötchen für die "Tonne" backen. Wieviel er braucht, könnte er - wenn er könnte - nur im Kaffeesatz lesen. Oder er hätte einen festen Kundenstamm, die ihm garantiert immer alles abnehmen. Wann muss er also aufhören zu backen, damit er nicht den Rest des Tages hinter einer leeren Verkaufstheke steht? Wie sieht da also ein kontruktiver Vorschlag aus?

  • 24.09.2012, 23:53 Uhrnachtigallfan

    Warum werden denn nicht einfach weniger Brötchen gebacken? Das spart auch Energie. Oder zu Paniermehl/Semmelbrösel verarbeitet? Man muß doch nicht immer alles gleich verbrennen!

  • 24.09.2012, 18:30 Uhrallesverloren

    Der Urgedanke des Recyclings ist die stoffliche und nicht die thermische Verwertung der Überschüsse. Das gilt für alle Arten von biologischen Abfällen.

    Statt alte Brötchen zu verbrennen kann man sie auch als Dünger nutzen.

    Andererseits, die Idiotie kennt keine Grenzen. Backen wir also Brötchen oder produzieren wir andere pflanzliche Überschüsse und verbrennen diese anschließend. Das zahlt ja alles die EU oder das EEG, merkt ja keiner. Wenn doch, fragt man die Experten, die dafür gute Argumente liefern.

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