Biotechnik: Krebs-Impfungs-Firma auf Investoren-Suche

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Biotechnik: Krebs-Impfungs-Firma auf Investoren-Suche

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Das Münchner Biotechnik-Unternehmen Trion Pharma hat Insolvenz angemeldet.

Quelle: TRION Pharma

von Susanne Kutter

Das Münchner Biotechnik-Unternehmen Trion Pharma hat Insolvenz angemeldet – und will damit neue Geldgeber finden, um seine Immuntherapie gegen Krebs weiter zu entwickeln.

Bisher lief es für Trion Pharma eigentlich bestens: Als erstes deutsches Biotechnik-Unternehmen brachte die heute 62 Mitarbeiter starke Münchner Firma ein eigenes, selbst entwickeltes Medikament auf den Markt. Schon vor über vier Jahren erhielt Removab, eine Art Impfung gegen Krebs, die Zulassung der europäischen Gesundheitsbehörde. Zunächst zwar nur für einen sehr kleinen Anwendungsbereich, aber weitere sollten folgen.

Mit dem langjährigen Kooperationspartner Fresenius würde das mühelos gelingen, war Trion-Gründer und –Chef Horst Lindhofer sicher. Er führte den Durchbruch von Removab auf das einzigartige Wirkprinzip (wie es genau funktioniert lesen Sie hier), aber auch auf den langen Atem von Fresenius zurück: „Kein Venture-Capital-Geber hätte so lange gewartet“, sagte Lindhofer, als die Zulassung bekannt gegeben wurde: „Wir waren die Glücklichen im deutschen Biotech-Kindergarten.“

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Damals musste der Biologe Lindhofer ein Gelübde aus alten Tagen einlösen und noch einmal mit seiner Neue-Deutsche-Welle-Band „United Balls“ auftreten. Mit der hatte er als Sänger und Gitarrist in den Achtzigerjahren einen internationalen Erfolg mit dem Song „Pogo in Togo“ gefeiert. Und er hatte seiner Band versprochen, noch einmal ins Rampenlicht zu treten, sollte eines seiner Krebsmedikamente jemals einmal eine Zulassung bekommen. Auf einer großen Trion-Fete tat er das dann auch. Sogar Ulf Schneider, der Fresenius-Chef, kam damals auf die Bühne und sang mit.

Doch in diesem Sommer wendete sich das Blatt. Der Dax-Konzern Fresenius verkaufte seine komplette Biotech-Sparte an das israelische Unternehmen Neopharm. Hinter diesem zweitgrößten israelischen Pharma-Unternehmen steht die israelische Unternehmerfamilie Fuhrer. Sie wolle Neopharm zu einem integrierten biopharmazeutischen Konzern umbauen, so David Fuhrer, Chairman und CEO von Neopharm: „Wir wollen das Biotechnologie-Geschäft von Fresenius zu einem eigenständigen, schnell wachsenden und innovativen Global Player entwickeln, der auf Therapien seltener lebensbedrohlicher Krankheiten spezialisiert ist.“

Nur Removab passte da wohl nicht so recht ins Konzept. Denn seit der Übernahme durch Neopharm waren die Gespräche über die Zukunft von Removab „sehr schwierig“, wie Lindhofer der WirtschafsWoche sagte. Und so sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als Insolvenz anzumelden. Das Amtsgericht München bestellte daraufhin den Sanierungsexperten und Fachanwalt für Insolvenzrecht Michael Jaffé als vorläufigen Insolvenzverwalter. Nach Lindhofes Angaben laufen Betrieb und Produktion bei Trion uneingeschränkt weiter, auch die Gehälter der Mitarbeiter seien gesichert.

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Der vorläufige Insolvenzverwalter habe sich bereits einen Überblick verschafft und erste Gespräche zur Sicherung der weiteren Betriebsfortführung geführt. Jaffé hält Trion Pharma für ein „Aushängeschild der deutschen Biotech-Branche“. Es verfüge über eine einzigartige Produktpalette, besonderes Entwicklungs-Knowhow und mit Removab über ein potenzielles Blockbuster-Medikament. Laut Jaffé gebe es ein „erhebliches Interesse, die Potenziale der von Trion entwickelten Medikamente zur Immuntherapie von Tumorerkrankungen zu erschließen“. Sein Ziel sei es, neue Investoren zu finden und Trion „auf dem Weg einer übertragenden Sanierung strukturell und finanziell wieder auf ein dauerhaft tragfähiges Fundament zu stellen“, sagte Jaffé bei einer Betriebsversammlung in München.

Auch Lindhofer, der die aktuelle Entwicklung „sehr, sehr schade“ findet, will die Hoffnung nicht aufgeben. Die Neustrukturierung biete die Möglichkeit, mit neuen Investoren die alten, mitunter sehr komplizierten Vertragsbedingungen zu begradigen, so Lindhofer: „Ich sehe es als Chance.“ Mit einem vertriebsstarken strategischen Partner könne das Potenzial, das in Removab steckt, gehoben werden.

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