Bitter, aber trendig: Wie 170 Jahre altes Bier vom Meeresgrund schmecken würde

Bitter, aber trendig: Wie 170 Jahre altes Bier vom Meeresgrund schmecken würde

Ohnehin ein Wunder, dass die Flaschen so lange gehalten haben. Taucher brachten vor ein paar Jahren Bier aus dem Bauch eines gesunkenen Schiffes ans Licht. Jetzt haben Forscher den historischen Gerstensaft untersucht.

Natürlich haben sie davon gekostet. Geschmeckt hat es absolut nicht, aber trotzdem hat es die Wissenschaftler begeistert: Sie konnten ein Bier analysieren, das ungefähr 170 Jahre auf dem Meeresgrund lagerte. Ergebnis: Es dürfte etwas weniger Alkohol gehabt haben, eine leicht rosige Geruchsnote - und wäre nach heutigem Geschmack unangenehm bitter.

Die Flaschen stammten aus einem Schiffswrack in der Ostsee, das unweit der finnischen Küste um 1840 gesunken war. Obwohl in die beiden noch intakten Bierflaschen Salzwasser gedrungen war, konnten Wissenschaftler des VTT Technical Research Centre of Finland und der Technischen Universität München (TUM) den historischen Gerstensaft analysieren. Die Resultate sind im „Journal of Agricultural & Food Chemistry“ veröffentlicht.

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Eineinhalb Jahre untersuchten die Forscher das Getränk mit einer speziellen Massenspektrometrie-Methode, mit der mehr als 60 Geschmackskomponenten des Hopfens binnen 30 Minuten sichtbar gemacht werden können. „Aus den Ergebnissen konnten wir unter anderem ableiten, dass das Bier von 1840 mit beta-säurereichen Hopfensorten gebraut wurde“, sagt Thomas Hofmann vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie. Sprich: Es war anders bitter als heutiges Bier. Denn bei heutigen Sorten stehen die Alphasäuren im Vordergrund. Bei den Hefe-abhängigen Geschmacksnoten unterschied sich das havarierte Bier kaum von modernen Sorten.

Die Top Ten Brauereien in Deutschland

  • 1. Radeberger

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 11.440 Export: 560

  • 2. AB InBev

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 8000 Export: 4000

  • 3. Oettinger

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 7015 Export: 507

  • 4. Bittburger Braugruppe

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 6983 Export: 507

  • 5. Krombacher

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 5510 Export: 168

  • 6. Brau Holding International

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 4400 Export: 1000 (v.a. Paulaner)

  • 7. Warsteiner Gruppe

    Verkauf 2012 in Hektoliter: Deutschland: 3970 Export: 590

  • 8. TCB/Frankfurter Brauhaus

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 2700 Export: 200

  • 9. Carlsberg Deutschland

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 2660 Export: 240

  • 10. C. & A. Veltins

    Verkauf 2012 in 1000 Hektoliter: Deutschland: 2621 Export: 166

Das Bier war zusammen mit 168 Flaschen Champagner im Sommer 2010 in dem Wrack vor der Gemeinde Föglö auf Åland zwischen den Küsten Finnlands und Schwedens in 45 Metern Tiefe gefunden worden. Der Champagner, im Gegensatz zu dem Bier unversehrt, könnte der älteste trinkbare Champagner der Welt sein und sollte versteigert werden - spekuliert wurde, dass eine Flasche bis zu 100.000 Euro erzielen könnte. Der Erlös sollte die Kassen finnischer Behörden füllen, die der rechtmäßige Eigentümer sind. Mehrfach sanken Schiffe mit Alkoholika an Bord: Wein, Champagner und Spirituosen waren Luxusgüter - nicht zuletzt waren Schmuggler damit auf den Meeren unterwegs.

Trinkbare Millionenschätze vom Meeresgrund

Vor knapp 20 Jahren wurde der von einem deutschen U-Boot 1907 versenkte schwedische Zweimastschoner „Jönköping“ gehoben. An Bord ein wertvoller alkoholischer Schatz von Millionenwert: Champagner, Cognac und Wein. Eine einzige Flasche Heidsieck-Champagner brachte später bei Christie's in London 2420 Pfund (etwa 3400 Euro). Manche Alkoholika schienen unter den speziellen Lagerbedingungen in kühler Tiefe und Dunkelheit ungeahntes Aroma zu entfalten. Eine 300 Jahre alter Wein, den Taucher in einer verkorkten Flasche vom Meeresboden holten, schmeckte angeblich „wie eine alte, verzuckerte Marmelade.“

„Wir wären sehr daran interessiert, auch ein bisschen Wein zu bekommen“ - für weitere Untersuchungen, sagt der Weihenstephaner Lebensmittelchemiker Andreas Dunkel. Bisher hatten die Forscher kein Glück - schließlich verzücken manche der alten Tröpfchen die Sommeliers komplett: „Ein derartiges Aromen-Feuerwerk habe ich noch nie erlebt: Blumen, Zitronen, mitunter eine Prise Mandarine - und vor allem ein wahnsinnig langer Abgang“, schwärmte der Weinexperte François Hautekur vom Champagnerhaus Veuve Clicquot bei der Verkostung des Champagners von Bord des finnischen Wracks.

Das Bier vom Meeresgrund löste keine derartigen Begeisterungsstürme aus. Entsprechend seines Alters seien auch zahlreiche Abbauprodukte identifiziert worden, deuteten die Forscher in ihrer Mitteilung an. Milchsäuregärung hatte ihr Werk getan, außerdem war Salzwasser eingesickert. „Unangenehm sauer, salzig - man würde nicht von Bier ausgehen“, schildert Dunkel seinen Selbstversuch.

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Die Forschungsergebnisse erlauben es aber, das Bier vergangener Jahrhunderte tatsächlich zu schmecken: Eine finnische Brauerei hat es nachgebraut. Der Retrotrend beim Bier ist nicht neu, sagt Walter König vom Bayerischen Brauerbund. Zu Jubiläen - wie zum 200-jährigen Bestehen des Oktoberfests - wird historisch gebraut, meist ist das Bier wie jenes aus dem Wrack etwas dunkler und herber.

Eine Renaissance erleben Bügelverschlussflaschen oder im Holzfass gereifte Starkbiere - sie wurden früher auf die lange Reise in die Kolonien geschickt. König: „Die holzfassgereiften Biere sind also auch eine Art Retro- oder Nostalgiebiere.“

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