Brustkrebs: Gen-Diagnostik in Deutschland umstritten

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Brustkrebs: Gen-Diagnostik in Deutschland umstritten

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Angelina Jolie ist offensiv mit ihrem Brustkrebs-Risiko umgegangen.

von Meike Lorenzen

Bestimmte Formen des Brustkrebses werden vererbt. Das Risiko lässt sich per Gen-Test herausfinden. Wollen deutsche Frauen wissen, ob sie die entsprechenden Gene im Körper tragen, steht ihnen oft ein weiter Weg bevor. Ganz anders in den USA, wie der aktuelle Fall von Angelina Jolie zeigt.

 

Als Daniela Steinberger am Dienstagmorgen die Meldungen im Internet las, war sie tief dankbar. Was die Ärztin las, war die Geschichte von Angelina Jolie. In einem Essay „My Medical Choice“ schrieb die amerikanische Schauspielerin von ihrer Entscheidung, sich beide Brüste amputieren zu lassen. Jolies Mutter war mit 56 Jahren nach zehn Jahren hartem Kampf an erblichem Brustkrebs gestorben. Ein Gen-Test hatte ergeben, dass auch bei ihr die Wahrscheinlichkeit bei 87 Prozent liege, an dem Krebs zu erkranken. Um diesem Schicksal zu entgehen ließ die Schauspielerin sich ihr Drüsengewebe entfernen.

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Prof. Dr. Daniela Steinberger Quelle: Presse

Prof. Dr. Daniela Steinberger

Bild: Presse

Die Nachricht ging rasant durch die Medien und wurde viel diskutiert. Hatte hier eine exzentrische Schauspielerin eine voreilige Entscheidung getroffen? „Frau Jolies Entscheidung basiert auf solidem humangenetischen Faktenwissen und ist sehr rational“, bewertet Daniela Steinberger die Nachricht. „Mit der öffentlichen Darstellung ihres ausgesprochen persönlichen Befundes verknüpft sie die Botschaft, dass alle Menschen einen berechtigten Anspruch auf einen Zugang zu ihren genetischen Informationen haben.  Für eine prominente Person, die schließlich von ihrer besonderen körperlichen Präsenz lebt, ist das ein sehr mutiges Engagement.“ Steinberger selbst ist seit über zwanzig Jahren auf dem Feld der humangenetischen Diagnostik zu Hause. Weil sich nicht wenige deutsche Ärzte mit diesem Feld schwer tun, hat sie das Informationszentrum Biologis in Frankfurt gegründet. Hier können sich Frauen rund um das Thema beraten lassen und auch genetische Diagnosen durchführen lassen.

„Eine Entscheidung, wie sie Frau Jolie getroffen hat, betrifft eigentlich jedes Jahr tausende Frauen. Die meisten von ihnen erhalten aber nicht einmal die Möglichkeit davon zu erfahren“, sagt Steinberger. Eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, und bei fünf bis zehn Prozent der Erkrankten wird der Krebs über ein einziges verändertes Gen vererbt. In der Medizin ist von monogenen Formen die Rede. Besonders häufig sind diese Formen bei den Genen BRCA 1 und BRCA 2 vorhanden. Diese Gene produzieren Proteine, die beschädigte Zellen im Drüsengewebe reparieren können. Sobald sich das Gen verändert oder ganze Informationsteile fehlen, wird das wichtige Eiweiß nicht mehr produziert und das Brust- und auch das Eierstockkrebsrisiko steigt rasant an.

Brustkrebs-Vorsorge

  • Ab dem 25. Lebensjahr

    - Monatliche Selbstuntersuchung der Brust

    - Halbjährliche Tastuntersuchung durch den Frauenarzt

    - Halbjährlicher Brustultraschall

  • Ab dem 30. Lebensjahr

    Jährliche Mammografie empfohlen

  • Ab dem 40. Lebensjahr

    - Jährlich ein Brustultraschall

    - Jährlich Mammografien in zwei Ebenen

Die Gen-Diagnostik ist eine äußerst aufwendige Prozedur. Das reine Sequenzieren der Gene reicht oft nicht, um die Vielzahl der Mutationsmöglichkeiten zu erkennen. Hier muss manuell genau auf die Gene geschaut und zusätzlich biochemische Tests durchgeführt werden. Die Ergebnisse werden kontinuierlich mit internationalen Datenbanken abgeglichen, um Festzustellen, ob die Mutation schon bekannt ist. All das frisst Zeit und Personal.

Die Prozedur kostet laut Daniela Steinberger etwa 3000 Euro. Können die Patientinnen nachweisen, dass Brustkrebs in ihrer Familie häufig auftritt, zahlen die Krankenversicherungen in der Regel die Analyse der Gene. Ist die Familiengeschichte nicht bekannt oder wenig aussagekräftig, erhält die Interessentin keine Analyse oder bleibt auf den Kosten sitzen. Außerdem wird die genetische Diagnostik oft gar nicht erst angeboten. „In Deutschland steht man dem Thema aus Unwissenheit immer noch sehr skeptisch gegenüber“, sagt Steinberger. Sie kennt viele Fälle von Frauen, die sich im Internet schlau gemacht haben und deren Ärzte ihnen aus Unkenntnis der Möglichkeiten den Zugang zu einer genetischen Diagnostik verwehrten.

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Anders sieht es in den USA aus, hier ist die genetische Beratung und Diagnostik weit verbreitet. Sogenannte „Genetic councilors“ übernehmen hier eine wichtige Funktion und klären die Patientinnen auf. Eine wichtige Aufgabe, denn die Abnahme der Brüste ist ein radikaler Schritt, der letztlich nur das genetische Risiko eindämmt. Natürlich besteht auch nach der Behandlung noch die Möglichkeit, dass die Schauspielerin an Krebs erkrankt – nur eben nicht mehr an der erblichen Form, die in ihrem Fall mit maximaler Wahrscheinlichkeit aufgetreten wäre. 

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