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Computerspiele: Gedanken-Spiele sind ein Milliardenmarkt

von Michael Brächer

Daddeln mit dem Hirn: Die US-Forscherin Deepa Iyengar entwirft Computerspiele fürs Handy, die sich mit Gedankenkraft steuern lassen. Der Alltagsspaß öffnet der High-Tech-Hirnforschung ganz neue Märkte.

Marktforscher kalkulieren, dass sich mit Gehirn-Computer-Interaktion in den kommenden Jahren Hunderte Milliarden Dollar verdienen lassen. Quelle: dpa
Marktforscher kalkulieren, dass sich mit Gehirn-Computer-Interaktion in den kommenden Jahren Hunderte Milliarden Dollar verdienen lassen. Quelle: dpa

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WirtschaftsWoche: Frau Iyengar, können Sie mir sagen, woran ich gerade denke?

Iyengar: Ich muss Sie enttäuschen. Gedanken lesen können wir noch nicht, auch wenn wir immer danach gefragt werden. Die Technik gibt das noch nicht her.

Trotzdem verspricht Ihr Unternehmen Mindgames, dass sich Ihre Spiele mit Gedankenkraft steuern lassen. Klappt das tatsächlich?

Natürlich. Vor einem Jahr haben wir das erste Spiel herausgebracht, bei dem das funktioniert. Mit aktuellen, einfachen Hirnstrom-Sensoren für jedermann können wir zwar keine Gedanken lesen, wohl aber grundlegende Gemütszustände unterscheiden. In unserem neuesten Spiel „Götter und Sterbliche“ müssen Sie sich abwechselnd konzentrieren und entspannen, um sich Gegner vom Leib zu halten.

Besonders ausgefeilt ist diese Interaktion aber noch nicht?

Das stimmt, aber wir hoffen in Zukunft auf bessere EEG-Geräte, mit denen wir mehr Daten erhalten können. Dann wird unser Einblick in die Gedankenwelt genauer. Das wird die Art, wie wir mit Computern interagieren, völlig verändern. Und wir sind nicht das einzige Unternehmen, das dieses Thema entdeckt hat. Großunternehmen wie Microsoft arbeiten daran, die Technik für den Alltag nutzbar zu machen.

Hirnströme Hirnforschung

Durch bloßes Denken sollen sich bald nicht nur Computerspiele bedienen, sondern auch PCs, Autos oder Maschinen steuern lassen.

Hirnströme: Der Kopf steuert PCs und Maschinen

Marktforscher kalkulieren, dass sich mit Gehirn-Computer-Interaktion in den kommenden Jahren Hunderte Milliarden Dollar verdienen lassen. Welche Chancen hat in diesem Markt ein Startup wie Ihres?

Wir können uns nicht beklagen: Wir haben drei erfolgreiche Spiele produziert und werden das vierte bald auf Facebook starten. Dabei fokussieren wir uns auf das, was heute machbar ist, und gestalten Spiele, die jeder einfach benutzen kann. Alles, was Sie brauchen, sind ein iPhone oder iPad und ein günstiges EEG-Headset für rund 100 Euro.

Wann also haben Maus und Tastatur ausgedient, weil wir unsere Rechner tatsächlich mit dem Kopf bedienen können?

Ganz so schnell wird das leider nicht passieren. Per Tastatur können Sie mit etwas Übung sehr schnell sehr exakte Eingaben machen. Mit Gedanken ist das nicht so einfach. Zwar gibt es schon heute Programme, mit denen ich Buchstaben diktieren kann, indem ich mir Bilder im Kopf vorstelle. Aber damit schaffen Sie höchstens acht Buchstaben in der Minute.

Damit ist die Gedankensteuerung dem traditionellen Tippen weit unterlegen...

...aber für Menschen, die an chronischer Muskelschwäche leiden, oft der einzige Weg, um sich auszudrücken. Leider ist die Technik heute noch sehr umständlich, kompliziert und anfällig für Fehler. Damit der Computer überhaupt etwas mit den Hirnströmen anfangen kann, ist sehr viel Training nötig. Das ist so wie bei einem Diktierprogramm: Wenn Sie wirklich möchten, dass die Software Sie versteht, müssen Sie Ihre Sprache anpassen.

Sehr unterhaltsam klingt das nicht.

Ist es aber. Mit unseren Spielen können Sie Spaß haben und zugleich lernen, die eigenen Gemütszustände zu steuern.

Wie bitte, Ihre Spiele sollen meine Gedanken kontrollieren?

Ja, aber nur indirekt. Es geht darum, gezielt bestimmte mentale Zustände herbeiführen zu können. Wir planen zum Beispiel gerade ein Pilotprojekt, bei dem Kinder mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADS unsere Spiele nutzen sollen, um besser entspannen zu können. Sich auf Kommando zu beruhigen ist nämlich gar nicht so einfach.

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