Deutscher bekommt Medizin-Nobelpreis: Womit Südhof das Nobelpreis-Komitee überzeugt hat

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Deutscher bekommt Medizin-Nobelpreis: Womit Südhof das Nobelpreis-Komitee überzeugt hat

, aktualisiert 08. Oktober 2013, 06:18 Uhr
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Thomas C. Südhof

Ohne ein ausgefeiltes Transportsystem würde die Welt im Chaos versinken. Auch der Körper hat Packstationen, Wegweiser und Aufnahmestellen. Diese haben die diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger erforscht.

Thomas Südhof musste lange auf die Nachricht aus Stockholm warten. Das Nobelpreis-Komitee konnte ihn am Vormittag telefonisch nicht erreichen. So erfuhr der gebürtige Deutsche erst nach der Welt-Öffentlichkeit, dass er zusammen mit den US-Amerikanern James E. Rothman (63) und Randy W. Shekman (65) den Nobelpreis für Medizin erhalten hat. Südhof war im Auto auf dem Weg zu einer Tagung in Andalusien. Mit dieser Auszeichnung habe er niemals gerechnet, sagte Südhof. "Diese Ehre ist unglaublich schön."

Die drei Preisträger teilen sich die nach der Bankenkrise verringerte Prämie von 930.000 Euro für die Erklärung von Transportprozessen in menschlichen Zellen. Südhof ging bereits vor 30 Jahren von Göttingen in die USA. Er arbeitet heute an der Elite-Universität in Stanford.   

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Der diesjährige Medizin-Nobelpreis ähnelt im Prinzip den Aufgaben des Logistik-Chefs einer großen Fabrik. Er muss sicherstellen, dass die Produkte der Firma zum richtigen Zeitpunkt beim passenden Kunden geliefert werden. Die drei Grundlagenforscher haben den dafür nötigen Mechanismus entschlüsselt.

Ihre Fabriken sind die menschlichen Zellen, die unermüdlich Tausende Substanzen produzieren: Hormone und Proteine, die wichtig für den Stoffwechsel sind. Botenstoffe, die an anderen Stellen im Körper bestimmte Reaktionen auslösen sollen. Direkt nach der Produktion packt die Zelle ihre Produkte in kleine Behälter, Vesikel genannt: unter dem Elektronenmikroskop sichtbare Bläschen, etwa ein Mikrometer groß, von einer dünnen Hülle umgeben.

Die Medizin-Nobelpreisträger der vergangenen zehn Jahre

  • 2012

    Sir John B. Gurdon, Großbritannien, und Shinya Yamanaka, Japan - für die künstliche Herstellung von Stammzellen. Ihnen ist es gelungen, erwachsene Körperzellen in ihren embryonalen Zustand zurückversetzt haben - eine Revolution in der Stammzellforschung, weil sich diese Zellen in alle Zellen des Menschen entwickeln können.

  • 2011

    Bruce Beutler, USA, und Jules Hoffmann, Frankreich - für ihre Entdeckungen über die Aktivierung der angeborenen Immunität.

    Ralph Steinman, Kanada - für seine Entdeckung der dendritischen Zellen und ihrer Rolle in der adaptiven Immunität.

  • 2010

    Robert Edwards, Großbritannien - für seine Entwicklung der In-vitro-Fertilisation.

  • 2009

    Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak, alle USA - für die Entdeckung, wie Chromosomen durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden.

  • 2008

    Harald zur Hausen, Deutschland - für seine Entdeckung der Auslösung des Gebärmutterhalskrebs durch humane Papillomviren.

    Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier, beide Frankreich - für die Entdeckung des HI-Virus.

  • 2007

    Mario Capecchi und Oliver Smithies, beide USA, sowie Martin Evans, Großbritannien - für ihre Entdeckungen im Bereich embryonaler Stammzellen und der DNA-rekombination bei Säugetieren.

  • 2006

    Andrew Fire und Craig Mello, beide USA - für ihre Entdeckung der RNA-Interferenz.

  • 2005

    Barry Marshall und Robin Warren, beide Australien - für die Entdeckung des Magenbakteriums "Helicobacter pylori" und dessen Bedeutung bei Gastritis und Magengeschwüren.

  • 2004

    Richard Axel und Linda Buck, beide USA - für die Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems.

  • 2003

    Paul Lauterbur, USA und Sir Peter Mansfield, Großbritannien - für ihre Entdeckungen zur Bildgebung durch Magnetresonanz. Das sogenannte MRT wird heute zur Diagnostik eingesetzt.

Dieser raffinierte Verpackungsmechanismus  sorgt dafür, dass die Produkte der Zelle sicher transportiert werden. Entweder bleiben sie in der Zelle und werden dort weiter verarbeitet. Oder sie wandern bis zum Rand der Zelle, wo sie dann in die Umgebung abgegeben werden.

James E. Rothman, Randy W. Shekman und Thomas Südhof können erklären, wie diese Vesikel wieder ausgepackt werden. Wenn das nicht ordentlich funktioniert, bekommt der Körper Probleme. Die Zuckerkrankheit vom Typ Diabetes 2 resultiert teilweise daher, dass Insulin nicht rechtzeitig und in der falschen Menge bereitgestellt gestellt wird. Manche Formen der Epilepsie haben als Ursache, dass die Informationsweitergabe im Gehirn nicht funktioniert. "Die Arbeiten der drei Preisträger haben zwar nicht zu Therapien geführt, aber sie können Krankheiten erklären", sagte Juleen R. Zierath , Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees.

Sie verglich den Transport der Zellprodukte mit der Fahrt eines Linienbusses. "Wenn die Passagiere nicht an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt aussteigen, gibt es in der Stadt große Probleme. Die Fabriken bleiben leer, Schüler sind nicht in der Schule, sondern stattdessen woanders."

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