Dieter Kempf: "Wir müssen bürokratische Hürden abbauen"

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InterviewDieter Kempf: "Wir müssen bürokratische Hürden abbauen"

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Dieter Kempf ist Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom)

von Dieter Dürand

Der Bitkom-Präsident fordert steuerbegünstigte Risikofonds und eine längere Förderung von Startups, um Europas IT-Industrie zu stärken.

WirtschaftsWoche: Herr Kempf, die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Neelie Kroes, kritisiert, Europas Bürger würden nach Digitaltechnologien geradezu hungern, doch die IT-Branche hielte nicht Schritt?

Kempf: Wenn wir an konsumnahe Anwendungen denken, Smartphones oder Tablet-PCs etwa, hat sie recht. Anders sieht es bei Informationstechnik aus, die heute in vielen Produkten steckt, etwa in intelligenten Maschinensteuerungen oder Fahrassistenzsystemen. Da kommt vieles speziell aus Deutschland – und wenig aus den USA oder Asien.

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Dennoch hat Europa vielfach den Anschluss verloren, etwa bei Displays, Chips und Internet-Anwendungen.

Das hat seine Gründe. Wir haben in Europa zum Beispiel einen weit weniger homogenen Markt als die USA. Das erleichtert es Unternehmen dort, Innovationen rasch in Produkte umzusetzen und so im Heimatmarkt extrem schnell zu wachsen.

Sind wir nicht vor allem zu gründlich und auch zu bürokratisch, um das hohe Innovationstempo mitgehen zu können?

Der Unterschied ist: Wir sind erst zufrieden, wenn ein Ding technisch perfekt funktioniert; dem Amerikaner ist wichtiger, es verkaufen zu können. Dafür verzichtet er auf das letzte Promille an technischem Schliff. Auch die Neugier der Kunden ist andernorts größer: Wenn sie einem Japaner ein neues Telefon zeigen, will er das haben. Viele Deutsche sagen, mein altes tut es auch noch.

Sollen Unternehmen im Zweifel lieber nicht völlig ausgereifte Produkte anbieten, statt den Markt zu verlieren?

Wir müssen besser auf die einfache Nutzbarkeit unserer Produkte achten. Bei der Frage, wie sehr ein Gerät die Bedürfnissen der Kunden trifft, können wir eine Menge von Apples oder Samsungs Smartphones lernen. Andererseits zeigen Bereiche wie das Entwickeln von Online-Spielen, dass wir das sehr wohl können – und dort ganz vorn dabei sind.

Was ist mit der Schnelligkeit?

Wir müssen bürokratische Hürden abbauen, die Zeitfresser sind. So bräuchten wir etwa ein einheitliches europäisches Datenschutzrecht. Die bisherige Zersplitterung erzwingt aufwendige Anpassungen für jedes Land. Nicht nur junge Unternehmen sind damit oft überfordert.

Die EU versucht mit Forschungsprogrammen, Europas Rückstand auf dem IT-Sektor aufzuholen. Ist es nicht eine Illusion, anzunehmen, die Politik könne kompensieren, was die Unternehmen versäumen?

Der Kardinalfehler ist, dass die Unterstützung meist beim Prototyp endet. Der Weg bis zum marktfähigen Produkt ist aber mindestens genauso weit und steinig. Dafür bräuchten die Unternehmen zusätzliches Geld für ihre Vorlaufinvestitionen.

Soll der Staat im Ernst auch noch die Produktentwicklung bezahlen?

Nein, aber ein marktgerechtes Modell wäre, dass die Unternehmen einen Teil ihrer Forschungsaufwendungen steuermindernd absetzen könnten. Das stärkt den Anreiz, in neue Produkte zu investieren – und zwar hier.

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