Drohnen auf der ILA: Der Himmel über Berlin brummt

Drohnen auf der ILA: Der Himmel über Berlin brummt

, aktualisiert 01. Juni 2016, 15:09 Uhr
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Eine private Drohne fliegt in knapp 10 Metern Flughöhe: Höhenbeschränkungen sind im Gespräch.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Ein großes Thema auf der Flugschau ILA am Flughafen Berlin Schönefeld sind Drohnen. Rund 40 Aussteller stellen ihre Geräte vor – und zeigen, dass der Boom dringend einer Regulierung bedarf.

FrankfurtDie Perspektive auf der Großleinwand am Flughafen Berlin Schönefeld ist beeindruckend. Als säße man live im Cockpit können die Zuschauer die Flugmanöver verfolgen. Die Bilder werden von so genannten Race-Coptern übertragen, kleine aber enorm leistungsfähige Renn-Drohnen. Der Deutsche Modellflieger Verband und der chinesische Drohnen-Hersteller Yuneec präsentieren diesen neusten Trend in der Modellfliegerei. Es ist ein Magnet für die Zuschauer der Luftfahrtschau ILA, die derzeit in Berlin stattfindet. Und ein Name für den neusten Schrei ist auch schon gefunden: „First Person View“ – oder kurz FPV.

Die Bilder und Eindrücke dürften einen Boom befeuern, der schon jetzt zu einem wachsenden Problem wird: die steigende Zahl von Drohnen an einem für diese Geräte bislang nur marginal regulierten Himmel. 400.000 Drohnen seinen alleine in Deutschland für den privaten und kommerziellen Einsatz bislang verkauft worden, schätzt Klaus Dieter Scheurle, Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS): „Bis 2020 wird diese Zahl auf voraussichtlich 1,1 Millionen steigen.“

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Immer häufiger kommen sich die unbemannten Fluggeräte und Verkehrsflugzeuge gefährlich nahe. Zwölf solcher Vorfälle hat die DFS in den letzten Monaten registriert. Einmal war es ein Geschäftsflugzeug, das in 1.100 Metern in der Region Frankfurt eine Drohne sichtete, ein anderes Mal traf in der Region Münster-Osnabrück ein Rettungshubschrauber in 500 Metern auf eine Drohne.

Die Politik hat das Thema erkannt und will die Drohnen an die Leine nehmen. Wie genau, das steht allerdings noch nicht fest. DFS-Chef Scheurle hat einen pragmatischen Vorschlag: „Ein Register und ein Führerschein für Drohnenpiloten würden einen Beitrag zu mehr Sicherheit leisten“, sagt der Manager. Denn den privaten Drohnen-Nutzern würde es häufig schon am Verständnis dafür fehlen, dass sie mit ihren Geräten am Luftverkehr teilnehmen.

Scheurle steht mit seiner Idee nicht alleine da. Auch EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc hat sich für einen solchen Führerschein ausgesprochen. Und die Vereinigung Cockpit, Gewerkschaft und Berufsorganisation der Verkehrspiloten, findet ebenfalls Gefallen an der Idee. Am Donnerstag will die VC auf der ILA das Thema Drohnen zum Schwerpunkt machen und über mögliche Ansätze für eine Regulierung informieren.

Doch die drohende Regulierung sorgt auch für Unmut. Die deutschen Verbände und Vereine für Modellflieger stören sich unter anderem an der vom Verkehrsministerium ins Gespräch gebrachten Höhenbeschränkung für unbemannte Flugobjekte von 100 Metern. „Unsere Forderung zielt darauf ab, den Modellflug nicht weiter zu beschränken", sagte DMFV-Präsident Hans Schwägerl der Nachrichtenagentur dpa. Die derzeit geltenden Regularien seien völlig ausreichend, auch für Drohnen. Nur müssten Verstöße auch geahndet werden.


Drohnen-Aussteller hoffen auf ein lukratives Geschäft

Die rund 40 Drohnen-Aussteller auf der ILA werden die Debatte sicher mit großem Interesse verfolgen. Denn sie hoffen auf ein weiterhin lukratives Geschäft. Ideen, wie man Drohnen nutzen kann, gibt es reichlich. Hybrid-Airplane stellt in Berlin zum Beispiel seinen Hybridflieger H-Aero One vor. Er bezieht seine Energie komplett aus erneuerbaren Quellen, kann senkrecht starten und landen und sehr lange in der Luft bleiben. Damit eignet sich die Drohne für Forschungseinsätze ebenso wie für die Aufklärungsarbeit. Der Hersteller plant bereits größere Versionen, mit denen eines Tages Lasten und sogar Menschen transportiert werden können.

Das bedeutet allerdings auch, dass die Ansprüche an die Steuerung solcher Drohnen massiv steigen werden. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt auf der ILA einen unbemannten Forschungshubschrauber, den Superartis. Er lässt sich supergenau steuern und ist damit auch für sehr anspruchsvolle Missionen geeignet – vorausgesetzt, der „Pilot“ beherrscht sein Gerät auch.

Sollte das nicht der Fall sein, ist auch schon vorgesorgt, Denn auch die Abwehr von unerwünschten Drohnen ist längst zu einem Geschäft worden. Die Firma ESG aus Bayern präsentiert auf der ILA-Plaza im Herzen der Messe sein System zur Identifizierung und Abwehr von Mikrodrohnen. Hochsensible Sensoren erfassen die Flugobjekte. Wird eines davon als bedrohlich eingeordnet, können je nach Situation Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. So kann der Pilot der Drohne ausfindig gemacht werden, oder aber die Drohne wird gezielt vom Himmel geholt, etwa mit Hilfe einer anderen Drohne.

Die unbemannten Flugobjekte werden also wohl noch auf Jahre ein gutes Geschäft bleiben – so oder so.

Quelle:  Handelsblatt Online
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