Ebola-Epidemie: Die neue Angst vor Seuchen

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Ebola-Epidemie: Die neue Angst vor Seuchen

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Ebola-Virus

von Susanne Kutter

Der dramatische Ebola-Ausbruch in Afrika schürt die Angst vor der Rückkehr der Seuchen. Zu Recht?

Es kommt wie aus dem Nichts, schlägt zu und hinterlässt eine Spur des Todes – Ebola. Der Erreger tötet grausam und effektiv. Bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben. Die Opfer verbluten innerlich und äußerlich oder sterben an Organversagen. 1976 erstmals in Zentralafrika beschrieben, tauchte das Virus immer wieder auf und verschwand schnell wieder.

Doch jetzt ist alles anders. In Westafrika – in Guinea, Sierra Leone und Liberia – tobt die bisher schlimmste Ebola-Epidemie. Fast 800 Infizierte zählte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), fast 500 von ihnen starben. Und die Seuche breitet sich seit Monaten aus, statt wie sonst schon nach Wochen zusammenzubrechen.

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Gefährlicher Erreger Warum gibt es keine Medikamente gegen das Ebola-Virus?

Das Virus gilt als einer der gefährlichsten Erreger weltweit. Ein Gegenmittel gibt es bislang nicht.

Test auf Ebola: Auch die niedrigen Infektionszahlen sind ein Grund für das Fehlen von Gegenmitteln. Quelle: Reuters

Furcht vor Ausbreitung

Auch rund 450 Virologen, Ärzte und Pfleger von WHO und Hilfsorganisationen ändern nichts. Die Lage sei „außer Kontrolle“, schlug Bart Janssens, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen, Alarm. Die WHO fürchtet, dass die Seuche auf Nachbarländer übergreift. Längst fragen sich viele in Deutschland, ob das Virus auch afrikanische Urlaubsgebiete erreicht und wie Geschäftsreisende sich schützen können.

Fällt Ebola womöglich bald in Europa ein? Ist die Epidemie Vorbote einer neuen Ära, in der unbeherrschbare Seuchen wieder Millionen Opfer fordern, wie die Spanische Grippe Ende des Ersten Weltkriegs?

Ebola ist nicht allein. In Saudi-Arabien grassiert der Atemwegsinfekt MERS (Middle East Respiratory Syndrome). In den Tropen infiziert das einst seltene Dengue-Fieber Millionen Menschen. Und in China tötet ein Vogelgrippe-Erreger Menschen. Er könnte sich weiter verändern und dann rasant ausbreiten.

Das ist das Ebola-Virus

  • Das Virus

    Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes, Fieber aus.

  • Sterblichkeit

    Je nach Erregerstamm sterben laut Angaben der WHO 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Heilmittel auf dem Markt, Impfstoffe sind in der Testphase.

  • Der Übertragungsweg

    Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen oder Flughunde. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

  • Die Krankheit

    Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben zwei Tage bis drei Wochen. Dann setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, auch andere Organe werden geschädigt. Es können schwere innere Blutungen auftreten. Erst wenn die Symptome auftreten, sind Infizierte ansteckend.

  • Die Gefahrenzone

    Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal wurde das Virus 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss nachgewiesen. Daher hat die Krankheit ihren Namen.

    Laut aktuellen Zahlen der WHO (Stand: 14. November 2014) sind seit dem aktuellen Ausbruch mehr als 14.400 Ebola-Fälle bekanntgeworden, die meisten in Liberia und Sierra Leone. Fast 5200 Menschen haben das Virus nicht überlebt.

Ursache Viren

Ursache dieser Krankheiten sind Viren, gegen die es bisher kaum wirksame Therapien gibt. Sollte es zu einem weltweiten Seuchenzug kommen, einer Pandemie, ist nicht klar, ob Impfungen und Medikamente rechtzeitig bereitstehen. Die Pharmaindustrie investiert kaum noch in den Kampf gegen Virusinfektionen.

Dazu kommt, dass zumindest „Ebola nicht das Zeug zur globalen Bedrohung hat“, beruhigt der Regensburger Infektiologe Bernd Salzberger. Anders als bei Grippeviren sei eine Ansteckung von Mensch zu Mensch nicht über Tröpfchen in der Luft möglich, sondern nur durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Sobald Infizierte typische Symptome wie hohes Fieber und Durchfälle zeigen, können Mediziner sie isolieren und so die Seuche eindämmen.

Helfer Quelle: AP

Viele Menschen in Afrika misstrauen den vermummten Helfern.

Bild: AP

Misstrauen

Die Strategie versagt bei Ebola in Westafrika aber. Dort misstrauen die Menschen westlichen Helfern. Statt sich von gespenstisch vermummten Ärzten in Isolierzelte sperren zu lassen, pflegen Angehörige die Kranken und stecken sich an. Bestattungsriten tragen zur Virusverbreitung bei: Verwandte waschen die Verstorbenen und umarmen sie. Ein Abschiedskuss für den Toten wird dann schnell zum Todeskuss.

Wie sich bisher schwer heilbare Tropenkrankheiten durch Verstädterung und wachsende Mobilität der Menschen ausweiten können, belegt Dengue. Weltweit in allen warmen Regionen zu Hause, gefährdet es nun auch die Menschen in Brasiliens Großstädten, wo Millionen Einheimische und Touristen die Fußball-WM genießen.

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