Ebola: Wie gut ist Deutschland vorbereitet?

Ebola: Wie gut ist Deutschland vorbereitet?

, aktualisiert 13. Oktober 2014, 15:23 Uhr
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Wenn Ebola Deutschland erreicht, sind wir laut Experten gut vorbereitet. Regelmäßig finden Katastrophenübungen für tödliche tropische Viruserkrankungen wie hier im Bild statt.

Die Ausbreitung von Ebola über die Grenzen Afrikas hinweg lässt international die Furcht vor der Seuche steigen. Wie gut ist Deutschland vorbereitet?

Seitdem sich in Madrid und in den USA Klinikmitarbeiterinnen mit Ebola infiziert haben, geraten auch die Sicherheitsvorkehrungen in deutschen Krankenhäusern ins Visier. Regierung, Behörden und Virologen geben weitgehend Entwarnung. Deutschland ist derzeit auf die Aufnahme von bis zu 50 Ebola-Patienten vorbereitet. Momentan ist laut Bundesregierung aber kein neuer Fall konkret absehbar. „Momentan stehen 50 Betten bereit, die unmittelbar eingesetzt werden können“, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums am Montag in Berlin.

Deutschland ist auch bereit, weitere Patienten ins Land zu lassen. Bisher wurden drei nichtdeutsche Helfer auf internationale Anfrage hin zur Behandlung nach Hamburg, Frankfurt/Main und Leipzig geflogen. „Wir haben das gerne gemacht, weil es selbstverständlich ist, dass wir uns solidarisch zeigen“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. „Falls es weiter solche Anfragen geben wird, sind wir selbstverständlich bereit, uns solchen Anfragen im Rahmen der Möglichkeiten zuzuwenden.“

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Chronologie der aktuellen Ebola-Epidemie

  • Dezember 2013

    Experten nehmen rückblickend an, dass es in der Region Guéckédou in Guinea den ersten Fall dieser Epidemie gibt.

  • 23.-25. März 2014

    In Guinea sind laut einem Radiobericht etwa 60 Menschen an Ebola gestorben, es gibt fast 100 Infizierte. Zwei Tage später wird Ebola auch in Liberia nachgewiesen, mindestens fünf Menschen sind bereits gestorben.

  • 23. Juni

    Am 23. Juni warnen die ersten Experten, dass die Epidemie außer Kontrolle sei.

  • 20. Juli

    In Nigeria bricht ein Regierungsberater Liberias am Flughafen zusammen. Tage später stirbt er, der Test ergibt: er hatte sich mit Ebola infiziert.

  • 7. bis 8. August

    Erstmals wird ein Ebola-Infizierter nach Europa gebracht: Spanien fliegt den Geistlichen Miguel Pajares ein. Er stirbt kurz darauf. Am 8. August stuft die WHO die Epidemie als Internationalen Gesundheitsnotfall ein.

  • 27. bis 29. August

    Erstmals kommt ein Ebola-Patient aus Westafrika nach Deutschland. Er wird in der Uniklinik Hamburg-Eppendorf behandelt. Zwei Tage später erreicht die Seuche mit einem erkrankten Studenten aus Guinea den Senegal. Der Patient gilt inzwischen als geheilt.

  • 30. September

    Eine UN-Sondermission (UNMEER) eröffnet ihr Hauptquartier in Ghana. Im US-Staat Texas wird bei einem Mann aus Liberia Ebola diagnostiziert.

  • 6. Oktober

    In Spanien hat sich eine Krankenschwester mit Ebola infiziert. Damit hat sich erstmals ein Mensch in Europa angesteckt. Die Krankenschwester hatte einen an Ebola erkrankten spanischen Priester betreut, der zur Behandlung aus Sierra Leone nach Madrid gebracht worden war und dort wenige Tage später verstarb.

  • 8. und 9. Oktober

    Der Ebola-Patient Thomas Eric Duncan in Texas stirbt. Der 42-Jährige hatte sich in Liberia infiziert, war aber erst in den USA erkrankt. Einen Tag später trifft ein dritter Ebola-Patient in Deutschland ein. Die Ärzte im Leipziger Klinikum bezeichnen den Zustand des aus dem Sudan stammenden UN-Mitarbeiters als „hochgradig kritisch“.

  • 13. und 14. Oktober

    In Liberia droht ein Streik im Gesundheitswesen die Krise zu verschärfen. Pflegekräfte fordern mehr Geld und Schutz. Am Tag darauf wird bekannt, dass der Leipziger Patient tot ist.

Der Patient in Hamburg war nach mehrwöchiger Versorgung geheilt aus dem Krankenhaus entlassen worden. In Kliniken in Leipzig und Frankfurt dauern die Therapien noch an.

„Wir sind vorbereitet“

Medienberichte, nach denen ein weiterer Ebola-Patient in Berlin behandelt werden soll, wiesen Bundesregierung und Berliner Behörden zurück. Sie könnten dies nicht bestätigen, so die Ressorts für Gesundheit und Auswärtiges. Es gebe keine entsprechende Anfrage, sagte auch eine Sprecherin der Berliner Gesundheitsverwaltung.

Der Uniklinik Charité, die eine Sonderisolierstation für schwere Infektionsleiden bereithält, war ebenfalls nichts von einer solchen Anfrage bekannt. In den nächsten zwei Tagen sei kein Ebola-Patient zur Aufnahme angemeldet, sagte Charité-Chef Karl Max Einhäupl. Doch irgendwann werde ein solcher Patient wohl kommen. „Wir sind vorbereitet“, sagte Einhäupl.

Seuchen-Experte Jan Leidel "Die erste Reaktion auf einen Ebola-Verdacht muss sitzen"

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Quelle: AP

Das deutschlandweite Netz an Behandlungszentren in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart, die auf hochansteckende Krankheiten spezialisiert seien, genieße auch international einen guten Ruf, so die Sprecherin weiter. „Diese Fälle werden regelmäßig geübt.“ In Frankfurt, Düsseldorf, München und Hamburg gebe es zudem spezialisierte Flughäfen, an die Flugzeuge umgeleitet werden könnten, wenn dort ein Verdachtsfall auftritt.

RKI schließt Ebola-Einschleppung nicht aus

Eine versehentliche Einschleppung des Erregers nach Deutschland hält das Robert Koch-Institut (RKI) für nicht ausgeschlossen. „Das Risiko ist gering, aber wir müssen natürlich damit rechnen“, sagte der Vize-Präsident des Berliner RKI, Lars Schaade, im ZDF-Morgenmagazin. Experten schließen eine Weitergabe von Mensch zu Mensch innerhalb der Kliniken aber aus. Als Garant gelten jahrzehntelanges Training und hohe Sicherheitsstandards.

Die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Katja Angeli sagte am Montag, in Deutschlands speziellen Behandlungszentren arbeite hochspezialisiertes Personal unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Ziel sei es, mit Hilfe der Schutzvorkehrungen Fehler zu 100 Prozent auszumerzen. Angeli betonte, die Bundesländer überwachten, dass die Sicherheitsvorschriften eingehalten würden. Das Personal übe regelmäßig, wie etwa die Schutzanzüge angezogen und abgelegt werden müssten, um eine Infektion zu vermeiden. Da die Arbeit unter den Anzügen sehr strapaziös ist, wird jeder Helfer nach drei bis vier Stunden abgelöst.

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