Ehrgeiziges Raumfahrtziel: Nordkorea träumt vom Mond

Ehrgeiziges Raumfahrtziel: Nordkorea träumt vom Mond

, aktualisiert 07. August 2016, 12:45 Uhr
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Der aktuelle Fünfjahresplan sieht vor, weitere Erdbeobachtungssatelliten und erstmals auch einen Kommunikationssatelliten zu starten.

Quelle:Handelsblatt Online

Raketen nutzte Nordkorea in jüngerer Vergangenheit vor allem für die militärische Drohkulisse. Dabei hat das Land bereits Satelliten ins All gebracht – und verfolgt angeblich ein noch weit ambitionierteres Raumfahrtziel.

PjöngjangNordkorea will in den kommenden Jahren nicht nur sein Satellitenprogramm ausbauen, sondern strebt darüber hinaus sogar nach dem Mond. Internationale Sanktionen hielten Pjöngjang nicht davon ab, bis 2020 weitere Satelliten zu starten, sagt Hyon Kwang Il, der Direktor der Forschungsabteilung bei der nordkoreanischen Raumfahrtbehörde. Und innerhalb von zehn Jahren werde den Plänen zufolge auch die nordkoreanische Flagge auf dem Mond gehisst.

Ausländische Experten halten eine unbemannte Mondmission Pjöngjangs in nicht allzu ferner Zukunft für ambitioniert, aber vorstellbar. „Es wäre eine bedeutende Steigerung in der Technologie, aber nichts, was ihre Fähigkeit überstiege“, erklärt der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik. Da sie allerdings nur alle paar Jahre eine Mission starteten, halte er einen Erfolg in den nächsten fünf Jahren für unwahrscheinlich. Dass sie es versuchten, sei aber möglich.

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Der aktuelle Fünfjahresplan sieht laut Hyon auf Befehl von Staatschef Kim Jong Un vor, weitere Erdbeobachtungssatelliten und erstmals auch einen geostationären Kommunikationssatelliten zu starten. Die Universitäten weiteten Programme zur Ausbildung von Raketenwissenschaftlern aus. „All diese Arbeit wird die Grundlage für den Flug zum Mond sein“, sagt Hyon. Er persönlich hoffe, dass dies innerhalb von zehn Jahren geschehe.

In seinem Weltraumprogramm verzeichnet Nordkorea bereits einige Erfolge, nicht zuletzt bei der Entwicklung von Langstreckenraketen. Erst am Mittwoch testete das Land mutmaßlich eine Mittelstreckenrakete, es war der vierte Raketenstart binnen zwei Wochen.

Einen Satelliten brachte Pjöngjang zuletzt am 7. Februar ins All, nur einen Monat nachdem das Land bekanntgab, erstmals eine Wasserstoffbombe getestet zu haben. Dies führte zu neuen Sanktionen gegen Nordkorea, denn Atomtests und der Start von Raketen, die auch militärisch genutzt werden können, sind laut UN-Resolutionen verboten.

Hyon nennt die Sanktionen „lächerlich“. Langfristiges Ziel sei, die Satelliten für Ernte- und Forstwirtschaftsvorhersagen und eine verbesserte Kommunikation einzusetzen. Zudem seien bemannte Raumfahrt und wissenschaftliche Experimente im All geplant, ein Flug zum Mond sowie die Erforschung des Mondes und auch anderer Planeten.

Nordkorea hat derzeit zwei Satelliten in der Umlaufbahn, KMS-3-2 und KMS-4. Südkorea hat bislang keinen. KMS-4 habe bis Ende Juli mehr als 2500 Erdumrundungen absolviert und übermittle beim Überflug von Nordkorea, vier Mal täglich, Daten, sagt Hyon. Ausländische Experten konnten dies bislang nicht bestätigen. „Es gibt aber auch keine Beweise dafür, dass es nicht so ist“, sagt Astrophysiker McDowell.


Ein geostationärer Satellit wäre eine größere Herausforderung

Der Deutsche Markus Schiller, einer der weltweit führenden Experten für nordkoreanische Raketen, erklärt, ein geostationärer Satellit könnte für Pjöngjang ein ambitionierteres Ziel sein als ein Vorbeiflug am Mond oder eine Bruchlandung dort. Auf dem Mond aufzuschlagen wäre technisch weniger aufwendig, aber dennoch eine Herausforderung, so Schiller.

Nach seiner Einschätzung brauche Nordkorea mindestens ein Jahrzehnt, um zur Mondumlaufbahn zu kommen, wenn das Land diese Mission tatsächlich verfolge. Persönlich glaube er, dass Pjöngjang es möglicherweise versuchen, aber scheitern werde. Ein erfolgreicher nordkoreanischer Mondorbiter werde, wenn er überhaupt komme, mindestens zwei Jahrzehnte auf sich warten lassen.

Vorwürfe, die nordkoreanische Raumfahrtmission sei ein verkapptes militärisches Programm, bezeichnet Hyon als Heuchelei. Die USA, Russland und China hätten ihre Raumfahrtprogramme alle auf Militärtechnologie aufgebaut. „Es waren die USA, die das All militarisiert haben“, sagt Hyon.

Die nordkoreanischen Streitkräfte könnten bereits jetzt mit Langstreckenraketen jedes Gebiet der Erde erreichen, „besonders amerikanisches Territorium“, so dass der Staat das Weltraumprogramm nicht für die Entwicklung ballistischer Raketen nutzen müsse.

Experte Schiller hält das für plausibel. Zwar könnten auch aus dem Start von Unha-Raketen, die die Satelliten ins All bringen, Erkenntnisse gewonnen werden, die für das militärische Programm genutzt werden können. Doch unterschieden sich beide Programme so stark, dass sie bis zu einem gewissen Maß getrennt gesehen werden müssten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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