Ekel oder Schönheit: Biologie und politische Einstellung hängen zusammen

Ekel oder Schönheit: Biologie und politische Einstellung hängen zusammen

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Ein Mann blickt angeekelt in die Kamera. Unser Ekelgefühl und unsere politische Einstellung stehen laut einer Studie in Zusammenhang.

Der biologische Einfluss auf unsere Einstellungen wird intensiv erforscht. Hirnforscher haben nun einen verblüffenden Zusammenhang aufgezeigt: Unser Ekel-Gefühl gibt Auskunft über unsere politischen Ansichten.

Ekel vor Kadavern, Schimmel oder Fäkalien ist eine instinktive Reaktion. Sie bewahrte schon unsere Urahnen davor, dem Körper etwa mit verdorbener Nahrung Schaden zuzufügen. Bei manchen Menschen ist das Zurückschrecken ausgeprägter als bei anderen. US-Forscher haben sich daher angeschaut, wie das menschliche Gehirn auf ekelerregende Bilder reagiert.

Dabei haben sie Erstaunliches herausgefunden: Die individuelle Ekel-Reaktion beim Anblick verschmutzter Toiletten oder vergammelter Lebensmittel und die politischen Vorlieben eines Menschen hängen stark zusammen. Die Studie wurde im Portal "Current Biology" veröffentlicht.

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Für die Untersuchung zeigten die Wissenschaftler 83 Teilnehmern Fotos, die politisch völlig wertneutral waren: Sie zeigten abstoßende Motive - etwa verdreckte Orte, Schimmel, Verwesung -, bedrohliche, angenehme oder neutrale Szenen. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie machten sie die Gehirnreaktionen sichtbar und zeichneten sie auf. Anschließend wurden die politischen Meinungen und Ansichten der Probanden mit einem Fragebogen erhoben.

Mit einer hohen Treffsicherheit von 95 bis zu 98 Prozent konnten die Forscher hinterher anhand der Hirnscans die politische Einstellung der Probanden vorhersagen. Es zeigte sich, dass die Ekel-Reaktion des Gehirns bei konservativ eingestellten Menschen deutlich stärker ausgeprägt ist, als bei eher liberal eingestellten Versuchsteilnehmern. Dafür genügte oft schon die Betrachtung eines einzigen Bilds. Die Forscher betonen, dass sich dieser Zusammenhang nicht am bewusst empfundenen oder nach außen kommunizierten Ekel ablesen lässt, sondern allein an der Reaktion des Gehirns.

Die Forscher erklärten, die Ergebnisse des Experiments würden eine schon länger gehegte Annahme bestätigen: dass die politische Haltung eines Menschen nicht nur durch Umwelteinflüsse geprägt wird, sondern auch mit bestimmten biologischen Mechanismen eng verknüpft sei. Warum die konservativen Personen eine stärkere Ekel-Reaktion zeigten, könne man bislang nicht erklären. Es liege jedoch die Erklärung nahe, dass von ihrer Natur her risikoscheue Menschen stärker zu konservativen Einstellungen neigten. Studien-Hauptautor Woo-Young Ahn vom Virginia Institute of Technology erklärte: "Unsere Ergebnisse stimmen gut mit der Annahme überein, dass politische Ansichten mit der neurobiologischen Prägung zusammenhängen."

Schönheit und politische Ansichten

Die Verbindung zwischen der politischen Einstellung, dem Wahlverhalten und Ekel-Sensitivität wurde schon früher untersucht - allerdings war dies nun die erste Untersuchung mit Hirnscans. So zeigte etwa eine 2011 veröffentlichte Befragung von rund 31.000 Menschen bereits, dass konservatives Wahlverhalten eng mit einer niedrigen Ekelschwelle zusammenhängt.

Biologische Zusammenhänge und politische Einstellung nahm auch eine finnische Untersuchung 2011 unter die Lupe: Hier kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass konservative Politiker besser aussehen. Dass sie die hübscheren Gesichter hätten, bringe ihnen auch Vorteile bei Wahlen, resümierten die Forscher. Für die Untersuchung befragten sie in den Jahren 2003 und 2004 mehr als 2500 Nicht-Finnen zu der Attraktivität der Kandidaten für die Wahl in Finnland. Die Probanden wussten dabei nicht, welcher Partei die Kandidaten angehören.

Dabei habe sich gezeigt, dass die Kandidaten der konservativen und rechten Parteien als "verführerischer" bewertet wurden, schreiben die Autoren. Der Studienautor Niclas Berggren versuchte den Zusammenhang so zu erklären, dass "für schön befundene Menschen oder solche, die sich selbst attraktiv finden, tendenziell hierarchischer denken - und damit eher rechts sind."

In einer Auswertung der Wählerstimmen habe sich zudem gezeigt, dass der Attraktivitätseffekt gerade bei Kommunalwahlen eine größere Rolle spiele, wenn die Kandidaten den Wählern relativ unbekannt seien. Frei nach dem Motto: "Keine Ahnung, was die Partei will - ich wähle den/die mit dem schönsten Gesicht".

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