Electron-Rakete: Neuseeland greift nach den Sternen

Electron-Rakete: Neuseeland greift nach den Sternen

, aktualisiert 25. Mai 2017, 08:28 Uhr
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Das Raumfahrtunternehmen Rocket Lab hatte vergangene Woche die offizielle Genehmigung erhalten, von der abgelegenen Halbinsel Mahia aus drei Teststarts durchzuführen.

Quelle:Handelsblatt Online

Neuseelands erste Rakete ist ins All gestartet: Mit einem eigenen Raumfahrtprogramm will das Land eine Marktnische besetzen und neue Jobs schaffen. Die leichte Einwegrakete „Electron“ soll zum Erfolgsmodell werden.

WellingtonDas private Raumfahrtunternehmen Rocket Lab hat erstmals von Neuseeland aus eine Rakete ins All geschossen. „Ins All geschafft. Team begeistert. Es kommt noch mehr“, hieß es in einem Tweet am Donnerstagnachmittag (Ortszeit).

Das von dem Neuseeländer Peter Beck gegründete und in Kalifornien ansässige Raumfahrtunternehmen hatte vergangene Woche die offizielle Genehmigung erhalten, von der abgelegenen Halbinsel Mahia aus drei Teststarts durchzuführen. Daraus soll nach dem Willen von Rocket Lab ein kommerzielles Raumfahrtprogramm werden, das jede Woche eine Rakete ins All schickt.

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„Bisher sind nur Supermächte ins Weltall geflogen“, sagte der neuseeländische Minister für Wirtschaftsförderung, Simon Bridges. „Dass wir es tun und damit zu wenigen Ländern weltweit gehören, ist ziemlich beeindruckend.“

Rocket Lab sieht einen Wachstumsmarkt im Transport von Kleinteilen, einige davon nicht viel größer als ein Smartphone, in die Erdumlaufbahn. Die Satelliten würden beispielsweise Beobachtungszwecken oder der Bereitstellung von Internetdiensten dienen. Durch den Einsatz von leichten Einwegraketen mit Motoren aus 3D-Druckern will Rocket Lab seine Kosten gering halten.

Damit unterscheidet sich die Strategie etwa von der von SpaceX, dem Raumfahrtunternehmen des Investors Elon Musk. Dieses setzt größere Raketen ein, um eine höhere Nutzlast transportieren zu können.

Das Projekt hat Neuseeland in Aufregung versetzt: In aller Eile verabschiedete die Regierung neue Raumfahrtgesetze und stampfte eine neue Raumfahrtbehörde mit zehn Mitarbeitern aus dem Boden. Ein Erfolg von Rocket Lab könne zu einem Imagewandel für ganz Neuseeland führen, sagt Minister Bridges – von dem eines aus Farmen und schönen Landschaften bestehenden Landes hin zu einer aufstrebenden Technologie-Nation.

Die Raumfahrtindustrie könne rasch Hunderte Millionen Dollar jährlich ins Land bringen und traditionellen einheimischen Branchen wie dem Weinbau und der Kiwizucht Konkurrenz machen, erklärt Bridges. Und in der Zulieferindustrie könnten viele hochbezahlte Jobs entstehen.


Ambitioniertes Ziel

Die Hoffnungsträgerin „Electron“ hebt sich in vielerlei Hinsicht von bisherigen Raketen ab. Sie trägt nur eine geringe Nutzlast von etwa 150 Kilogramm, besteht aus Kohlefaser und verfügt über einen Elektromotor. Nach Angaben von Rocket Lab wird jeder Start lediglich fünf Millionen Dollar kosten und damit einen Bruchteil des Aufwands für einen typischen Raketenstart.

Auch mit der Einwegtechnologie unterscheidet sich Rocket Lab klar von SpaceX, das voll wiederverwendbare Raketen bauen will. „Electron“ sei besonders leicht und verbrauche relativ wenig Treibstoff, wirbt Firmengründer Beck. Zu den Vertragskunden gehören bereits die US-Raumfahrtbehörde Nasa und das private Raumfahrtunternehmen Moon Express.

Rocket Lab hat etwa 150 Millionen Dollar an Risikokapital erhalten, darunter eine nicht genannte Summe vom US-Investor Bessemer Venture Partners aus dem Silicon Valley. Bessemer-Partner David Cowan erklärt, jahrelang sei der Trend hin zu immer größeren Raketen und Satelliten gegangen – bis viele Satelliten schließlich so groß wie ein Bus oder ein Haus waren.

Doch in den vergangenen Jahren habe sich der Bedarf verschoben, indem es die technologische Entwicklung möglich machte, kleine und kostengünstige Satelliten in niedrigere Erdumlaufbahnen zu bringen, sagt er. Cowan zeigt sich beeindruckt über die positive Aufnahme des Projekts im Land. Bei einem Besuch auf einer Schaffarm habe ihm kürzlich ein Schäfer begeistert vom bevorstehenden Raketenstart erzählt, ohne zu wissen, dass er einen der Projektträger vor sich hatte.

Nach Angaben von Eric Stallmer, Präsident des US-Branchenverbands Commercial Spaceflight Federation, bemühen sich auch andere Raumfahrtunternehmen, die von Rocket Lab angepeilte Marktnische zu besetzen. Dort gebe es viel Wachstumspotenzial, erklärte Stallmer. Die USA starteten weniger als zwei Dutzend kommerzielle Raketen pro Jahr und seien weiterhin ein Marktführer. Rocket Labs Ziel von 50 oder mehr Starts im Jahr klinge allerdings ambitioniert und werde wenn überhaupt erst in einigen Jahren zu erreichen sein.


Abgelegener Startplatz

Ein großer Vorteil des neuen Projekts ist laut dem Unternehmensgründer Beck der Startplatz auf der Mahia-Halbinsel an der Ostküste der neuseeländischen Nordinsel. Der Platz liege auf einem schmalen Landstück, das fast vollständig von Wasser umgeben sei, der Luftraum darüber sei nahezu frei von Flugverkehr.

Einige Kritiker befürchteten, dass wegen der Raketenstarts künftig Straßen und Angelgewässer zeitweise gesperrt werden könnten. Der Einzelhändler Bevan Cutler, der auf Mahia einen Strandladen betreibt, erzählt, dass die meisten Bewohner dennoch auf den ersten Teststart gespannt seien. Er könnte große Auswirkungen für die Zukunft haben“, sagt er. „Wir wissen es einfach noch nicht.“

Und falls etwas schief geht, dürfte es zumindest bei den alten Geschäftsmöglichkeiten bleiben: Auf Mahia gibt es viele Ferienhäuser, die Region ist beliebt bei Surfern, Anglern und Tauchern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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