Energiespeicher: Start-up macht Beton und Stahl zu Speichern

Energiespeicher: Start-up macht Beton und Stahl zu Speichern

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Der Vorstandsvorsitzende des norwegischen Start-ups EnergyNest, Christian Thiel, mit einem ausgesägten Stück aus einem Energiespeichermodul.

Energiespeicher sind ein Schlüsselthema für die Energiewende. Die vorhandenen Technologien sind teils teuer, teils nicht marktreif. Ein norwegisches Start-up kommt jetzt mit einer völlig neuen Idee.

Bis zum Jahr 2050, so sieht es die Klimapolitik der Bundesregierung vor, soll die Energie in Deutschland fast vollständig aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne erzeugt werden. Ein Problem dabei: Energie wird auch benötigt, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Deshalb muss überschüssige Energie gespeichert werden, die sich bei Bedarf wieder in Wärme und Strom verwandeln lässt und in die Netze eingespeist werden kann.

„Wie haben eine Lösung gefunden“, sagt Christian Thiel, Vorstandschef des norwegischen Start-up-Unternehmens EnergyNest. „Das fehlende Bindeglied, das es uns zukünftig ermöglicht, erneuerbare Energie wirtschaftlicher zu nutzen.“

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Das sind große Worte für eine Firma mit zwölf Mitarbeitern, die seit fünf Jahren existiert. Doch eine unabhängige Prüfung durch die Prüf- und Beratungsgesellschaft DNV GL ergab ein großes Potenzial für die einfache und günstige Technik. Die norwegische DNV GL – entstanden aus der Fusion von Det Norske Veritas und Germanischer Lloyd – ist vergleichbar mit Dekra oder Tüv.

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EnergyNest setzt auf Beton. Nicht irgendeinen Beton, sondern eine geheime Spezialmischung, die der Materialwissenschaftler und Mitgründer des Unternehmens, Pål G. Bergan, gemeinsam mit dem deutschen Konzern HeidelbergCement entwickelt hat. Dieser Beton kann große Mengen Wärme besonders lange speichern, bei geringen Verlusten. Durchzogen ist der Beton von einem Gerüst aus Stahlrohren, in die Wasserdampf oder Spezialöl mit einer Temperatur bis zu 450 Grad und unter hohem Druck geleitet wird. Ein Speichermodul ist ein rechteckiger Kasten mit den Maßen eines 40-Fuß-Containers. Er speichert etwa zwei Megawattstunden Energie.

Wie Legosteine lassen sich die Module aufeinandersetzen, so dass jede Fabrik und jede Kommune Speicher nach ihrem Bedarf einrichten kann. Um zum Beispiel eine Großstadt wie Hamburg energetisch durch eine windstille Nacht zu bringen, müssten rechnerisch so viele Speicher vorhanden sein, wie ein großes Containerschiff an Bord transportieren kann. Für Fabriken, die überschüssige Prozesswärme aus ihrer industriellen Produktion speichern wollen, könnten die Aggregate flexibel nach Bedarf angepasst werden, 10 oder 100 oder 1000 Speicherbausteine.

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„Speicherung ist teuer, wenn es um große Energiemengen geht“, sagt Thiel. „Unsere Technik ist simpel und preisgünstig; sie kostet höchstens ein Drittel soviel wie eine Batterie.“ Ein Modul kostet rund 50.000 Euro. Der deutsche Manager mit Wohnsitz in Hamburg und beruflichen Stationen bei BMW, UBS, McKinsey und dem Windanlagen-Hersteller Senvion pendelt regelmäßig ins Hauptquartier nach Oslo, ist aber auch weltweit unterwegs. Der erste thermische Energiespeicher von EnergyNest steht bei einem Solarkraftwerk in Masdar City (Abu Dhabi) und ist bereits seit mehreren Monaten rund um die Uhr in Betrieb.

Prüfergebnis fällt positiv aus

DNV GL hat das Versuchsprojekt geprüft und ist zu einem positiven Ergebnis gekommen. „Das Prinzip funktioniert.“ Die EnergyNest-Technik eigene sich vor allem, um größere Energiemengen über einen längeren Zeitraum zu speichern; kleinere und kurzfristige Anwendungen blieben eher der elektrochemischen Batterie vorbehalten.

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Thiel nennt weitere Vorteile: Die Module bestehen aus einfachen, umweltfreundlichen Materialien und können in der Nähe ihres Einsatzortes hergestellt werden, sie sind wartungsarm, günstig im Betrieb und halten mindestens 50 Jahre. Technisch kann das EnergyNest-System sowohl Wärme wie auch Strom ausspeichern.

Bislang haben Geldgeber aus Großbritannien, den USA und Norwegen rund neun Millionen Dollar in das Projekt investiert, dazu kommen zwei Millionen Dollar öffentliche Subventionen. Der nächste Schritt ist nun der kommerzielle Einsatz in der Praxis. Einige Leuchtturm-Projekte sind schon in der Pipeline, darunter auch eines in Hamburg. Kunden können Industriebetriebe sein, Windparks und Solarkraftwerke oder Stromversorger. „Das Potenzial ist da, der Markt ist riesig“, glaubt Thiel.

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