Enge Beziehung schon vor Jahrtausenden: Von Mäusen und Menschen

Enge Beziehung schon vor Jahrtausenden: Von Mäusen und Menschen

, aktualisiert 28. März 2017, 10:15 Uhr
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Mensch und Maus leben schon deutlich länger in Gemeinschaft, als bislang angenommen wurde.

Quelle:Handelsblatt Online

Sie kann dem Menschen ein geliebtes Haustier sein – oder ein unerwünschter Plagegeist: die Hausmaus. Forscher haben jetzt entdeckt, dass die komplizierte Beziehung schon deutlich länger besteht als bisher gedacht.

Tel AvivMäuse leben schon weit länger in menschlichen Gemeinschaften als bisher angenommen. Schon vor 15.000 Jahren habe es Hausmäuse (Mus musculus domesticus) im Gebiet des heutigen Israels gegeben, berichten Forscher in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften.

„Bisher hatten viele angenommen, dass Hausmäuse erstmals mit dem Menschen zusammengekommen sind, als die Landwirtschaft aufkam“, sagt Lior Weissbrod von der Universität Haifa. Dies sei vor etwa 12.000 Jahren gewesen.

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Stattdessen tauchten die Tiere offenbar bereits im späten Pleistozän auf, als sich die umherziehenden Jäger und Sammler niedergelassen hätten, erklären die Forscher um Weissbrod und Thomas Cucchi vom französischen Forschungszentrum CNRS in Paris. Die Menschen hätten Essensvorräte angelegt, unter anderem mit wildem Getreide, das die Nager vermutlich anzog.

Außerdem warfen die Menschen Nahrungsreste weg. Der Müll ließ bestimmte Pflanzen wachsen, die vermutlich ebenfalls für die Hausmäuse interessant waren. Die Hausmaus habe dabei auch zeitweise die eng verwandte Art Mus macedonicus komplett verdrängt, so Weissbrod.

Weissbrod und Cucchi hatten für ihre Studie Backenzähne von Mäusen aus fünf Fundstätten in Israel untersucht. Die Zähne waren zwischen 11.500 und 200.000 Jahre alt. An den Backenzähnen lässt sich die Art erkennen.

„Es gab eine überraschend große Wirkung des Menschen auf seine Umwelt, bevor die Landwirtschaft aufkam“, sagt Weissbrod. Viele Forscher gingen bisher davon aus, dass der Beginn der Landwirtschaft einen Wendepunkt in der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt bedeutet habe. „Nun sieht es danach aus, dass dies viel früher begonnen hat.“


Ungeliebter Nahrungskonkurrent

Das frühere Auftauchen der Hausmaus und die Verdrängung der wilden Maus seien zudem ein „starker Hinweis“ darauf, dass Menschen Farmer wurden, weil sie sesshaft waren – und nicht anders herum. „Darüber gibt es grundsätzlich eine große Diskussion in der Archäologie“, erklärt Weissbrod.

Manche Forscher argumentierten, dass die Menschen zwar Behausungen gebaut hätten, aber vielleicht trotzdem immer wieder weitergezogen seien. Dann hätte sich nach Ansicht von Weissbrod die Hausmaus aber nicht so etablieren können.

Die ersten Hausmäuse hatten nach Ansicht der Forscher übrigens keinen so schlechten Ruf wie heute etwa in Europa. „Das Aufkommen der Landwirtschaft hat die Beziehung zwischen Mäusen und Menschen verändert“, sagt Weissbrod. Zuvor hätten die Hausmäuse von den Menschen profitiert, sie aber nicht gestört.

Mit der Landwirtschaft kam die Sorge, dass die Nager das mühsam gezogene Getreide wegfressen. Die Menschen wollten die Mäusevermehrung daher eindämmen und stellten Fallen auf. „Die Maus wurde zur Plage und zur Konkurrenz in Bezug auf Nahrung.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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