Entzauberte Mythen: Wie Angst bei Entscheidungen hilft

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Kolumne

Je riskanter eine Entscheidung ist, desto unsicherer werden wir – aber das ist auch gut so. Zögern gibt unserem Gehirn Zeit für eine clevere Handlung.

Was sind Sie für ein Entscheidungstyp? Eher der proaktive Macher oder der ängstliche Zauderer? Die richtigen Entscheidungen zu treffen ist ja meist nicht so einfach. Denn häufig gehen große Gewinne mit einem Risiko einher. Trotzdem – oder gerade deswegen – spekulieren manche auf Außenseiter an der Börse oder wetten auf Underdogs im Sport. Mitunter treffen sie sogar die risikoreichste Entscheidung von allen – und heiraten. Bei diesem All-in-Investment mit einer Ausfallrate von knapp 40 Prozent würde jeder Anlageberater die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Entscheidungen werden offenbar nicht immer rational getroffen. Dabei gilt: Je gefährlicher wir eine Situation einschätzen, desto mulmiger wird uns dabei. Doch eine kleine Portion Ängstlichkeit ist bei Entscheidungen gar nicht schlecht, wie man aus der Hirnforschung weiß. Vielmehr steckt hinter dem ängstlichen Zögern ein Anpassungsmechanismus des Gehirns, um ausreichend Zeit zum Überlegen zu haben. Eine Art geistige Bremse, die uns in hitzigen Situationen vor Kurzschlusshandlungen bewahrt.

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Bei wichtigen Entscheidungen spielen zwei Hirnregionen eine Rolle. Ein belohnendes Areal sendet ein „Wir schaffen das“-Signal und animiert uns zu einer gewagten Entscheidung – wird dabei jedoch ständig von der „Kann das wirklich klappen?“-Region im Zaum gehalten. Je besser die Verbindung zwischen den beiden Arealen, desto vorsichtiger werden wir. Man kann also schon anatomisch ablesen, ob jemand eher auf Österreich oder Deutschland als nächsten Fußballeuropameister setzen wird.

Diese Arten von Intelligenz gibt es

  • Emotionale Intelligenz

    Von jeder Führungskraft wird mittlerweile Empathie verlangt – die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen und zu verstehen. Nicht nur die der anderen, sondern auch die eigenen.

  • Interpersonale Intelligenz

    Wer die Wünsche seiner Mitmenschen erkennt, besitzt eine besondere Form der Empathie. Das ist auch im Job nützlich: Interpersonal begabte Menschen sind oft gute Verkäufer oder Politiker.

  • Kinästhetische Intelligenz

    Chirurgen, Sportler, Tänzer und Schauspieler können ihren Körper kontrolliert und geschickt einsetzen.

  • Naturalistische Intelligenz

    Erfinder und Entdecker wie Alexander von Humboldt haben ein überdurchschnittliches Gespür für Pflanzen, Tiere und die Zusammenhänge der Natur.

  • Existenzielle Intelligenz

    Nicht nur Philosophen haben ein Talent für die großen Warum-Fragen. Auch Manager benötigen es, um den Sinn bestimmter Prozesse zu verstehen – und zu vermitteln.

  • Intrapersonale Intelligenz

    Nur wenige Personen wissen genau, welche Fähigkeiten sie haben – und dazu zählen intrapersonal intelligente Menschen. Sie schätzen sich selbst und ihre Herausforderungen realistisch ein. Das führt gleichzeitig zu einer hohen (Selbst-)Zufriedenheit.

  • Musikalische Intelligenz

    Rhythmen erkennen, Melodien komponieren, Töne unterscheiden – musikalisches Talent wird oft beneidet.

Ängstliche Menschen aktivieren dadurch bei riskanten Entscheidungen verstärkt jene Bereiche des Gehirns, die Handlungen planen und steuern. So erhält das Gehirn die Möglichkeit, wichtige Informationen zur Entscheidungsfindung hinzuzuziehen.

Draufgängerische Zeitgenossen ähneln eher biologischen Automaten, die reflexhaft und ohne lange Überlegungen jede sich bietende Chance nutzen wollen. Das kann gut gehen, doch in Untersuchungen treffen zögerliche Teilnehmer oft die besseren Entscheidungen, weil sie mehr nachdenken.

Entzauberte Mythen Zu viel Kontrolle im Job ist fatal

Warum passieren Fehler immer ausgerechnet dann, wenn der Chef hinter einem steht? Unsere Arbeitsleistung wird ständig gemessen - doch zu viel Kontrolle schadet.

Neuronen des Gehirns Quelle: Fotolia

Solange man nicht zu ängstlich wie das Kaninchen vor der Schlange sitzt, ist ein bisschen Ängstlichkeit also gar nicht schlecht. Das Gehirn bremst uns mit einem kurzen Angstgefühl aus und schützt uns dadurch vor einer kopflosen Reaktion. So schafft es die Balance zwischen kritischem Überlegen und impulsivem Entscheiden.

Wenn Sie also eine risikoreiche Entscheidung treffen wollen, entscheiden Sie erstens nicht zu schnell – gerade bei wichtigen Entscheidungen genügt schon ein kurzer Augenblick des Zögerns, damit Ihr Gehirn die nötigen Denkressourcen für eine clevere Handlung aktivieren kann.

Zweitens: Seien Sie nicht zu ängstlich, ansonsten blockieren Sie dauerhaft Ihre Entscheidungsregionen und kommen überhaupt nicht auf den Punkt.

Und drittens: Setzen Sie nicht auf Österreich als Europameister.

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