Erfolgreicher Medikamententest: Merck-Krebsmittel schlägt Konkurrenz-Arznei

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Erfolgreicher Medikamententest: Merck-Krebsmittel schlägt Konkurrenz-Arznei

Studienerfolg für den Pharmakonzern Merck: In einem Vergleichstest schnitt das Krebsmedikament Erbitux des Darmstädter Unternehmens besser ab als das breit verschriebene Konkurrenz-Präparat Avastin des Rivalen Roche.

Mit Spannung wurden die Testergebnisse erwartet, die Samstag auf dem Krebsmediziner-Kongress ASCO in Chicago präsentiert worden. Denn erstmals wurden beide Medikamente in einer Studie zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs direkt verglichen. Erbitux gehört zu den Umsatzstützen von Merck. Das Dax-Unternehmen erzielte 2012 mit Erbitux Erlöse von 887 Millionen Euro. Sowohl Erbitux als auch Avastin werden in Kombination mit einer Chemotherapie zur Erstbehandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs eingesetzt.
Den Studienergebnissen zufolge konnte Erbitux im Vergleich mit Avastin das Leben der Patienten um fast vier Monate verlängern. "Knapp vier Monate Überlebensgewinn sind ein sehr deutlicher Schritt", sagte Volker Heinemann, der das Krebszentrums des Klinikums an der Ludwig-Maximilians-Universität in München leitet, zu Reuters. Heinemann war Studienleiter des Vergleichstests (FIRE 3), in dem beide Behandlungen das weitere Voranschreiten der Krankheit jeweils im Mittel um rund zehn Monate hinauszögern konnten. Jedoch lebten die Patienten länger, die Erbitux erhielten - im Mittel lebten sie noch 28,7 Monate. Bei Patienten, die Avastin bekamen, waren es lediglich 25,0 Monate.
An der Studie nahmen 592 Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs teil, deren Tumor dem so genannten Kras-Wild-Typ entsprach. Das sind rund 60 Prozent aller Patienten, die an fortgeschrittenem Darmkrebs leiden. Sie erhielten in der Studie entweder eine Chemotherapie plus Erbitux oder eine Chemotherapie plus Avastin. Der Medikamententest wurde von der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft mit angestoßen und von Merck finanziert.

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Die Ergebnisse könnten nun dazu führen, dass künftig mehr Ärzte Erbitux als Erstbehandlung solchen Patienten verschreiben, deren Tumor dem Kras-Wild-Typ entspricht. Merck wollte sich dazu nicht äußern. Der Darmstädter Konzern besitzt die Rechte an Erbitux außerhalb der USA und Kanada. In Nordamerika liegen sie bei den US-Pharmafirmen Eli Lilly und Bristol-Myers Squibb. Aktuell läuft noch eine weitere große amerikanische Studie, die Avastin und Erbitux direkt vergleicht. Die Ergebnisse dieses Tests werden im nächsten Jahr erwartet. Das Roche-Mittel Avastin ist ein Blockbuster - so werden in der Brache Präparate mit Umsätzen jenseits der Milliardenschwelle bezeichnet. Roche setzte mit Avastin 2012 weltweit rund 5,76 Milliarden Franken um.

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