Ernährung: Der Lachs soll zum Vegetarier werden

Ernährung: Der Lachs soll zum Vegetarier werden

, aktualisiert 08. März 2017, 13:10 Uhr
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Der beliebteste Fisch der Deutschen.

von Maike FreundQuelle:Handelsblatt Online

Die Deutschen lieben ihren Lachs. Doch das Angebot ist begrenzt, weil die Zucht nicht nachhaltig gelingt. Die Chemiekonzerne Evonik und DSM haben eine Lösung gefunden – sie machen den Lachs zum Vegetarier.

EssenDie Deutschen lieben Lachs. Nach Angaben der Nürnberger Gesellschaft für Konsum ist er hierzulande der meistverkaufte Fisch. Rund 14,4 Kilogramm Fangfisch pro Kopf verzehrten die Deutschen 2016 insgesamt - davon waren rund 20 Prozent Lachs.

Weltweit liegt der durchschnittliche Fisch-Verzehr pro Kopf laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 20 Kilogramm. Auch hier ist der Lachs besonders beliebt. Die WHO empfiehlt sogar, wöchentlich ein bis zwei Portionen Fisch pro Person zu verzehren. Den Handel freut das. Genauso wie die Fischfutterproduzenten oder die Fischfarmen. Wäre da nicht das Problem mit dem Fischöl, genauer gesagt: mit den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.

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Denn die brauchen Menschen, Tiere und auch der Lachs für die Ernährung. Um Lachse in der Zucht ausreichend Omega-3-Fettsäuren zuzuführen, werden sie mit Fischöl gefüttert. Rund 2,72 Millionen Tonnen des jährlich gefangenen Wildfisches wird für die Produktion von Fischmehl oder Fischöl eingesetzt. Anders gesagt: 2,6 Kilogramm Wildfisch werden benötigt, um ein Kilo Lachs zu züchten. Viel zu viel, bemängeln auch Umweltorganisationen. Nichts zuletzt begrenzt die Überfischung der Meere das Wachstum.

An dieser Stelle setzt nun eine gemeinsame Erfindung der Chemiekonzerne Evonik aus Essen und DSM aus den Niederlanden an. Sie haben gemeinsam Patente entwickelt, Omega-3-Fettsäuren, die es eigentlich so nur in Fischen gibt, auf Basis einer Alge herzustellen. Eine Weltneuheit, die die Fischzucht revolutionieren könnte. Denn die Erfindung ist so effektiv, dass in Zukunft Fisch nicht mehr an Fisch verfüttert werden muss. Auch der Tierfuttermarkt könnte profitieren.

Und so funktioniert die Herstellung der fischlosen Omega-3-Fettsäuren: Algen werden mit Zucker – bevorzugt aus Mais – angereichert und brauchen nur ein paar Tage, bis sie geerntet werden und aus ihnen ein Algenöl gewonnen werden kann. Das wiederum ist ein hundertprozentiger Ersatz für das bisherige Fischöl, denn es enthält die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.


Frei von Schwermetallen und Antibiotika

Das Algenöl ist nicht nur reiner, weil es ohne mögliche zurückbleibende Schwermetalle oder Antibiotika in den Fischen hergestellt wird. Es ist auch effektiver, weil das Algenöl die doppelte Menge an Omega-3-Fettsäuren enthält wie herkömmliches Fischöl. Künftig soll die Alge 15 Prozent des derzeitigen jährlichen Bedarfs für Kulturlachs decken – zunächst. „Mit unserem Algenöl machen wir den Lachs sozusagen zum Vegetarier“, sagt Reiner Beste, Leiter der Ernährungssparte von Evonik.

Gemeinsam mit DSM hat der deutsche Chemiekonzern dazu ein Joint-Venture unter dem Namen Veramaris gegründet. Eine Anlage zur Produktion wird in den kommenden Monaten in den USA entstehen, über den genauen Standort wird noch verhandelt. 2019 soll die Anlage in Betrieb gehen. Das Ziel ist es, mit der Alge „einen neuen Standard für eine verbesserte Nachhaltigkeit in der Aquakultur zu setzen“, sagt Beste.

Das fischlose Öl aus Alge ist zwar etwas teurer in der Herstellung – wie teuer, das will Evonik nicht sagen – dafür ist es aber nachhaltig. Von verschiedenen Unternehmen. vom Futterproduzenten über den Lachszüchter bis hin zum Lebensmittelhandel, habe es positive Rückmeldung gegeben - auch in Bezug auf den moderaten Kosteneffekt, sagt Beste. Kunden würden vermehrt nachhaltige Produkte nachfragen.

Hinzu kommt: Auch Fischöl wird immer teurer. Die Kosten für eine Tonne Fischöl liegt zurzeit bei 2000 bis 2500 Dollar. 2005 lag der Preis noch bei 500 Dollar. Das liegt an den Fischfangquoten, der erhöhten Nachfrage nach Lachs und dem begrenzenden Angebot. „So gesehen hat das Premium-Produkt Lachs so oder so mit steigenden Kosten zu rechnen“, sagt Beste.

Das Nachsehen könnte beim Einsatz der Alge als Fischölersatz die Fischerei-Industrie haben. Denn die Wildfische werden beim Einsatz der Alge nicht mehr benötigt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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