Esa-Chef Jan Wörner: "In Trumps Amtszeit wird niemand zum Mars fliegen"

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InterviewEsa-Chef Jan Wörner: "In Trumps Amtszeit wird niemand zum Mars fliegen"

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Johann-Dietrich "Jan" Wörner ist seit Juli 2015 Generaldirektor bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

von Andreas Menn

Jan Wörner, Chef der Europäischen Weltraumorganisation Esa, erklärt, warum er die Mars-Träume des US-Präsidenten für unrealistisch hält, wie ein Dorf auf dem Mond entstehen soll und warum Astronauten bald schon wieder dorthin aufbrechen.

Herr Wörner, Sie möchten ein Dorf auf dem Mond errichten. Wie soll das funktionieren?
Jan Wörner: Bevor es Missverständnisse gibt: Es geht nicht darum, auf dem Mond Einfamilienhäuser zu bauen, ein Gemeinschaftshaus und eine Bar. Sondern eine Mondstation, in der verschiedene internationale Akteure kooperieren, seien sie privat oder öffentlich. Jeder bringt seine Kompetenzen ein, ob das Roboter sind, Telekommunikation, Navigation oder Astronauten. Die Laufzeit der Internationalen Raumstation ISS ist begrenzt, darum geht es jetzt darum, ein längerfristiges gemeinsames Konzept aufzustellen.

Zur Person

  • Jan Wörner

    Jan Wörner (62) ist seit Juli 2015 Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Der gebürtige Kasseler ist damit der wichtigste Manager der europäischen Raumfahrt. Die Esa betreibt unter anderem die Trägerrakete Ariane, das Navigationssystem Galileo, die bemannte Raumfahrt auf der Raumstation ISS, das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus und wissenschaftliche Missionen, etwa  zu Kometen, zum Mars und zum Merkur.

Was macht den Mond als Standort für eine Raumstation so interessant?
Der Mond ist noch relativ wenig untersucht im Vergleich etwa zum Mars. Auf seiner Rückseite können Sie Teleskope errichten und ungestört von irdischer Strahlung ins Weltall spähen. Es gibt schon Firmen, die Frachtflüge zum Mond anbieten möchten, damit etwa Universitäten dort Wissenschaft betreiben können. Auch Mondtourismus kann ich mir vorstellen. Und es gibt Unternehmen, die Ressourcen auf dem Mond abbauen möchten.

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Wann könnte es denn losgehen?
Als ich die Idee vor eineinhalb Jahren vorgestellt habe, dachte ich noch, dass ihre Umsetzung erst 2024, nach dem Ende der ISS, losgeht. Mittlerweile stelle ich fest, dass die Begeisterung für die Idee sich viel schneller entwickelt. Es gibt eine amerikanische Firma, die nächstes Jahr zum Mond fliegen will. Auch die Chinesen haben einen langfristigen Plan zur Erkundung des Mondes entwickelt und sind auf uns zugekommen, weil sie mit uns kooperieren möchten.

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Noch gibt es keine finanziellen Mittel für das Projekt. Fehlt es der Politik in Europa an Visionen?
Das Ziel ist nicht, dass die Esa allein eine Siedlung auf dem Mond errichtet. Das Monddorf ist ein Konzept, das durch verschiedene Akteure gemeinsam realisiert werden kann - private Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, Raumfahrtagenturen. Wir bei der Esa haben schon zwei Projekte für den Mond: Zusammen mit der russischen Raumfahrtorganisation planen wir eine Mission namens Lunar-Resource. Und mit der Nasa sind wir im Gespräch, Astronauten zum Mond zu fliegen.

US-Präsident Donald Trump will weiter hinaus: Gerade hat er im Gespräch mit Astronauten von einer Reise zum Mars gesprochen, die er am liebsten in seiner Amtszeit realisiert sähe. Wäre die Esa bei so einem Projekt dabei?
Zum Mars zu fliegen, ist allein schon deshalb schwierig in seiner Amtszeit, weil Amtszeiten relativ kurz sind und ein Flug dorthin und zurück zwei Jahre dauert. Außerdem brauchen Sie noch einigen Vorlauf. Trump hat auch gesagt, die Mission ließe sich vielleicht während seiner zweiten Amtszeit durchführen. Ich will niemandem, der Optimist ist und sagt, das klappt in den nächsten fünf Jahren, den Mut nehmen. Aber realistisch gesehen wird es wesentlich länger dauern, bis die ersten Astronauten zum Mars fliegen.

Galaktische Geschäfte: Die wichtigsten Gewerbe im All

  • Kommunikation

    Satelliten liefern Telefon-, Internet-, Fernsehsignale. Anbieter: Intelsat, Eutelsat (Old Space); OneWeb (NewSpace). Umsatz 2016: 125,6 Mrd. Dollar.

  • Erdbeobachtung

    Mehr als 300 Satelliten erfassen Pflanzenwachstum, Wellen oder Schiffsbewegungen. Anbieter: Digital Globe, Planet, Spire. Umsatz 2016: 1,8 Mrd. Dollar.

  • Trägerraketen

    90 Raketen starten pro Jahr, 2020 schon doppelt so viele. Anbieter: Arianespace, ULA, Orbital ATK (Old Space); SpaceX, Blue Origin, Rocket Lab (NewSpace). Umsatz 2016: ca. 15 Mrd. Dollar.

  • Raumfahrzeuge

    Bis 2024 stehen 80 Flüge an, vor allem zur Internationalen Raumstation. Anbieter: Roscosmos, SpaceX, Boeing, Orbital ATK. Nasa-Budget 2016: 2,85 Mrd. Dollar.

  • Navigation

    Satelliten führen Autofahrer oder Drohnen zum Ziel. Anbieter: USA (GPS), Russland (Glonass), EU (Galileo), China (Beidou). Umsatz 2015: 78,1 Mrd. Dollar.

  • Weltraumtourismus

    2018 fliegt Blue Origin an den Rand des Alls, SpaceX rund um den Mond. Anbieter: Blue Origin, Virgin Galactic, SpaceX. Umsatz: ab 250 000 Dollar/Passagier.

Warum das?
Viele sagen, wir sind 1969 zum Mond geflogen, da werden wir ja wohl 2017 zum Mars fliegen können. Aber zum Mond zu fliegen, hin und zurück, dauert eine Woche, das kann man in den Sommerferien machen. Wenn nach zwei Tagen eine Panne passiert, ruft man in Houston an und fliegt einmal um den Mond und, angezogen von ihrer Schwerkraft, zurück zu Erde. Wenn man dagegen auf dem Weg zum Mars ist und es passiert nach zwei Tagen etwas, dann muss man zwei Jahre aushalten. Mit Menschen zum Mars zu fliegen ist eine sehr große Herausforderung, die weitestgehend unterschätzt wird.

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