Flugpionier Piccard: Mit Sonnenkraft um die Welt

Flugpionier Piccard: Mit Sonnenkraft um die Welt

, aktualisiert 02. November 2011, 15:13 Uhr
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Einen Prototyp gibt es schon für den Solarflieger. Im Jahr 2014 will der Schweizer Bertrand Piccard mit einem neuen Modell die Grenzen der Physik ausreizen.

von Markus FasseQuelle:Handelsblatt Online

Einmal um die Welt - und das nur mithilfe der Sonne. Schon in drei Jahren will der Technik-Visionär Bertrand Piccard das mit einem neuen Solarflieger schaffen. Dafür wirbt er auch um deutsche Partner.

MünchenDer Plan ist gewagt: Mit einem wackeligen Solarflugzeug will Bertrand Piccard einmal um die Welt fliegen. Schon in drei Jahren soll es so weit sein.

Fast 100 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 82 Millionen Euro) hat der Luftfahrtpionier in der europäischen Wirtschaft bereits eingesammelt. Unter den Förderern finden sich Namen von Rang: Neben dem Chemiekonzern Bayer ist auch die Deutsche Bank bei Solar Impulse an Bord. Doch Piccard will mehr. „Wir hätten gerne weitere Partner aus Deutschland, Unternehmen wie Siemens oder Bosch“, sagt der 53-Jährige im Interview mit dem Handelsblatt. „Wir haben doch dasselbe Thema: den effizienten Umgang mit Energie.“

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Der Schweizer ist auf Werbetour in eigener Sache unterwegs. Der Mann, dem 1999 der spektakuläre Flug mit einem Ballon rund um den Globus gelang, will nun mit einem Solarflugzeug dieses Husarenstück wiederholen. „Mit Solar Impulse suchen wir die größtmögliche Herausforderung. Ein Flugzeug, das Tag und Nacht ohne Treibstoff fliegt, zeigt, dass Unmögliches möglich werden kann.“

Piccard bietet den Unternehmen Sponsorpartnerschaften an

Die Energiewende in Deutschland kommt dem studierten Psychiater gerade recht. Er bietet den Unternehmen Sponsorpartnerschaften: Sie steuern neben Geld auch Technologie bei und können mit dem Projekt für sich werben.

80 Mitarbeiter beschäftigt Piccard in Lausanne direkt, hinzu kommen noch einmal 170 Berater und Partner in ganz Europa. Seit 2009 fliegt ein Prototyp. 2014 soll mit einem geplanten zweiten Flieger die Weltumrundung in Angriff genommen werden. Der französische Ingenieurdienstleister Altran unterstützt die Planung, Bayer liefert Hochleistungsfolien und Nanotechnologie. „Wir suchen nicht verzweifelt Geld, deshalb sind wir sehr wählerisch mit unseren Partnern“, sagt Piccard.


Airbus und Boeing denken über elektrische Antriebe nach

Solar Impulse soll ein Symbol sein, weniger ein Muster für eine neue Flugzeuggeneration. Piccard geht schließlich an die Grenzen der Physik. Schon der Prototyp zeigt die enormen Herausforderungen: Der Flieger hat die Flügelspannweite eines Jumbojets, wiegt aber kaum mehr als ein VW Golf. Fast 12000 Solarzellen sorgen für den elektrischen Antrieb, der dank ultraleichter Batterien auch nachts funktioniert. 40 PS leisten die Elektromotoren – kaum mehr als ein Motorroller. Mit maximal 70 Stundenkilometern werden Piccard und sein Kopilot André Borschberg daher um die Welt tuckern.

Dennoch handelt es sich bei Solar Impulse nicht nur um eine technische Spielerei. Denn die scharfen Klimavorgaben der EU zwingen auch die Flugzeugbauer zum Umdenken. Bereits jetzt sondieren die Ingenieure bei Airbus und Boeing kommende Flugzeuggenerationen danach, sie zumindest teilweise elektrisch zu betreiben. Der Strom für die Antriebe soll allerdings nicht über Solarzellen auf den Flügeln eingefangen werden, sondern in Superbatterien mitgeführt werden.

Piloten müssen tagelang bei schwierigen Bedingungen aushalten

Das von EADS und MTU finanzierte Münchener Forschungsinstitut „Bauhaus Luftfahrt“ erforscht zudem die Möglichkeit von vollelektrischen Antrieben. Das Ergebnis: Schon in wenigen Jahren sind Kurzstreckenflugzeuge mit Elektromotoren möglich.

Solar Impulse will mit den Solarzellen auf den Flügeln schon während des Fluges einen Energieüberschuss produzieren. Piccard setzt auf spektakuläre Demonstrationen: Im Juli flog der Solar-Impulse-Prototyp von Lausanne über Brüssel nach Paris, wo sich Piccard in Le Bourget als Star auf der größten Luftfahrtmesse der Welt feiern ließ. Im vergangenen Jahr gelang zudem der erste Nachtflug – eine wichtige Voraussetzung für das Projekt Weltumrundung.

Für die Piloten wird der Flug um die Welt schließlich ein Höllenritt. Tagelang werden die beiden Flieger in ihrer engen Kabine hocken, in der Wasser, ein bisschen Trockennahrung, aber aus Gewichtsgründen keine Heizung Platz finden wird. „Das Wetter wird eine Riesenherausforderung“, sagt der Flugpionier. „Der Rumpf würde zwar niemals auseinanderbrechen, aber das Flugzeug ist sehr anfällig für Turbulenzen“, sagt Piccard. Maximal fünf Zwischenlandungen wollen sich die Pioniere erlauben.

Für den Visionär ist die zu erwartende Show ein Mittel zum Zweck. „Mit diesem Projekt wollen wir die Aufmerksamkeit auf saubere Energiegewinnung lenken“, sagt der Schweizer. „Wenn wir einfach nur ein weiteres Elektroauto gebaut hätten, würde das doch niemanden interessieren.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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