Forschung oder Qual?: Wie Wissenschaftler um Tierversuche streiten

Forschung oder Qual?: Wie Wissenschaftler um Tierversuche streiten

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Affe im Käfig: Trotz heftiger Kritik wird in deutschen Laboren an Tieren geforscht.

Am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik hat sich ein Streit um Tierversuche entzündet. Jetzt wollen die Forscher ihre Arbeit erklären. Ein Besuch im Labor.

Johanns Augen werden immer kleiner. Langsam schieben sich die Lider des Äffchens wie Rollläden über seine Pupillen. Das Versuchstier sitzt in einem Primatenstuhl - einem verriegelten Plexiglas-Kasten, aus dem nur sein Kopf schaut.

Sobald auf dem Bildschirm vor ihm ein grüner Punkt aufblitzt, soll Johann einen Hebel loslassen. Tut er das im richtigen Moment, kommen ein paar Tropfen Flüssigkeit aus dem Schlauch vor seinen Lippen. Johann ist alleine in dem dunklen Raum, kann sich fast nicht bewegen, stundenlang. Was wohl in seinem Kopf vorgeht?

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„Johann hat heute keinen Bock“, sagt ein Laborant, der auf einem Computer im Nebenraum die müden Affenaugen beobachtet. Was in Johanns Kopf vorgeht, sollen ihm die farbigen gezackten Linien verraten, die hastig über den Monitor flimmern, auf- und abstürzen wie Aktienkurse. „Mit diesen Versuchen wollen wir verstehen, wie die Informationsverarbeitung im Gehirn funktioniert“, sagt der Forscher.

Doch Johann schläft ein. „Da kann man nichts machen, ich bin auf seine Kooperation angewiesen“, sagt der Doktorand. Seinen Namen will er lieber nicht in der Zeitung lesen - auch seine Kollegen in den Laboren nicht. Sie stecken alle in Kitteln und Kopfhauben, tragen Handschuhe und Mundschutz.

Hausbesuch im Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Wie unter einem Brennglas hat sich an dieser Forschungseinrichtung der Streit um Tierversuche entzündet. Kern der emotionalen Debatte: Dürfen Menschen Tieren im Namen der Wissenschaft Leid zumuten? Grundlagenforscher halten Tierversuche für unverzichtbar, Tierschützer für grausam und sinnlos.

Fakt ist: Trotz heftiger Kritik wird in deutschen Laboren an Tieren geforscht. Nach Angaben des Bundesagrarministeriums wurden 2014 rund zwei Millionen Wirbeltiere und sogenannte Kopffüßer für Tierversuche verwendet. „Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft kann auf Tierversuche - trotz des vermehrten Einsatzes von Alternativmethoden - nicht vollständig verzichtet werden“, sagt Ministeriumssprecherin Jennifer Reinhard.

Doch wenn es Tierschützern gelingt, heimlich in den Versuchslaboren zu filmen, schockieren die Bilder oft Millionen Menschen und Rufe nach einer tierfreien Forschung werden laut.

So war es auch in Tübingen, als sich im Herbst 2014 ein Tierschützer als Pfleger in das Institut eingeschleust und heimlich mit versteckter Kamera Bilder gemacht hatte. Die Aufnahmen zeigen Affen mit Gehirn-Implantaten, eines der Tiere hat einen blutverschmierten Kopf, einem anderen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Tierschützer riefen zu Demonstrationen und Mahnwachen gegen das Institut auf.

Alternative zu Tierversuchen So wenig Leid wie möglich

Am besten vermeiden - und wo das nicht geht, wenigstens das Leid verringern: In Konstanz erforscht ein Wissenschaftler Alternativen zu Tierversuchen.

Die Labormaus ist resistent gegen Gelenkverschleiß - und damit der lebende Beweis für eine neue Erkenntnis der Arthroseforschung. Quelle: dpa

Die Aktivisten prangern auch an, dass ein „Geheimnisschleier“ über den Tierversuchs-Laboren liege. Instituts-Pressesprecherin Christina Bornschein schüttelt den Kopf. Das Institut gewähre bereits seit mehreren Jahren offen Einblicke, betont sie. Transparenz sei sogar enorm wichtig.

Rundgang in der Primatenhaltung. Die Affen in den Gehegen übergeben sich heute nicht, kauern weder apathisch in der Ecke, noch haben sie blutüberströmte Köpfe. Manche Tiere sehen müde und erschöpft aus, wirken schreckhaft, machen Drohgebärden. Andere sind neugieriger, springen von Seil zu Seil, klettern auf den Holzbäumen und Autoreifen in den Gehegen herum oder lausen sich in aus Feuerwehrschläuchen gebastelten Hängematten.

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