Fragen Rekordannäherung: Wie nah kommt Asteroid „2012 DA14 an die Erde“?

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Fragen Rekordannäherung: Wie nah kommt Asteroid „2012 DA14 an die Erde“?

Rasant nähert sich der Asteroid „2012 DA14“ derzeit dem blauen Planeten. Er wird die Erde am Freitag so knapp wie noch nie ein anderer Himmelskörper dieser Größe verpassen. Was uns erwartet.

Einen Zusammenprall schließen Experten aus. Für Satelliten besteht dagegen eine - wenn auch extrem geringe - Gefahr. Wissenschaftler erhoffen sich von der Rekordannäherung vor allem, dass sie ihnen wertvolle neue Forschungsdaten über Asteroiden liefert.

Das Wichtigste zuerst: Wird „2012 DA14“ die Erde wirklich nicht treffen?
Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa sagen dazu ganz klar: Nein. „Wir können sicher sagen, dass er nicht näher als 27 500 Kilometer an die Erde herankommen und sie nicht berühren wird“, hat beispielsweise Nasa-Manager Donald Yeomans erklärt.

Besteht denn sonst irgendeine Gefahr?
Möglicherweise für Satelliten, sagen die Experten. Der Asteroid fliegt nämlich so nah an der Erde vorbei, dass er auch die Bahn zahlreicher Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten kreuzen wird. Eine Kollision mit einem Satelliten sei allerdings „extrem unwahrscheinlich“, sagte Yeomans. Vorsichtshalber arbeitet die Nasa aber trotzdem mit Satellitenbetreibern zusammen und informiert sie über die berechnete Flugbahn von „2012 DA14“.

Gefahr aus dem All Forscher wollen Asteroiden-Einschläge verhindern

Der Meteoriten-Schauer in Russland hat viele Menschen verletzt. Mitarbeiter des Raumfahrtunternehmens Astrium untersuchen am Bodensee, wie man Asteroiden-Einschläge auf die Erde verhindern kann.

Noah Saks, Leiter des Projektes „Neoshield“, bei der Arbeit. Quelle: dpa


Woher wissen die Forscher das alles so genau?
Weil sie den Asteroiden und seine Umlaufbahn seit fast einem Jahr analysieren. Am 23. Februar 2012 ist „2012 DA14“ von Forschern in einem Observatorium im spanischen Andalusien entdeckt worden. Damals war er noch mehr als vier Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Wie jede solche Beobachtung wurde auch diese dann an das Nasa-Beobachtungsprogramm für erdnahe Objekte in Kalifornien gemeldet. Die Wissenschaftler dort haben inzwischen rund 15 Jahre Erfahrung mit der Erforschung von Asteroiden und haben „2012 DA14“ seit dem Tag seiner Entdeckung auf das Genaueste beobachtet.

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Verwüstung durch Meteoriten auf der Erde

  • Barringer, Arizona

    Vor etwa 50.000 Jahren traf ein Meteorit mit einem Durchmesser von 45 Metern und einem Gewicht von 270.000 Tonnen auf die Erde. Beim Aufprall im Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Arizona war er 72.000 Kilometer in der Stunde schnell und riss ein mehr als 170 Meter tiefes Loch. Der nahezu kreisrund Barringer-Krater mit einem Durchmesser von 1600 Metern wurde nach dem amerikanischen Bergbauingenieur Daniel Barringer benannt, der ihn im Jahr 1902 als erster erforschte. Wissenschaftler fanden dort einige kleine Stücke des Himmelskörpers aus Nickel und Eisen, der Hauptteil des Meteoriten verdampfte.

  • Chicxulub, Mexiko

    Der Einschlag des Meteoriten an der Nordküste der mexikanischen Halbinsel Yucatán soll vor etwa 65 Millionen Jahren das Aussterben der Dinosaurier verursacht haben. Die dabei freigesetzte Einschlagenergie entsprach nach Angaben des Deutschen Geoforschungs-Instituts in Potsdam mehr als dem Zehntausendfachen des gesamten Weltarsenals an Atomwaffen und setzte riesige Mengen an Staub und Gas frei. Der Meteorit mit einem Durchmesser von mehr als zehn Kilometern traf die Erde mit etwa 90.000 Kilometern in der Stunde. Der Krater war bei einem Durchmesser von etwa 180 Kilometern bis zu 900 Meter tief. Etwa die Hälfte des Kraterrings ist unter der Meeresoberfläche des Golfs von Mexiko verborgen, auf dem Festland liegt er unter einer dicken Sedimentschicht.

  • Nördlinger Ries, Deutschland

    Das nordschwäbische Ries ist ein fast kreisrunder Kessel mit einem Durchmesser von etwa 25 Kilometern. Der Riesenkrater entstand vor etwa 14,5 Millionen Jahren, als ein fast ein Kilometer großer Steinmeteorit mit einer Geschwindigkeit von geschätzten 70.000 Stundenkilometern nahe der heutigen Stadt Nördlingen (Bayern) auf die Erdoberfläche prallte. Er drang 1000 Meter tief in die Erdkruste ein. In der Gluthitze des Aufpralls verdampfte der Meteorit. Die Wucht des Einschlags bewegte nach Forschungen über 150 Kubikkilometer Gestein. Das kosmische Geschoss soll die Zerstörungskraft von 250.000 Hiroshima-Bomben gehabt haben.

  • Tunguska, Russland

    Größere Verwüstungen richtete ein Meteorit wahrscheinlich zuletzt im Juni 1908 in Sibirien an. Eine gigantische Druckwelle raste durch die bewaldete Einöde am Flüsschen Steinige Tunguska und knickte auf 2000 Quadratkilometern Bäume wie Streichhölzer um. In dem dünn besiedelten Waldgebiet kam nach offiziellen Angaben niemand ums Leben. Der auf bis zu 40 Meter Größe geschätzte Brocken - vermutlich aus Stein und Eis - erhitzte sich so stark, dass er sich vor dem Aufschlag nach Meinung vieler Forscher vollständig auflöste. Es ist noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt, dass die Verwüstung wirklich durch einen Meteoriten entstanden ist.

  • Vredefort, Südafrika

    Als größter noch sichtbarer Einschlagkrater der Welt gilt Vredefort nahe der südafrikanischen Millionenstadt Johannesburg. Vor gut zwei Milliarden Jahren traf dort ein schätzungsweise 150.000 Kilometer pro Stunde schneller Meteorit mit einem Durchmesser von zehn Kilometern die Erde. Er drang etwa 17 Kilometer tief in die Erdkruste ein. Der Durchmesser des Kraters wird auf rund 100 Kilometer geschätzt. Im Laufe der Jahrmillionen zerstörte die Erosion große Teile des gigantischen Lochs.


Ist es denn wirklich so selten, dass ein Asteroid so nah an der Erde vorbeifliegt?
Das kommt auf die Größe des Asteroiden an. Kleinere Himmelskörper fliegen ständig noch viel näher an die Erde heran - nach Nasa-Schätzungen insgesamt bis zu 100 Tonnen Material pro Tag. Aber einer von der Größe von „2012 DA14“ kommt statistisch gesehen nur alle 40 Jahre so nah und trifft die Erde - ebenfalls statistisch gesehen - nur einmal alle 1200 Jahre.

Nasa warnt Asteroiden-Begegnung gefährdet Satelliten

Ein großer Asteroid wird Ende kommender Woche nah an der Erde vorbeirasen. Zum Zusammenstoß wird es Nasa-Berechnungen zufolge wohl nicht kommen. Ein Zusammenprall mit einem Satelliten im Erdorbit ist dagegen möglich.

Der kosmische Brocken wird sich der Erde bis auf 28.000 Kilometer nähern. Quelle: ap


Was haben die Forscher denn noch alles über den Asteroiden herausgefunden?
Die Nasa sagt voraus, dass die Rekordannäherung am Freitag um 20.25 Uhr deutscher Zeit stattfinden wird. Am nächsten kommt der Asteroid der Erde über der zu Indonesien gehörenden Insel Sumatra im östlichen Indischen Ozean. „2012 DA14“ hat nach jüngsten Berechnungen der Europäischen Weltraumagentur Esa einen Durchmesser von 65 Metern und eine Masse von etwa 400 000 Tonnen. An der Erde wird er mit rasanten etwa acht Kilometern pro Sekunde vorbeifliegen. All diese Zahlen sind jedoch noch nicht ganz fix, denn je näher der Asteroid der Erde kommt, desto mehr und desto genauere Beobachtungen können die Forscher machen. Die Daten könnten sich bis zum Vorbeiflug also noch leicht verändern, sagt Nasa-Sprecher Dwayne Brown. „Erst danach haben wir die exakten Daten.“

Und was haben die Forscher noch nicht herausgefunden?
Ebenfalls eine ganze Menge. Sie wissen zum Beispiel nicht, woraus der Asteroid besteht. Aber gerade deswegen kommt ihnen der Vorbeiflug ja auch so gelegen - er liefert nämlich unendlich viele wertvolle Daten. Ein Forscherteam beschäftigt sich beispielsweise ausschließlich mit der Drehung. Mit neuster Technik wollen die Wissenschaftler herausfinden, in welche Richtung „2012 DA14“ wirbelt.


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Kann der Vorbeiflug beobachtet werden?
Ja in Europa, Asien und Australien - vorausgesetzt man befindet sich währenddessen gerade unter klarem Nachthimmel und hat ein sehr gutes Fernglas. Dann ist „2012 DA14“ als kleiner Punkt zu erkennen, der von Süden nach Norden zieht.

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