Fragwürdige Diagnosen und Therapien: Das dubiose Geschäft mit dem Vergessen

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Fragwürdige Diagnosen und Therapien: Das dubiose Geschäft mit dem Vergessen

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Kaffeesatzleserei - Hirnuntersuchungen liefern keine Aussage über Alzheimer.

Wenig fürchten die Deutschen so sehr wie Alzheimer. Mediziner versprechen nun Abhilfe durch neuartige Verfahren zur Früherkennung und Therapie. Dahinter stecken oft höchst fragwürdige Angebote – im Schatten renommierter Unikliniken.

Auf dem Papier ist Christoph Bamberger über jeden Zweifel erhaben. Seit 2006 ist der Internist Geschäftsführer und Direktor des Medizinischen PräventionsCentrums Hamburg (MPCH) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der selbst ernannte Anti-Aging-Professor zählt nach eigenen Angaben zu den „angesehensten Ärzten auf dem Gebiet der Präventivmedizin“ – und das MPCH zu den führenden präventivmedizinischen Einrichtungen Deutschlands.

Wer sich hier untersuchen lässt, soll sich wohlfühlen wie im Luxushotel: Am weißen Empfangstresen nimmt eine – Kundenmanagerin genannte – Sprechstundenhilfe den Diagnosewilligen in Empfang und bringt ihn auf sein Zimmer. Dort kann er sich zwischen den Untersuchungen entspannen und dabei fernsehen oder im Internet surfen.

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"Mit diesem Verfahren kann die Entwicklung einer Demenz in den nächsten fünf Jahren mit einer über 90-prozentigen Sicherheit ausgeschlossen werden." MPCH-Chef Bamberger

Nicht nur das. Glaubt man Bamberger, gehört sein Diagnostikzentrum neuerdings zur Speerspitze der deutschen Alzheimer-Medizin. Denn er bietet ein neuartiges Verfahren zur Früherkennung von Alzheimer an. Das Verfahren mit dem hochtrabenden Namen Braincheck Precision plus setzt auf die Kernspintomografie (auch Magnetresonanztomografie, kurz MRT genannt). Es sei höchst zuverlässig, schwärmt Bamberger.

Mithilfe dieser Hirnbilder könne „die Entwicklung einer Demenz in den nächsten fünf Jahren mit einer über 90-prozentigen Sicherheit ausgeschlossen werden“, wirbt er. Das schaffe Klarheit. Komme es doch zu einem positiven Befund, so ein weiteres Versprechen, würden durch die frühe Diagnose wichtige Jahre für Therapien gewonnen, die den Krankheitsverlauf verzögern können.

Klingt gut, könnte man denken. Auch die Kosten der Untersuchung – laut Bamberger 1169,47 Euro – liegen etwa gleichauf mit einer großen Inspektion bei einem Mercedes oder Porsche. Warum also am falschen Ende sparen? Schließlich geht es ums höchste Gut, die eigene Gesundheit.

Der Haken: Mit der Wahrheit haben die schönen Versprechen wenig zu tun. Denn in Wirklichkeit gibt es bis heute keine Methode, mit der sich Alzheimer nachweisen lässt, geschweige denn eine Therapie, mit der man dem Leiden vorbeugen könnte.

Geschäft mit der Angst

Dennoch ist die Hamburger Hirnuntersuchung keineswegs eine dreiste Ausnahme in einer seit Jahren boomenden Diagnostikwelt. Vielmehr macht inzwischen eine ganze Branche Kasse mit der Angst vor dem Vergessen. Beteiligt daran: Ärzte, Forscher, Unternehmen und Universitäten. Sie alle locken Menschen mit angeblich sicheren Nachweisverfahren – und verkaufen den Besorgten häufig nur heiße Luft.

Dabei bietet jeder an, was er gerade hat: mal einen simplen Bluttest, der Aufschluss über die Vorboten der Krankheit geben soll. Mal sind es Proteine in der Rückenmarksflüssigkeit. Oder ein Gentest. Die Zunft der Radiologen wirbt für bildgebende Verfahren, wie Kernspin oder PET/CT – eine Kombination aus Positronen-Emissions- und Computertomografie. Selbst einen Geruchstest priesen Ärzte schon an, der Demenz frühzeitig aufdecken sollte: Wer Erdnüsse von Seife unterscheiden könne, so die Erfinder, habe gute Chancen, nicht an Alzheimer zu erkranken.

Früherkennung Narrenfreiheit bei der Diagnose

Anders als Arzneimittel werden Vorsorgemethoden nie geprüft, ob sie den Patienten auch nutzen.

Vorsorgemethoden unterstehen keiner staatlich geregelten Prüfung - Ein Missstand, meint IQWiG-Chef Windeler Quelle: dpa

Strafbar machen sich die Anbieter fragwürdiger Tests nicht. Bislang hindert niemand Mediziner daran, unsinnige und fragwürdige Tests in ihren Praxen und Kliniken zu verkaufen.

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