Braucht Wissenschaft mehr Wettbewerb?

kolumneFreytags-Frage: Braucht Wissenschaft mehr Wettbewerb?

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Kolumne von Andreas Freytag

Eine Koalition aus Wirtschaft und Wissenschaft fordert mehr Ausgaben für die Forschung. Dabei bräuchte es nicht bloß Geld, sondern auch einen gesunden Wettbewerb zwischen den Forschern.

Die neue Bundesregierung ist noch gar nicht gebildet, da hat eine bereits bestehende Koalition aus Wirtschaft und Wissenschaft schon eine Stellungnahme abgegeben, in der sie die Politik auffordert, Wissenschaft und Wirtschaft als Fundament unserer Zukunft zu stärken.

In der Stellungnahme der größten Wirtschaftsverbände und Wissenschaftsorganisationen geht es um die weitere Steigerung der Forschungsausgaben. Das frische Geld soll zum Beispiel für die bessere steuerliche Förderung der forschenden Unternehmen genutzt werden, ohne dabei die Projektförderung einzustellen. Zweitens geht es um die Fortsetzung der Wissenschaftspakte und die Förderung von Spitzenforschung, drittens um den Ausbau technologieoffener Förderprogramme für den Mittelstand. Der vierte Punkt beschreibt die Nutzung neuer Instrumente des Technologie- und Wissenstransfers; den Abschluss bildet die Stärkung der tertiären Ausbildung.

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Die Wirtschafts- und Wissenschaftskoalition fordert zudem, sämtliche neue Gesetzesvorhaben daraufhin zu prüfen, ob und inwieweit sie sich auf den Forschungs- und Innovationsstandort auswirken. Förderschwerpunkte sollen „noch stärker als bisher ressortübergreifend und methodisch konsistent“ in der Bundesregierung festgelegt werden, um noch effektiver fördern zu können und mehr Akzeptanz bei den Akteuren zu erzielen.

Diesem Katalog ist erst einmal zuzustimmen. Eine bessere und sichere finanzielle Ausstattung von Forschungsvorhaben ist in einer innovationsabhängigen Volkswirtschaft auf jeden Fall vorteilhaft. Allerdings wirkt der Katalog selber nicht sehr innovativ. Alle Instrumente sind bekannt, keine Forderung wirklich neu.

Zudem fällt auf, dass die Stellungnahme gänzlich ohne das Wort Wettbewerb auskommt. Dabei zeigt sich immer wieder, dass insbesondere der Wettbewerb Innovationen hervorbringen kann. Das gilt in der Grundlagenforschung und noch stärker in der angewandten Forschung.

Ein Beispiel ist die spannende Suche nach der Doppelhelix-Struktur der DNA durch zwei Forscherteams an der Universität Cambridge, Großbritannien, und dem California Institute of Technology in Pasadena, Vereinigte Staaten. Am Ende setzten sich die Briten um James Watson durch, der über dieses Rennen in seinem erfolgreichen Sachbuch “The Double Helix“ berichtete. Wer das Buch gelesen hat, ahnt, dass die Suche nach der Doppelhelix-Struktur ohne intensiven Wettbewerb länger gedauert hätte.

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In der angewandten Forschung sorgt der Wettbewerbsdruck auf internationalen Märkten regelmäßig für Neuerungen. Zwar handelt es sich dabei zumeist eher um Verbesserungen bereits bestehender Ideen, also inkrementelle Innovationen, aber gelegentlich finden auch technologische Revolutionen statt. Eine so rege Innovationstätigkeit ohne Wettbewerb wäre kaum vorstellbar.

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