Freytags-Frage: Stärkerer Wettbewerb gewünscht

Freytags-Frage: Braucht Wissenschaft mehr Wettbewerb?

Stärkerer Wettbewerb gewünscht

Indirekt mag die Stellungnahme der Wirtschafts- und Wissenschaftskoalition sogar auf stärkeren Wettbewerb abzielen. Denn an einigen Stellen werden die technologischen Voraussetzungen für die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft herausgearbeitet. Auch dieser Aussage kann man nur zustimmen.

Allerdings lässt die Stellungnahme genauso wenig Zweifel daran, dass es den Beteiligten lediglich um den Wettbewerb der Ideen geht – und nicht darum, diesen mit dem Wettbewerb um Fördermittel zu kombinieren. Das alles klingt sehr nach zentral gesteuerter und von oben aufgesetzter Forschung.

Die tägliche Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb lehrt allerdings, dass auch in der Grundlagenforschung oftmals die besten Projekte und die erfolgreichsten Kooperationen nicht notwendigerweise von der Leitungsebene eines Wissenschaftssystems initiiert werden. Vielmehr entstehen sie spontan und von unten, also angestoßen durch die beteiligten Forscher selbst.

Das bedeutet nicht, dass Förderschwerpunkte gänzlich abzulehnen sind. Es bedeutet aber, dass der Fokus der Stellungnahme einseitig auf einer zentral geleiteten Forschungsförderung liegt. Dies kann man am besten nachvollziehen, wenn man die Anreizstrukturen des Wissenschaftssystems versteht. Denn an die großen Finanztöpfe gelangen in der Regel nicht kreative Einzelforscher, sondern große Wissenschaftsstrukturen, die nicht nur über exzellente Forscher, sondern auch über gut vernetztes und politisch versiertes Leitungspersonal verfügen. Diese Strukturen erlauben es großen Wissenschaftsorganisationen sicherlich auch, den Abstimmungsprozess und Förderschwerpunkte mit zu gestalten.

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Ob unter diesen Bedingungen die Forschungsergebnisse und die Innovationstätigkeit und Kreativität in Deutschland mit einer Aufstockung der Forschungsgelder deutlich gesteigert werden können, bleibt offen. Vermutlich bringt schon die bloße Erhöhung der Mittel etwas. Sowohl die Effizienz als auch die Effektivität der eingesetzten Forschungsmittel wäre aber vermutlich höher, wenn im Wissenschaftssystem mehr Elemente eines funktionsfähigen Wettbewerbs eingebaut würden, die gerade kleinen Strukturen und Initiativen mehr Möglichkeiten einräumte. Dazu trägt die aktuelle Stellungnahme aus Wissenschaft und Wirtschaft nicht bei.

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