Früherkennung: Narrenfreiheit bei der Diagnose

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Früherkennung: Narrenfreiheit bei der Diagnose

Anders als Arzneimittel werden Vorsorgemethoden nie geprüft, ob sie den Patienten auch nutzen.

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Vorsorgemethoden unterstehen keiner staatlich geregelten Prüfung - Ein Missstand, meint IQWiG-Chef Windeler

Wer hierzulande als Arzt Vorsorgedienste oder Früherkennungstests anbietet, hat eine Art Narrenfreiheit. Denn diagnostische Verfahren und Tests werden nie von einer unabhängigen und fachkundigen Instanz auf ihren Nutzen für den Patienten geprüft. Ganz anders als bei Arzneimitteln, die seit dem Contergan-Skandal ein strenges Zulassungsverfahren durchlaufen müssen.

Wie Ärzte und Bürger das Gesundheitssystem bewerten

  • Befragung

    Die Studie zur Lage des Gesundheitswesens hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanz- und Vermögensberaters MLP erstellt. Für die diesjährige repräsentative Untersuchung führte Allensbach Interviews mit 512 Ärzten sowie 2100 Bürgern zu mehr als 80 Einzelfragen. Die Gespräche fanden im Oktober und November 2012 statt.
    Quelle: MLP Gesundheitsreport 2012/2013 vom 23.1.2013

  • Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems

    Das Gesundheitssystem und die Gesundheitsversorgung in Deutschland sind


    laut Bevölkerung
    gut oder sehr gut: 82 Prozent
    weniger gut oder gar nicht gut: 16 Prozent

    laut Ärzten
    gut oder sehr gut: 93 Prozent
    weniger gut oder gar nicht gut: 7 Prozent

  • Qualität der Gesundheitsversorgung

    Die Qualität der Gesundheitsversorgung hat sich in den letzten zwei, drei Jahren

    laut Bevölkerung
    verbessert: 9 Prozent
    kaum verändert: 46 Prozent
    verschlechtert: 39 Prozent

    laut Ärzten
    verbessert: 12 Prozent
    kaum verändert: 45 Prozent
    verschlechtert: 40 Prozent


    Differenz zu 100 Prozent: unentschlossen

  • Zufriedenheit mit der Gesundheitspolitik

    Es haben von der Gesundheitspolitik der Bundesregierung


    keinen guten Eindruck: Bevölkerung: 42 Prozent; Ärzte: 71 Prozent
    einen guten Eindruck: Bevölkerung 26 Prozent; Ärzte: 18 Prozent

  • Reformbedarf und Reformdruck

    Frage: Muss unser Gesundheitssystem umfassend reformiert werden oder ist das nicht notwendig?


    Muss umfassend reformiert werden: 73 Prozent der Ärzte, 47 Prozent der Bevölkerung
    Ist nicht notwendig: 24 Prozent der Ärzte, 27 Prozent der Bevölkerung


    Frage an die Ärzte:
    Was erwarten Sie: Wird es nach der nächsten Bundestagswahl zu grundlegenden Reformen im Gesundheitswesen kommen oder glauben Sie das nicht?
    Erwarte grundlegende Reformen: 4 Prozent
    Erwarte das nicht: 90 Prozent

  • Felder notweniger Reformen

    Gefragt, was zur Sicherstellung einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung notwendig wäre, nannten die Ärzte am häufigsten (Mehrfachnennungen möglich):


    Bürokratieabbau, Einsparungen bei Verwaltungskosten, Umbau und Vereinfachung der Kassenlandschaft (31 Prozent der Befragten)
    Änderung und gerechtere Gestaltung des Honorar- und Vergütungssystems (15 Prozent)
    Bessere Information der Patienten, um Eigenverantwortung und Kostenbewusstsein zu stärken (12 Prozent)

  • Verwendung der Krankenkassenüberschüsse

    Wofür plädieren Sie? Angesichts der derzeitigen Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen sollte man


    Rücklagen bilden: Bevölkerung 38 Prozent; Ärzte 59 Prozent
    Beiträge zurückerstatten: Bevölkerung 37 Prozent; Ärzte: 17 Prozent
    Beiträge generell senken: Bevölkerung 34 Prozent; Ärzte 36 Prozent
    Zusatzleistungen anbieten: Bevölkerung: 23 Prozent; Ärzte 27 Prozent

  • Zurück zu Beitragsunterschieden bei den Kassen?

    Sollten die Krankenkassen die Beitragssätze wieder individuell festlegen?


    Dafür: 39 Prozent
    Dagegen: 49 Prozent
    Unentschieden: 12 Prozent

  • Ist die Bürgerversicherung gewünscht?

    Sollten auch Beamte, Selbständige und gut verdienende Angestellte in die gesetzliche Krankenversicherung?

    56 Prozent der Befragten sagen ja. 33 Prozent sind gegen einen Versicherungszwang in der gesetzlichen Krankenkasse.

Was Mediziner aus Kernspintomografie-Bildern ablesen, wie oft sie bei der Interpretation solcher Aufnahmen richtig liegen oder falsch, wie häufig sie mit Gentests Fehlalarm auslösen oder irrtümlich Entwarnung geben – das alles kontrolliert kein Mensch.

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Zwar müssen Medizingeräte, zu denen auch die Kernspintomografen zählen, ein sogenanntes CE-Kennzeichen haben, bevor der Hersteller sie vertreiben darf. Doch das Zeichen ist kein medizinisches Gütesiegel. Es besagt nur, dass das Produkt den EU-Richtlinien entspricht, dass es funktioniert und dass es ein paar Mindestanforderungen in puncto Sicherheit erfüllt. Das gilt ebenso für Kühlschränke, Spielzeug oder Kondome. Auf ein MRT-Gerät übertragen, heißt das zum Beispiel, dass es scharfe Bilder liefert und dass von dem Dauermagnetfeld keine Gefahren für Personal oder Patienten ausgehen.

Frei von jeder Kontrolle

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Für die Vermarktung aber kommt es nicht darauf an, ob die beworbenen medizinischen Tests wirklich Klarheit schaffen – oder Hokuspokus sind. „Das ist ein seit Jahren bekannter Missstand“, beklagt der IQWiG-Chef Jürgen Windeler. „Und es wäre höchste Zeit, dass dafür eine gesetzliche Regelung und ein staatliches Zulassungsverfahren geschaffen werden.“

Es könne nicht sein, dass Diagnosen und Tests anders behandelt würden als Arzneimittel.

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