Gedacht, getan!: Was die Hirnforschung möglich macht

Gedacht, getan!: Was die Hirnforschung möglich macht

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In Gedanken: Patrick Vogel (vorne) und Henrik Matzke vom Berliner Braindriver-Projekt, bei dem ein Auto mit Gedanken gelenkt wird. Computer erkennen unsere Ideen, noch bevor wir sie in Worte fassen.

von Jens Tönnesmann

Wissenschaftler entwickeln Techniken, mit denen sie entziffern können, was Menschen durch den Kopf geht. Durch bloßes Denken können wir bald womöglich Autos lenken, Computerspiele steuern oder Mails schreiben. Die technologische Revolution definiert das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine ganz neu.

Es war eine ungewöhnliche Bewerbung, die Raul Rojas kürzlich in seiner E-Mail entdeckte. Ein Trucker aus den USA hatte dem Berliner Professor für Künstliche Intelligenz geschrieben. Der Mann klang verzweifelt: Jahrzehntelang habe er seinen Laster durch Schneestürme, Wüsten und Großstädte gelenkt, schrieb er. Doch seit einem schweren Unfall sei er gelähmt. „Deswegen wäre ich der ideale Kandidat, um Ihre Technologie auszuprobieren.“

Fahren mit Geisteskraft

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Braindriver heißt dieses Projekt, das ein Team der Freien Universität Berlin um Rojas entwickelt und der Öffentlichkeit vorgestellt hat: ein Auto, das sich mit Gedanken steuern lässt. Dazu erfasst eine Sensorkappe mit 16 Elektroden die elektrischen Aktivitäten im Gehirn des Fahrers. Ein Computer übersetzt diese Hirnströme in Fahranweisungen – und der Wagen bremst, beschleunigt oder fährt nach rechts und links.

So ausgestattet lenkte der zu Rojas Team gehörende Informatiker Henrik Matzke den Testwagen mit Geisteskraft über den früheren Berliner Flughafen Tempelhof. Ein Video davon stellten die Forscher 2011 ins Netz. Mehr als 300 000-mal wurde es abgerufen; auch vom Trucker aus den USA. „Die Resonanz war überwältigend“, sagt Patrick Vogel, der die Finanzierung des Forschungsprojekts organisiert.

Radikaler Technologiesprung

Vor allem aber beweist der Braindriver: Was lange Science-Fiction war, wird Realität. Wir stehen vor dem radikalsten Technologiesprung im Zusammenspiel von Mensch und Maschine seit Einführung der Computermaus. Nur mit Geisteskraft können wir in Zukunft Maschinen kontrollieren – ohne Tastatur, Joystick oder Sensoren, die Hand- oder Augenbewegungen aufzeichnen.

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1 Kommentar zu Gedacht, getan!: Was die Hirnforschung möglich macht

  • Es ist immer wieder dasselbe festzustellen: Hirnforscher wissen einfach zu wenig von Psychologie!

    Seit dem 19. Jahrhundert ist hier der "Carpenter-Effekt" bekannt, und seine aktive Umsetzung bis zur gezielten Nutzung in dem von Willi Hellpach 1933 formulierten "Ideo-Motorischen-Gesetz" beschrieben worden.

    Es besagt, dass wir unmerkliche oder "subliminale" Muskelreaktionen schon dann erzeugen, wenn wir uns Bewegungen nur vorstellen!

    Sportler nutzen diesen "psychomotorischen" Zusammenhang gezielt als sog. "mentales Training". Es gibt noch mach anderes, was auf diesem psychosomatischen Zusammenhang beruht.

    Man kann ihn sogar sichtbar machen, so dass jedermann und -frau sich ihn selbst vorführen kann: mittels eines schlichten Fadens mit einem Gewicht unten dran, dem berühmten "Pendel"! Das kann man bei genügender Konzentration, also rein "geistig" willentlich und gezielt in jede Richtung, die physikalisch möglich ist, in die Schwingungsbewegung versetzen, die man sich vorstellt! (Dabei ist Voraussetzung, dass man das Pendel willentlich gleichzeitig so ruhig hält wie möglich, also keinerlei Willkürbewegung macht! Von außen sieht es für Unkundige dann so aus, als ob sich das Pendel unabhängig von unserem Willen "bewegt", ja eigentlich sogar entgegen unserem Willen! - NB: Die bekanntere Verwendung eines Pendels zum sog. "Auspendeln" beruht zwar auf derselben Grundlage; sie geschieht aber von anderer Ausgangslage aus. Für die Erklärung dieses Effekts ist deswegen weit mehr in Betracht zu ziehen, so dass sie nur aufwändiger ist.)

    Hirnforscher sind mit den ihnen mittlerweile zur Verfügung stehenden Apparaturen lediglich imstande, die neurophysiologisch registrierbaren "Korrelate" bei der Bildung von Vorstellungen direkt am Gehirn "abzugreifen". Entdeckt haben sie damit nichts Neues! Nur ihre Technik ist neu und erlaubt jetzt auch gelähmten Patienten ihre geistige Potenz zu nutzen.

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